Titanic (1997)

Filmdaten
Deutscher Titel: Titanic
Originaltitel: Titanic
Produktionsland: USA
Erscheinungsjahr: 1997
LĂ€nge: 189 Minuten
Originalsprache: Englisch
Altersfreigabe: FSK 12
Stab
Regie: James Cameron
Drehbuch: James Cameron
Produktion: James Cameron,
Jon Landau
Musik: James Horner
Kamera: Russell Carpenter
Schnitt: Conrad Buff,
James Cameron,
Richard A. Harris
Besetzung

Titanic ist ein US-amerikanisches Spielfilmdrama aus dem Jahr 1997 unter der Regie von James Cameron, das die Geschichte der Jungfernfahrt der Titanic im Jahr 1912 nacherzÀhlt. In die Fakten des Untergangs der Titanic wurde eine Liebesgeschichte mit fiktiven Personen eingeflochten.

Der Film gilt bis heute mit einem Gewinn von elf Oscars inklusive den des Besten Films und einem weltweiten Einspielergebnis von ĂŒber 1,8 Mrd. US-Dollar als einer der erfolgreichsten Filme der Geschichte und steht in der nicht inflationsbereinigten Liste der erfolgreichsten Filme aufgrund seiner Kino-Einspielergebnisse auf dem ersten Platz. Allein in Deutschland sahen den Film ĂŒber 18 Millionen Kinobesucher.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Handlung

August 1996: Der Schatzsucher Brock Lovett befindet sich an Bord der Keldysh, einem Forschungsschiff. Er und sein Team suchen im Nordatlantik im Wrack der legendĂ€ren Titanic nach dem verschollenen Diamanten-Collier „Das Herz des Ozeans“, das angeblich beim Untergang der Titanic mit an Bord gewesen sein soll. Stattdessen bergen sie die Aktzeichnung einer jungen Frau, die den gesuchten Diamanten trĂ€gt. Derweil schaut die 101 Jahre alte Rose Dawson-Calvert einen Bericht ĂŒber die Bergung im Fernsehen. Als schließlich die Zeichnung eingeblendet wird, erkennt sie darauf sich selbst. Sie lĂ€sst durch ihre Enkelin Lizzie auf dem Forschungsschiff anrufen und erklĂ€rt, dass sie einst an Bord der Titanic war. Daraufhin lĂ€sst das Forschungsteam Rose auf der Keldysh einfliegen. Dort erzĂ€hlt sie Lovett und einigen weiteren Crew-Mitgliedern die Geschichte des Unterganges aus ihrer Sicht.

Ihre Geschichte beginnt am 10. April 1912 in Southampton, England. Die Titanic geht an diesem Tag auf ihre Jungfernfahrt in Richtung New York. Zu den Passagieren gehören neben ihr selbst, der aus der gehobenen Gesellschaftsschicht stammenden Rose DeWitt Bukater, ihrem Verlobten Caledon „Cal“ Hockley und ihrer Mutter Ruth auch Jack Dawson und sein Freund Fabrizio De Rossi, die dritter Klasse reisen. Auf der Fahrt ist Jack vom ersten Blick an von Rose hingerissen, die auf DrĂ€ngen ihrer Mutter ihren vermögenden Verlobten Cal heiraten soll, um ihrer Familie soziale Sicherheit zurĂŒckzugeben. Rose liebt Cal nicht und sieht schließlich keinen Ausweg mehr. Sie will sich vom Heck des Schiffes stĂŒrzen. Dem zufĂ€llig anwesenden Jack gelingt es, sie mit viel Zureden von ihrem Vorhaben abzubringen als sie versehentlich stĂŒrzt. Jack kann sie retten und als Cal von seiner Tat erfĂ€hrt, lĂ€dt er Jack fĂŒr den nĂ€chsten Abend zum Abendessen in die erste Klasse ein. Am nĂ€chsten Tag ĂŒberredet Bruce Ismay, Direktor der White Star Line, unter dessen Flagge die Titanic fĂ€hrt, KapitĂ€n Smith dazu, unvorsichtigerweise mit voller Kraft zu fahren, obwohl Eisberge nachts nur schwer zu erkennen sind. Nach dem Abendessen fĂŒhrt Jack Rose auf eine ausgelassene Feier in der dritten Klasse.

Am nĂ€chsten Morgen kommt es beim FrĂŒhstĂŒck zum Eklat. Cal ist wĂŒtend, dass Rose sich in der dritten Klasse mit Jack herumgetrieben hat. Ihr wird sowohl von Cal als auch von ihrer Mutter untersagt, sich noch einmal mit Jack zu treffen. Wissend, dass er Rose aus ihrer misslichen Lage retten muss, trifft sich Jack heimlich mit Rose. Sie macht ihm jedoch klar, dass sie sich nicht weiter treffen könnten. Schließlich ĂŒberlegt sie es sich anders und sucht Jack am Bug des Schiffes auf, wo es zum ersten Kuss zwischen den beiden kommt. Rose nimmt Jack mit in ihre Kabine und zeigt ihm den Diamanten. Sie möchte sich von ihm nackt zeichnen lassen, wĂ€hrend sie das SchmuckstĂŒck trĂ€gt. Jack fertigt schließlich die Zeichnung an, die zu Beginn des Filmes aus dem Tresor geborgen wurde. Anschließend mĂŒssen die beiden vor Cals Kammerdiener flĂŒchten. Im Lagerraum des Schiffes können sie sich in einem dort verfrachteten Automobil verstecken, wo sie miteinander schlafen.

SpĂ€ter am Abend wird ein Eisberg gesichtet, dem das Schiff nicht mehr ausweichen kann. Die Titanic rammt den Eisberg und kurz darauf dringt Wasser in den Kesselraum. Bei einem GesprĂ€ch zwischen KapitĂ€n Smith, dem Schiffsingenieur Andrews und dem EigentĂŒmer des Schiffes macht Andrews ihnen klar, dass das Schiff sinken wird. Der KapitĂ€n veranlasst daraufhin, dass die Passagiere Schwimmwesten anlegen und sich an Deck versammeln sollen. Inzwischen wird Jack des Diebstahls bezichtigt, da er den von Cals Kammerdiener untergeschobenen Diamanten in einem gestohlenen Mantel bei sich trĂ€gt. Jack wird unter Arrest gestellt. Rose hat zu dieser Zeit einen Streit mit ihrer Mutter Ruth, denn diese ist der Ansicht, die Rettungsboote wĂŒrden mit zu vielen Menschen beladen. Rose sagt sich von ihrer Mutter los und macht sich auf die Suche nach Jack. Nach langem Suchen findet sie ihn im Raum des Bootsmannes, wo er mit Handschellen an ein Rohr gefesselt ist. Rose befreit ihn mit einer Axt. Sie gelangen wieder in die dritte Klasse.

Auf dem Schiff kommt es zur Panik, da das Wasser immer höher steigt. Die Passagiere der dritten Klasse durchbrechen eine der verschlossenen GittertĂŒren, um an Deck zu gelangen. Auch Cal und sein Kammerdiener wollen in eines der Rettungsboote gelangen, was jedoch vorerst misslingt. Als sich fĂŒr Cal eine Chance auftut, erfĂ€hrt er, dass sein Kammerdiener Rose und Jack entdeckt hat. Rose will ohne Jack nicht in ein Rettungsboot steigen. Cal kommt hinzu und gibt Rose seinen Mantel, nicht daran denkend, dass sich in diesem der Diamant befindet. Er behauptet, Jack und er könnten an der anderen Schiffsseite noch ein Boot bekommen. Rose steigt widerwillig in das Rettungsboot, ĂŒberlegt es sich wĂ€hrend des Absenkens des Bootes jedoch noch einmal anders und springt wieder zurĂŒck an Deck. Jack lĂ€uft sofort zu ihr. Cal verliert die Beherrschung und beginnt, auf die beiden zu schießen. Sie flĂŒchten durch die Decks der ersten Klasse und können entkommen. An Deck verstĂ€rkt sich die Panik, nachdem SchĂŒsse gefallen sind. Cal entdeckt ein kleines MĂ€dchen, mit dessen Hilfe es ihm gelingt, einen Platz in einem der letzten Boote zu ergattern.

Inzwischen sinkt das Schiff immer weiter. Rose und Jack sind derweil am Heck des Schiffes angelangt, als sich das Schiff senkrecht aufrichtet. Dann bricht es in der Mitte auseinander, und der hintere Schiffsteil fĂ€llt zurĂŒck ins Wasser. Er richtet sich wieder auf und treibt anschließend senkrecht im Wasser, um schließlich zu sinken. Jack und Rose klammern sich aneinander, verlieren sich aber unter Wasser. Nach kurzer Suche entdeckt Jack Rose inmitten der im Meer schwimmenden Passagiere. Sie retten sich auf eine treibende Wandverkleidung eines Treppenhauses, die nur Platz fĂŒr einen bietet, sodass Jack im Wasser bleibt und spĂ€ter erfriert. Schiffsoffizier Lowe geht noch einmal mit einem Rettungsboot auf die Suche nach Überlebenden. Als Rose das Rettungsboot hört, macht sie mit Hilfe einer Trillerpfeife auf sich aufmerksam und wird gerettet. Zusammen mit den anderen Überlebenden wird sie auf das Passagierschiff Carpathia gebracht. Noch vor der Ankunft der Carpathia in New York nimmt Rose Jacks Familiennamen Dawson an.

ZurĂŒck im Jahr 1996: Nachdem die 101-jĂ€hrige Rose die Geschichte erzĂ€hlt hat, sind ihre Enkelin, Lovett und der Rest des Teams ergriffen. In der Nacht wirft Rose das „Herz des Ozeans“ ins Wasser. Sie hatte den Diamanten ĂŒber all die Jahre behalten. Als Rose an diesem Abend einschlĂ€ft, gelangt ihr Geist im Traum zurĂŒck auf die Titanic, wo sie Jack und alle anderen, die damals auf der Titanic umgekommen sind, wiedertrifft.

[Bearbeiten] Produktion

Der Bug der Titanic in 3803 Metern Wassertiefe, fotografiert von der Mir 1
Der Bug der Titanic in 3803 Metern Wassertiefe, fotografiert von der Mir 1
Eines der beiden Mir-U-Boote, die fĂŒr den Film verwendet wurden
Eines der beiden Mir-U-Boote, die fĂŒr den Film verwendet wurden

[Bearbeiten] Vorproduktion

James Cameron war von Schiffswracks schon immer fasziniert. So rĂŒckte Anfang der 1990er Jahre auch die Titanic in sein Blickfeld. Er war vom Potential der Geschichte begeistert und beschrieb die Story vom Untergang der Titanic als einen „großartigen Roman, der sich ganz genauso abgespielt hat“.[1]

„Eine bessere Geschichte hĂ€tte man gar nicht erfinden können: Die GegenĂŒberstellung von Arm und Reich, die gesellschaftlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau, die bis zum letzten Augenblick GĂŒltigkeit hatten, die stoische Gelassenheit und das ehrbare Verhalten einer Epoche die lĂ€ngst untergegangen ist, der Prunk des großartigen Schiffes, das sich nur mit der Tollheit jener MĂ€nner, die es wie besessen durch die Dunkelheit trieben, messen lĂ€sst. Und vor allem die Lehre, die wir daraus ziehen: Dass das Leben ein Wagnis ist, die Zukunft unbekannt â€Š dass das Undenkbare möglich ist.“

– James Cameron[1]

Um die tragische Katastrophe strickte Cameron eine romantische Liebesgeschichte, bei der sich die sympathischen Hauptfiguren Jack und Rose einander nĂ€her kommen â€“ stets mit der Gefahr lebend, dass ihr GlĂŒck jĂ€h zerstört werden könnte. Cameron verknĂŒpfte mit seiner Liebesgeschichte vom Bug bis zum Heck alle interessanten Orte und Momente des Schiffes, um dem Zuschauer „den Optimismus und die Herrlichkeit des Schiffes auf eine Art und Weise erleben zu lassen, wie sie den meisten Passagieren verwehrt blieb“. Des Weiteren schuf Cameron mit der Ă€lteren Rose einen modernen Rahmen fĂŒr die Romanze, was die Geschichte greifbar und zugleich ergreifend macht.[1] Der Schatzsucher Brock Lovett wurde als Element eingefĂŒgt, das all diejenigen reprĂ€sentiert, die sich der Geschichte nie unter menschlichem Aspekt genĂ€hert haben.[2]

Cameron traf sich mit 20th Century Fox und ĂŒberzeugte das Studio davon, den Film durch Originalaufnahmen der echten Titanic historisch zu fundamentieren.[3] Er stellte eine Crew aus russischen, amerikanischen und kanadischen Wissenschaftlern, Filmtechnikern, Seeleuten und Historikern zusammen und organisierte 1995 zwölf Tauchfahrten, die vom russischen Forschungsschiff Akademik Mstislaw Keldysch, dem grĂ¶ĂŸten Schiff seiner Art, aus koordiniert wurden. Mit den beiden Mir-U-Booten, zwei von damals nur fĂŒnf existierenden U-Booten, die bis zur Titanic in rund vier Kilometern Tiefe hinuntertauchen konnten, und einem Remotely Operated Vehicle (ROV) sollte das Wrack mit Kameras erkundet werden.[1] Dieses eigens fĂŒr den Film konstruierte Mini-U-Boot mit dem Namen Snoop Dog drang dabei in die InnenrĂ€ume des Schiffes vor, die nach dem Untergang noch niemand gesehen hatte. Alles musste genau geplant werden, da die Spezial-Kameras pro Tauchgang nur zwölf Minuten filmen konnten. Nach diesen Erfahrungen begann Cameron das Drehbuch zu schreiben.[3]

Kurze Zeit spĂ€ter begann am 1. September 1995 die Produktion. Harland & Wolff, die Schiffswerft, welche die Titanic einst erbaut hatte, öffneten ihre privaten Archive und die Crew erhielt Zugang zu Blaupausen, die bis dahin als vermisst galten. FĂŒr die Inneneinrichtung des Schiffes suchte das Team um Produktionsdesigner Peter Lamont nach GegenstĂ€nden aus der Zeit um 1912, dem Jahr als die Titanic den Eisberg rammte. Allerdings musste sich alles in neuem Zustand befinden oder zumindest so aussehen, da das Schiff bereits auf seiner Jungfernfahrt unterging. Die Akribie ging so weit wie bei kaum einem anderen Film zuvor. Bis ins kleinste Detail wurden Kleider, Koffer, Geschirr, Innenausstattung und UmstĂ€nde des Untergangs den Originalen oder den wahren Begebenheiten nachempfunden. FĂŒr diesen Aufwand wurden keine Kosten gescheut. Die Titanic hĂ€tte von einer Werft in Danzig fĂŒr 25 Millionen US-Dollar seetĂŒchtig nachgebaut werden können. Cameron zog es jedoch vor, mit realistischeren Spezialeffekten zu arbeiten, was doppelt so teuer war.[4] Trotz all dieser engagierten BemĂŒhungen weist Titanic einige Filmfehler auf. So wurden zum Beispiel im Film Zigaretten mit Filter verwendet, die erst Mitte der 1940er Jahre verkauft wurden.

Um realistische Außenaufnahmen zu garantieren, kaufte 20th Century Fox eigens ein 160.000 mÂČ großes GelĂ€nde an der mexikanischen PazifikkĂŒste im Bundesstaat Baja California und ließ dort ab dem 31. Mai 1996 das erste voll funktionsfĂ€hige Filmstudio seit dreißig Jahren an der amerikanischen WestkĂŒste errichten. In vier Monaten entstand nördlich der Stadt Playas de Rosarito eine Filmanlage mit den Ausmaßen einer Kleinstadt mit umfangreicher Infrastruktur und zahlreichen Studios.

Mit Sprengungen wurde der Untergrund fĂŒr zwei große Tanks prĂ€pariert â€“ einer mit 64 Millionen Litern fĂŒr eine originalgetreue Nachbildung der Titanic, bei der in einem Winkel von 270° gedreht werden konnte, und einer mit 22 Millionen Litern, in dem die luxuriösen Inneneinrichtungen der 1. Klasse eingerichtet wurden. Das Schiff im großen Tank war zwar im exakten Maßstab aufgebaut worden, jedoch mussten von Lamont einige Kompromisse eingegangen werden. So wurden etwa die Rettungsboote und Schornsteine um zehn Prozent verkleinert und ĂŒberflĂŒssige Teile des Oberbaus und eines der vorderen Decks entfernt, um sie spĂ€ter mit Modellen zu ersetzen. Das Boot- und A-Deck waren funktionstĂŒchtige Filmsets, wĂ€hrend der Rest nur eine Stahlkonstruktion darstellte, in der sich die Plattform befand, mit der sich das Ganze fĂŒr die Untergangsszenen neigen ließ. Ein 50 Meter hoher Kran sorgte auf 120 Metern Gleis neben seiner Funktion als Baukran fĂŒr richtige LichtverhĂ€ltnisse und Kameraperspektiven.[2] Nachdem die entsprechenden Szenen abgedreht waren, wurde das Schiff demontiert und als Alteisen verkauft, um die Produktionskosten etwas zu schmĂ€lern.

[Bearbeiten] Besetzung

Es stellte sich die Frage, welche Schauspieler die Figuren des Films verkörpern sollten. Besonders fĂŒr die Hauptfiguren Jack und Rose musste die Wahl die richtige sein â€“ mit ihnen steht und fĂ€llt der Erfolg des Films. Cameron fragte Claire Danes, ob sie die Rolle von Rose ĂŒbernehmen wĂŒrde. Sie fĂŒhlte sich jedoch nach ihrer Arbeit an Baz Luhrmanns William Shakespeares Romeo + Julia sehr aufgebraucht und fand außerdem, die Filme Ă€hnelten sich zu sehr.[5] Er traf sich außerdem mit Gwyneth Paltrow wegen der Rolle.[6] Als Darsteller von Jack waren ursprĂŒnglich Billy Crudup[7], Stephen Dorff[8], Matthew McConaughey[9], Macaulay Culkin[10] und Christian Bale[11] im GesprĂ€ch. Die Wahl fiel schließlich auf den damals noch recht unbekannten US-amerikanischen Filmschauspieler Leonardo DiCaprio und die Britin Kate Winslet, die bis dahin vor allem in Großbritannien durch ihre Rolle in Sinn und Sinnlichkeit bekannt war. FĂŒr beide sollte der Film fĂŒr einen enormen Bekanntheitsschub sorgen. DiCaprio wurde zum Teenie-Frauenschwarm und war auf zahlreichen Zeitschriftentiteln abgebildet, darunter das Musikmagazin Rolling Stone.[12] Er gehörte in den Anfangsjahren des Internets zu den meistgesuchten Personen und war nun auch in Hollywood gefragt. Es folgten publikumstrĂ€chtige Filme wie Der Mann in der eisernen Maske (1998), The Beach (2000), Gangs of New York (2002), Catch Me If You Can (2002) und Aviator (2004). Kate Winslet unterschrieb vom Erfolg unbeeindruckt weiterhin bei Filmen mit geringen Budgets wie Hideous Kinky (1998) und Holy Smoke (1999).

Auch bei den anderen Rollen dauerte es, bis die richtige Besetzung fĂŒr den Film gefunden wurde. Molly Brown sollte ursprĂŒnglich von der Country-SĂ€ngerin Reba McEntire gespielt werden, die jedoch aus TermingrĂŒnden absagen musste.[13] Die Wahl fiel auf Kathy Bates. Sie war dem produzierenden Studio 20th Century Fox mit Gehaltsforderungen von 600.000 US-Dollar zwar zu teuer, doch Cameron half aus eigener Tasche aus, weil er sie fĂŒr die ideale Besetzung hielt. Rob Lowe[14] oder Jack Davenport sollten ursprĂŒnglich Cal Hockley verkörpern, wobei Davenport schließlich als zu jung eingeschĂ€tzt wurde.[15] Stattdessen erhielt Billy Zane die Rolle. Als Darstellerin der alten Rose hatte Cameron Fay Wray favorisiert, die aber die Teilnahme an einem solchen Projekt als zu anstrengend einschĂ€tzte.[16] Auch Ann Rutherford lehnte ab[17] und so wurde die damals 86 Jahre alte Gloria Stuart verpflichtet. Mit David Warner in der Rolle von Cals Kammerdiener Spicer Lovejoy wurde darĂŒber hinaus ein Schauspieler engagiert, der schon in S.O.S. Titanic (1979) mitgewirkt hatte.

[Bearbeiten] Dreharbeiten

FĂŒr die Aufnahmen der Gegenwarts-Szenen am Anfang und Ende des Films wurde im Juli 1996 die Akademik Mstislav Keldysh verwendet, die bereits als Forschungsschiff fĂŒr die Tauchexpedition genutzt wurde. WĂ€hrend dieser Dreharbeiten mischte eine bis heute unbekannte Person die Designerdroge Phencyclidin in das Essen der Mannschaft, was fĂŒr viele Mitglieder des Teams, darunter auch Cameron, im Krankenhaus endete.[18][19] Im September 1996 begannen die eigentlichen Dreharbeiten in den neu errichteten Fox Baja Studios.[2]

Dort wurden die Szenen am Poopdeck des Schiffes mittels einer speziellen Technik gedreht. Durch ein Gelenk konnte das gesamte Heck in wenigen Sekunden bis zu 90° aufgestellt werden. FĂŒr die Sicherheit der Stuntmen waren viele Requisiten aus Schaumstoff gefertigt.[20] Am 15. November 1996 wurden die Einstiegsszenen gedreht.[21] Cameron ließ die Titanic nur auf der Steuerbordseite aufbauen, da der vorwiegend aus Norden vorherrschende Wind den Rauch der Schornsteine so blies, dass es aussah, als fahre das Schiff. Allerdings hatte das Team deswegen Probleme, das Schiff bei seiner Abfahrt aus Southampton zu zeigen, da es mit seiner Backbordseite am Kai lag. Das Produktionsteam half sich mit einer kuriosen Lösung. Aufschriften auf Requisiten und KostĂŒmen waren in Spiegelschrift aufgetragen und jemand, der laut Drehbuch nach rechts gehen sollte, ging in die andere Richtung. Erst in der Postproduktion des Films wurde das Material durch Spiegeln berichtigt.[22]

Hauptdarstellerin Kate Winslet
Hauptdarstellerin Kate Winslet

Der Zeitplan sah 138 Drehtage vor, aus denen bald 160 wurden. Viele Schauspieler holten sich ErkĂ€ltungen, Influenza oder Niereninfektionen, nachdem sie stundenlang im kalten Wasser gedreht hatten, darunter auch die Hauptdarstellerin Kate Winslet. Einige Darsteller verließen das Team und drei Stuntman hatten KnochenbrĂŒche zu beklagen. Eine Untersuchung der Screen Actors Guild kam aber zu dem Ergebnis, dass auf dem Set alles eigensicher war. Cameron hat sich nie dafĂŒr entschuldigt, seine Mitarbeiter derart zu fordern, jedoch gestand er die etwas hĂ€rtere Gangart ein: „Ich bin fordernd und ich fordere meine Crew. Was meine etwas militĂ€rische Gangart angeht, so bin ich davon ĂŒberzeugt, dass der Umgang mit tausenden von Extras und großen Drehorten und die GewĂ€hrleistung, dass Menschen nicht zu Schaden kommen, sehr in diese Richtung geht. Ich denke, dass Sie strenge Methoden an den Tag legen mĂŒssen, wenn Sie mit so vielen Leuten zu tun haben.“[23]

[Bearbeiten] Spezialeffekte

Der kleinere Tank mit 22 Millionen Litern Fassungsvermögen war mit einem riesigen Hydrauliksystem versehen, mit dem neben dem Speisesaal der 1. Klasse die große Freitreppe mit einer Geschwindigkeit von 30 cm pro Minute komplett im Tank versenkt werden konnte.[2] Dabei wurde die Treppe beim ersten Versuch aus ihrer Stahlverankerung gerissen, wobei aber niemand zu Schaden kam. Als das Vorderteil des 223 Meter langen Äußeren der Titanic in den grĂ¶ĂŸeren Tank gesenkt werden sollte, stellte sich heraus, dass es als der schwerste Teil des Schiffes wie eine Art StoßdĂ€mpfer auf das Wasser wirkte. Um die Konstruktion dennoch in das Wasser zu bekommen, leerte Cameron viele Bereiche des Sets und zertrĂŒmmerte einige Fensterscheiben auf der Schiffspromenade eigenhĂ€ndig. Nachdem der Speisesaal geflutet wurde, verbrachte das Team drei Tage damit, das ROV von Schatzsucher Lovett zu filmen, wie es das Schiff in der Gegenwart erkundet.[2] Die Szenen nach dem Untergang im Atlantik wurden in einem 1,3 Million Liter fassenden Tank gedreht[24] â€“ dem kleinsten der Produktion â€“, wobei die leblos im Wasser treibenden Körper mit speziellem Puder, welches bei Kontakt mit Wasser kristallisiert, prĂ€pariert wurden. Durch dieses Pulver und den Einsatz von Wachs auf Haaren und Kleidung erhielten die Schauspieler ihr frostiges Aussehen.[25]

Cameron wollte bei diesem Film die Möglichkeiten von visuellen Effekten vorantreiben und beauftragte sein eigenes Modellstudio Digital Domain die Errungenschaften aus seinen Filmen Abyss – Abgrund des Todes und Terminator 2 – Tag der Abrechnung weiterzuentwickeln. Dabei ging es besonders um die realistische Darstellung von Wasser, da es vornehmlich digital erstellt werden sollte. Konventionell wurde Wasser bis dahin fĂŒr gewöhnlich verkleinert gefilmt, um mittels Zeitlupe grĂ¶ĂŸere Wassermassen zu imitieren, was nicht sehr ĂŒberzeugend wirkte.[26] Cameron spornte sein Team stattdessen an, ein 13 Meter langes Modell mit Motion-Capturing-Technik zu filmen und spĂ€ter Wasser und Rauch digital hinzuzufĂŒgen. FĂŒr die digitale Umsetzung wurde eigens ein Berechnungs-Algorithmus vom MilitĂ€r ĂŒbernommen. Um die Illusion weiter zu perfektionieren, wurden zusĂ€tzliche Extras auf einer BĂŒhne mit Bewegungserfassung gedreht. Visual Effects Supervisor Rob Legato scannte die Gesichter von Schauspielern, sein eigenes und die seiner Kinder, um den digitalen Menschen Leben einzuhauchen. Es gab außerdem ein 20 Meter langes Modell, das wiederholt in zwei Teile brechen konnte. Es war die einzige Miniatur, die im Wasser verwendet werden konnte.[26] FĂŒr die Szenen im Maschinenraum wurde Drehmaterial aus entsprechenden RĂ€umlichkeiten der SS Jeremiah O'Brien verwendet, das wiederum durch Miniaturen und Schauspieler, die davor vor Greenscreen gefilmt wurden, vervollstĂ€ndigt wurde.[27] Um Geld zu sparen, wurde die Lounge der 1. Klasse nur als Miniatur angefertigt, die spĂ€ter mit Greenscreen-Aufnahmen kombiniert wurde.[28] Zum Rendern der Szenen wurden 60 Computer verwendet, die mit dem damals noch nicht weit verbreiteten Linux-Betriebssystem betrieben wurden.

[Bearbeiten] Schnitt

Nachdem der Rohschnitt des Filmes stand, war Cameron vor allem mit dem Ende des Filmes nicht zufrieden. In dieser Version sieht Lovett, wie die alte Rose zur Reling des Forschungsschiffes geht. Er nimmt fĂ€lschlicherweise an, dass sie ins Wasser springen will und kommt ihr zusammen mit Rose’ Enkelin Lizzy zu Hilfe. Rose will den Diamanten ins Wasser werfen und die inzwischen eingetroffene Crew ist entsetzt. WĂ€hrend Rose ĂŒber die emotionale Bedeutung des SchmuckstĂŒcks fĂŒr sie redet, beginnt Lovett die alte Dame zu verstehen. Rose wirft den Diamanten anschließend ins Wasser. Cameron war der Meinung, dass das Publikum Lovett zu sehr aus den Augen verloren hatte, um sich noch allzu sehr Gedanken um ihn zu machen. Außerdem wollte er nach dem dramatischen Untergang der Titanic und nach dem sehr emotionalen Teil, in dem Jack stirbt, keine Szene akzeptieren, die derart diplomatisch und humorvoll ist.[29]

WĂ€hrend der ersten TestvorfĂŒhrung kritisierte das anwesende Publikum die zu dem Zeitpunkt noch neun Minuten lange Szene, in der Jack und Rose von Lovejoy ĂŒber das Schiff gejagt werden. Außerdem wurde angemerkt, dass es eher unwahrscheinlich ist, dass jemand sein Leben fĂŒr Reichtum aufs Spiel setzt. Das spielte auf eine Szene an, in der Cal seinem Diener Lovejoy das Herz des Ozeans verspricht, wenn es ihm gelingt, Jack und Rose zu töten. Lovejoy geht daraufhin in den untergehenden Speisesaal der 1. Klasse, um das Paar zu suchen. Cameron ĂŒberging diese Szene, um den Film zeitlich zu straffen.

Als Cameron den Film schließlich an das Filmstudio Paramount Pictures ĂŒbergab, welches die US-amerikanischen Rechte verwaltete, hatte er eine LĂ€nge von drei Stunden. Cameron war klar, dass es sich die Studios nicht nehmen lassen wĂŒrden, den Film eigenhĂ€ndig zu kĂŒrzen und er ließ verlauten: „Meinen Film schneidet ihr nur ĂŒber meine Leiche.” SpĂ€ter gab er jedoch zu, dass er sich nicht sicher war, ob der Film ein Erfolg werden wĂŒrde.

[Bearbeiten] Soundtrack

FĂŒr die Musik seines Filmes wollte Cameron ursprĂŒnglich die irische SĂ€ngerin Enya verpflichten und hatte in einem Rohschnitt des Filmes bereits ihre Musik verwendet. Nachdem sie jedoch absagte und auch Dolores O’Riordan, die ehemalige FrontsĂ€ngerin der Rockgruppe The Cranberries, wegen der Geburt ihres Sohnes ablehnte[30], wandte sich Cameron an den US-amerikanischen Filmkomponisten James Horner. Nach ihrer ersten Zusammenarbeit in Aliens – Die RĂŒckkehr (1986) war ihre Beziehung zwar eher kalt, doch Horners Arbeit an Braveheart ĂŒberzeugte Cameron und Horner bescheinigte dem Projekt genug Potenzial, um erneut mit Cameron zusammenzuarbeiten.[31] So komponierte James Horner eine Musik, die sich sehr am irischen Stil Enyas orientiert. Um ihren hallenden Klang zu imitieren, wurde fĂŒr die wortlosen, stimmungsvollen Hintergrund-GesĂ€nge im Soundtrack eigens die norwegische SĂ€ngerin Sissel KyrkjebĂž verpflichtet.[32] So kommt es, dass viele Gemeinsamkeiten zwischen dem Soundtrack zu Titanic und Enyas Lied „Book of Days” aus dem Film In einem fernen Land (1992) zu erkennen sind.

CĂ©line Dion sang den Titelsong „My Heart Will Go On“, komponiert und geschrieben von Horner und Will Jennings. Anfangs wollte Cameron keinen Song fĂŒr den Abspann, aber Horner setzte sich ohne Camerons Wissen mit Jennings an die Produktion eines Songs. Als Horner das StĂŒck schließlich Cameron vorspielte, war dieser bereit, das spĂ€ter oscar- und grammyprĂ€mierte Lied im Abspann des Films zu verwenden.[32] Buchautorin Paula Parisi kritisierte Cameron spĂ€ter „am Ende des Films kommerziell zu werden“.[33] FĂŒr das Album und die Radioversion wurde das Demo verwendet, was unĂŒblich ist. Horner, Dion und Sony Music entschieden sich dafĂŒr, die Demoaufnahme als offizielle Aufnahme zu behalten, da „Dions Stimme perfekt war“. Eine instrumentale Version von „My Heart Will Go On“ stellt im Film das Liebesthema „Rose“ dar.

DarĂŒber hinaus wurden auch andere KĂŒnstler eingeladen, Songs fĂŒr den Film einzubringen, darunter der christliche Liedermacher Michael W. Smith, der in den Deckblatt-Notizen zu seinem Song „In My Arms Again“ von seiner CD „Live the Life“ (1998) schrieb: „Inspiriert und geschrieben fĂŒr den Film Titanic, voller Dank fĂŒr die Möglichkeit, ihnen einen Song zu schicken, dankbar dafĂŒr, dass er auf diesem Album gelandet ist.“ Beim StĂŒck „Hymn To The Sea“ spielte Eric Rigler von der keltischen Band Bad Haggis sowohl den irischen Dudelsack als auch die Flöte.[34]

Das Album wurde mit ĂŒber elf Millionen verkauften Exemplaren der meistverkaufte, ausschließlich orchestrale Filmscore der Geschichte in den USA. Bemerkenswert, da sich nur ein Popsong auf dem Soundtrack befindet. Der Soundtrack stieg im Januar 1998 in den Billbord Charts von Position 11 auf 1. Dort sollte das Album ganze 16 Wochen verweilen. Kein Album hatte zuvor mehr als zehn Wochen den ersten Platz halten können. Auch in Großbritannien und Polen wurde der Soundtrack ein Erfolg. WĂ€hrend es im Königreich den ersten Platz in den UK Album Charts belegte, holte das Album in Polen sieben Mal Platin. In Kanada wurde der Platte am 31. MĂ€rz 1998 von der Canadian Recording Industry Association (CRIA) der Diamantenstatus fĂŒr ĂŒber eine Million verkaufte Platten verliehen.

Der Erfolg des Albums fĂŒhrte zur Veröffentlichung einer zweiten Album-Version zum Video-Release des Films am 25. August 1998. Das Album „Back To Titanic“ besteht aus einer Mixtur von bis dahin unveröffentlichten Aufnahmen und Neuaufnahmen einiger Songs aus dem Film, darunter ein von MĂĄire Brennan, Enyas Schwester und FrontsĂ€ngerin der irischen Band Clannad, aufgenommener Titel.[35] Es gibt außerdem eine neue Version von „My Heart Will Go On“, die mit Dialogen untermalt ist.

Nicht zum eigentlichen Soundtrack gehören die MusikstĂŒcke, die vom Bordorchester im Film gespielt werden. Die I Salonisti, die das Orchester verkörpern und auch die Musik selbst spielten, veröffentlichten diese StĂŒcke auf ihrem Album And the Band Played on â€“ Music played on the Titanic.

[Bearbeiten] Veröffentlichung

Als Titanic zu seinem eigentlichen Abgabedatum am 2. Juli 1997 noch nicht vollendet war, stieg in den Chefetagen der beiden beteiligten Filmstudios 20th Century Fox und Paramount Pictures die Anspannung. Das gesamte Projekt war fĂŒr 20th Century Fox aufgrund seiner GrĂ¶ĂŸe ein riskantes Unterfangen gewesen. Die Kosten fĂŒr den Film waren ursprĂŒnglich mit etwa 150 Millionen US-Dollar veranschlagt. WĂ€hrend der Produktion zeichnete sich ab, dass es bedeutend mehr werden wird. Am Ende standen 200 Millionen US-Dollar[36] exklusive 40 Millionen US-Dollar Marketingkosten zu Buche. FĂŒr damalige VerhĂ€ltnisse eine enorme Summe, es war bis dato der teuerste Film ĂŒberhaupt.

Die Studiobosse befĂŒrchteten ein erneutes „Heaven’s Gate“. Dieser sehr teure Film fĂŒhrte damals als kommerzieller Flop zum Verkauf des Studios United Artists. Zweifel kamen auf an Camerons Regiestil, seine Absetzung stand im Raum. In diesem fortgeschrittenen Stadium der Produktion konnte 20th Century Fox jedoch denjenigen, der alle FĂ€den zusammenhĂ€lt nicht einfach feuern, ohne das ganze Projekt scheitern zu lassen. Das Filmstudio, das die internationalen Verleihrechte und Namensrechte besaß, ging auf Nummer sicher und verkaufte die Vertriebsrechte in Nordamerika fĂŒr 65 Millionen US-Dollar an die US-amerikanische Produktionsfirma Paramount Pictures.[37] Das Anschwellen der Kosten ließ Cameron spĂ€ter auf seinen, als Gehalt deklarierten, prozentualen Anteil an den Einspielergebnissen verzichten[38], wobei er jedoch nach Fertigstellung des Films einen Bonus von 20 Millionen US-Dollar von 20th Century Fox erhielt.[39]

Paramount verschob das Erscheinungsdatum schließlich um mehr als fĂŒnf Monate auf den 19. Dezember 1997 nach hinten.[40] Die Premiere fand am 1. November 1997 auf dem Tokyo International Film Festival fernab von Hollywood statt.[41] In Japan hatte Cameron zuvor mit seinem Film Abyss – Abgrund des Todes eine große Fangemeinschaft bedient â€“ fĂŒr Titanic ein Vorteil. Obgleich erste Reaktionen von der New York Times als „lauwarm“ ausgewertet wurden[42], wurde der Film vom Branchenblatt Variety hoch gelobt[43] â€“ ein Ritterschlag. Etwas mehr als einen Monat spĂ€ter erreichte der Film auch ein grĂ¶ĂŸeres Publikum. Am 19. Dezember 1997 startete der Film in den US-amerikanischen Kinos, knapp einen Monat spĂ€ter am 23. Januar 1998 zog Großbritannien nach. In Deutschland kam der Film am 8. Januar 1998, in anderen LĂ€ndern Europas wie Frankreich, Belgien oder der Schweiz bereits am 7. Januar in die Kinos.

Nach etwas mehr als einem Jahr wurde der Film am 31. Juli 1999 als nichtanamorphe Widescreen-Single-Disc-DVD ohne nennenswerte Extras veröffentlicht, nachdem er bereits als bis dahin erfolgreichste Videokassette Aufmerksamkeit erlangt hatte. Paramount Pictures bereitete sich aufgrund des großen Erfolges des Films mit beinahe einer Million Kopien entsprechend auf den zu erwartenden Andrang vor[44] â€“ zu Recht. Die DVD entwickelte sich zur bestverkauften Film-DVD der Jahre 1999 und Anfang 2000. Es sollte im April 2000 die erste DVD werden, von der mehr als eine Millionen Kopien verkauft wurden.[45] Damals besaßen weniger als fĂŒnf Prozent aller US-amerikanischen Haushalte einen DVD-Spieler. Erst spĂ€ter entwickelte sich bei Regisseur Cameron der Wunsch, eine weitaus besser ausgestattete Edition zu veröffentlichen.

So erschien sechs Jahre nach der originalen DVD-Veröffentlichung am 25. Oktober 2005 in Nordamerika ein 3-DVD-Set, das eine anamorphe Breitbild-Version des Filmes auf zwei DVDs prĂ€sentiert. DarĂŒber hinaus können 29 bisher unveröffentlichte, nicht verwendete Szenen, ein alternatives Ende, eine nachgestellte Wochenschau im Stil von 1912 und andere Extras eingesehen werden. UrsprĂŒnglich war Ed W. Marsh beauftragt worden, eine zwei Stunden lange Retrospektive zu produzieren, die jedoch von Cameron nach ihrer Fertigstellung vom DVD-Set gestrichen wurde.

Am 7. November 2005 folgte eine internationale Zwei- beziehungsweise Vier-Disc-Version des Films. Auf der Special Edition mit zwei DVDs befindet sich der Film mit digital aufbereitetem 6.1-Ton und drei Audiokommentaren von James Cameron, Kate Winslet und anderen. Der dritte wurde vom historischen Rechercheur des Films, Ken Marshall, eingesprochen. DarĂŒber hinaus ist CĂ©line Dions Musikvideo zu „My Heart Will Go On“ auf der DVD. Die Deluxe Collector’s Edition mit vier DVDs beinhaltet alle Extras der 3-Disc-Edition. Auf der vierten Scheibe befindet sich als Highlight das HBO-Spezial „Heart of the Ocean“.

[Bearbeiten] Analyse

[Bearbeiten] Visueller Stil

Neben Camerons Bestreben, durch Kulissen, KostĂŒme und CGI eine perfekte Illusion des Handlungsortes zu erschaffen, setzt der Regisseur inszenatorische Mittel bevorzugt ein, um in seinen beiden Hauptfiguren Identifikationsobjekte fĂŒr den Zuschauer zu erschaffen. Diesem Zweck dienen die vielfach eingesetzten subjektiven Einstellungen, etwa als Jack bei seinem Besuch in der 1. Klasse den Blick ĂŒber den Prunk des Treppenhauses schweifen lĂ€sst oder als die Kamera beim Sinken der Titanic buchstĂ€blich mit den Protagonisten in die Tiefe gerissen wird.[46]

In der Farbgestaltung setzt Cameron immer wieder die Farben Rot und Blau ein. Marschall analysiert: „Rot und Blau wechseln sich szenisch ab wie die emotionalen Höhepunkte des Films: Liebe und Hass, WĂ€rme und KĂ€lte, Zugehörigkeit und Distanz, Anteilnahme und klassenspezifische Überheblichkeit.“[47] Dieses Herausstellen von DualitĂ€ten wird besonders in der Liebesszene am Bug des Schiffes sichtbar. Die Farbe des Meeres Ă€ndert sich mehrmals von Rot in Blau und wieder zurĂŒck. Laut Marschall eine „an Kitsch grenzende Schönheit des Farbenspiels“, die Rose’ Kampf um Freiheit und UnabhĂ€ngigkeit und gleichzeitig die darin liegende Gefahr visualisiert.[47]

[Bearbeiten] Dramaturgie

Marschall sieht in der Dramaturgie des Films „eine ausgeklĂŒgelte Kombination von Katastrophe und Liebesgeschichte, die bis in die feinsten VerĂ€stelungen auf der motivischen Ebene durchgehalten wird“.[46] In einer „sorgfĂ€ltig komponierten Exposition“[46] bekommt jeder Handlungsstrang eine eigene Auftaktszene. Die parallele ErzĂ€hlweise wird konsequent bis zum ebenso erzĂ€hlerisch gestaffelten Schluss beibehalten.

Durch eine in der Gegenwart angesiedelte, dokumentarisch anmutende Rahmenhandlung werden die Zeit- und ErzĂ€hlebenen immer wieder gezielt durchbrochen. Die Off-Stimme der alten Rose suggeriert dem Zuschauer dabei, so Töteberg, „an einem persönlichen Bericht teilzuhaben“.[48] Die Rahmenhandlung dient nach Marschalls Meinung „der Relativierung des schrecklichen Schlusses“[46], indem sich der Zuschauer stets gewiss sein darf, dass die Heldin ĂŒberlebt. Gleichzeitig schlĂ€gt der Regisseur dadurch eine BrĂŒcke in die Gegenwart und zeigt im Motiv der Wracksuche, dass die verhĂ€ngnisvollen Ursachen der Katastrophe â€“ der blinde wissenschaftliche Ehrgeiz und die Geldgier â€“ auch in der Jetztzeit noch vorhanden sind.

Die Probleme des Films werden von Rose getragen, wĂ€hrend Jack derjenige ist, der ihnen nachgeht. Der Antagonist wird von Cal verkörpert. Er steht sowohl Jack als auch Rose direkt gegenĂŒber. Rose’ Probleme werden durch ihn neu entfacht und Jacks dramaturgische Funktion des „Problemlösens“ untergraben, indem dessen LösungsansĂ€tze durch Vermeiden oder Vorbeugen abgewiesen werden. Zudem setzt Cal dem emotionalen Wesen von Rose Kontrolle entgegen â€“ auch als GegenstĂŒck zu Jacks unkontrollierter Natur.

[Bearbeiten] Themen und Motive

Neun Mal wurde das UnglĂŒck der Titanic vor der Veröffentlichung von Titanic bereits verfilmt. Wie bei seinen VorgĂ€ngern ist die Titanic „das Schiff der TrĂ€ume, der Hoffnung, der MillionĂ€re, Symbol des Fortschrittsglaubens, des Technikzeitalters, der Klassengesellschaft [und] des Patriarchs”.[49] Töteberg nennt den Film „eine Romeo-und-Julia-Variante, bei der nicht familiĂ€re, sondern soziale HĂŒrden der Liebe entgegenstehen“.[48] Als Hintergrund fĂŒr die Liebesgeschichte dient somit eine starre Klassengesellschaft, die durch die beiden Liebenden in rebellischer, fast revolutionĂ€rer Weise ĂŒberwunden werden muss, um zueinander zu finden. Cameron nimmt dabei eindeutig Stellung gegen die durch die Schiffsklassen reprĂ€sentierte hierarchische Struktur und fĂŒr die Rechte der Unterprivilegierten. Töteberg stellt fest, Cameron kritisiere „die ĂŒberlebten Hierarchien einer [
] Oberschicht und sympathisiert mit irischen Einwanderern wie Jack, die in Amerika auf Chancengleichheit hoffen“.[48]

Rose muss hierbei einen aktiven Akt der Selbstbefreiung leisten. Marschall fĂŒhrt aus: „Immer wieder muss sich Rose aktiv zwischen Liebe und Wohlstand entscheiden, zwischen Wagnis und sicherer Rettung, zwischen der gefĂ€hrlichen UnabhĂ€ngigkeit und ihrer Rolle als ZuckerpĂŒppchen unter dem Joch der bĂŒrgerlichen Prostitution durch Geldheirat.“[46] Dieser Befreiungsprozess ist fĂŒr Töteberg ein Hauptgrund, warum der Film besonders fĂŒr junge MĂ€dchen so attraktiv ist. Alle Themen der weiblichen PubertĂ€t werden durch Rose aufgenommen. Auf der Jungfernfahrt eines Schiffes durchlebt sie die Abnabelung von den Eltern und die Entdeckung einer eigenen, selbstbewussten SexualitĂ€t.[48]

Gerade das Thema der erwachenden SexualitĂ€t findet nach Tötebergs Meinung Niederschlag in der Symbolik der narrativen Elemente des Films. Töteberg stellt fest: „Die Ikonographie und Metaphorik des Films ist eindeutig sexuell konnotiert.“[48] Das Aufbrechen des Schiffskörpers durch den Eisberg steht seiner Meinung nach fĂŒr die Verletzungsangst des MĂ€dchens, das Eintauchen des Schiffsrumpfs in die Tiefe fĂŒr die Penetrationsangst des Jungen.

Den Kontrast zur romantischen Liebesgeschichte bildet das Thema der verhĂ€ngnisvollen TechnologieglĂ€ubigkeit, der die mĂ€nnlichen Protagonisten anhĂ€ngen. Marschall analysiert: „Auf der Titanic, dem Symbol mĂ€nnlicher Allmachtsphantasie und des technologischen Traumes einer modernen Welt, die in wahnhafter SelbstĂŒberschĂ€tzung geglaubt hat, jedem NaturphĂ€nomen gewachsen zu sein, vollzieht sich filmisch das Phantasma eines weiblichen Befreiungsakts.“[50] In der Kombination all dieser Themen sieht Marschall das Erfolgsrezept des Films: „Katastrophe, individuelle Revolte und Neubeginn des Lebens gehen Hand in Hand.“[46]

[Bearbeiten] Filmmusik

Horner und Cameron wurden sich schnell darĂŒber einig, dass ein „großer [orchestraler] dramatischer Score des Hollywoods der 1940er Jahre“ dem Film nicht weiterhelfe und auch Musik der damaligen Zeit nicht passe.[32] Stattdessen besteht die Filmmusik zu Titanic zu großen Teilen aus Synthesizer- und Chor-Elementen, die durch klassische Orchestereinlagen unterstĂŒtzt werden.[31] Horner verwendet vor allem weibliche Singstimmen, so zum Beispiel in „A Life So Changed“. Er unterstĂŒtzt zudem mit dem Einsatz irischer Volksmusik das Thema irischer Einwanderer im Film. Deren Lebendigkeit soll sich musikalisch deutlich von der „gebildeten Salonmusik der 1. Klasse unterscheiden“.[31]

Im Film kommen im Wesentlichen vier wichtige Themen zum Einsatz. Es gibt das Leitthema fĂŒr die Titanic vor dem Zusammenprall mit dem Eisberg, separate Themen fĂŒr Jack und Rose und deren Liebesthema „Rose“. Horner legte die vier Themen so an, dass sie „gleichzeitig gespielt werden und aufeinander eingehen können“.[31]

WĂ€hrend der Untergangsszenen ĂŒbernimmt die Filmmusik dramaturgische Funktion und dabei unter anderem den Aufbau von Spannungsbögen.[51] Hier steht das Überleben von Mensch und Maschine im Vordergrund. Dazu Juli Olsen, renommierte Musik-Absolventin der UniversitĂ€t Eau Claire in Wisconsin: „Spannung wird nicht nur mit einem Ostinato, sondern auch mit plötzlichen, verstĂ€rkten TonstĂ¶ĂŸen aufgebaut. Das zeigt, dass das Schiff und seine Passagiere nicht untergehen werden ohne zu kĂ€mpfen.“[52] Horner will hier vor allem „die emotionale Geschichte betonen und antizipieren“.[32]

[Bearbeiten] Rezeption

[Bearbeiten] Einspielergebnis

Nachdem der Film am Samstag, dem 19. Dezember 1997 in den USA anlief, stieg das Einspielergebnis bereits am Sonntag auf ĂŒber 28,5 Millionen US-Dollar. Innerhalb der nĂ€chsten Woche verdreifachte sich der Gewinn und selbst drei Monate nach der UrauffĂŒhrung wurde reger Zuspruch verzeichnet â€“ noch immer waren die KinosĂ€le ausverkauft. Es dauerte 15 Wochen, ehe das Ergebnis der einzelnen Wochen um 50 Prozent zurĂŒckging. Normalerweise steht die Rate bei etwa 40 Prozent pro Woche. Ende MĂ€rz 1998 war Titanic der erste Film, der mehr als eine Milliarde US-Dollar Einspielergebnis erzielte. Viele sahen Titanic mehrere Male und der dazugehörige Soundtrack sowie das Filmbuch James Camerons Titanic wurden erfolgreiche Verkaufsartikel. Das Buch befand sich ĂŒber mehrere Wochen an der Spitze der Bestsellerliste der New York Times â€“ das erste Mal, dass einem filmbegleitenden Buch derart viel Aufmerksamkeit zuteil kam.[53]

Titanic spielte insgesamt etwa 1.835,3 Millionen US-Dollar ein und ist damit der erfolgreichste Film aller Zeiten. Betrachtet man das Einspielergebnis unter BerĂŒcksichtigung der Inflation, belegt der Film mit einem weltweiten Einspielergebnis von 2.245 Millionen US-Dollar hinter Vom Winde verweht (1939), Krieg der Sterne (1977) und Schneewittchen und die sieben Zwerge (1937) den vierten Platz. Bei dieser Konstellation fĂ€llt auf, dass Titanic einer der erfolgreichsten Filme der Gegenwart ist. Unter den ersten zehn PlĂ€tzen der Liste befinden sich nur vier Filme, die nicht Ă€lter als 30 Jahre sind, von denen der zweiterfolgreichste, Jurassic Park (1993), nur etwa halb so viel inflationsbereinigte Einnahmen verzeichnen kann wie Titanic.

Beachtlich ist außerdem, dass Titanic fast 70 Prozent seiner Einnahmen außerhalb der Vereinigten Staaten und Kanadas erspielte.[54] In Deutschland ist der Film nach Das Dschungelbuch (1967) mit ĂŒber 18 Millionen Zuschauern und 117 Millionen Euro Einspielergebnis[55] der zweiterfolgreichste Film. In zahlreichen anderen europĂ€ischen LĂ€ndern ist Titanic auf dem ersten Platz der jeweiligen nationalen Bestenliste, darunter Frankreich (20,6 Millionen Besucher), die Schweiz (1,9 Millionen Besucher), Spanien (10,8 Millionen Besucher) und Großbritannien (68,5 Millionen ÂŁ Einnahmen).

[Bearbeiten] Kritik

Titanic wurde von Kritikern wie KinogĂ€ngern weitgehend gut aufgenommen, wobei die Meinungen ĂŒber den Film weit auseinander gehen. Noch bevor die Produktion abgeschlossen war, kritisierten Beobachter die immensen Produktionskosten des Films. Damals waren selbst die zunĂ€chst mit 150 Millionen US-Dollar veranschlagten Produktionskosten in dieser GrĂ¶ĂŸenordnung nicht als Filmbudget ĂŒblich. DarĂŒber hinaus wurde bemĂ€ngelt, dass Protagonismus in diesem Film scheinbar mehr Wichtigkeit zuteil kommt als der Katastrophe an sich. Dazu kĂ€men historische Ungenauigkeiten, obwohl Cameron großen Wert auf diesen Aspekt legte. Der Film stand zudem wegen seines laut Kritikern erhöhten Kitschfaktors sowie seiner trivialen Handlungslinie in der Kritik. In einer Abstimmung der BBC-Show The Film programme wird Titanic zum „schlechtesten Film aller Zeiten“ gekĂŒrt[56], wĂ€hrend der Film laut einer Befragung auf der BBC-Webseite im Jahr 2003 bezeichnenderweise das „Beste Filmende“ besitzt.[57]

Im Kreuzfeuer der Kritiker stand vor allem die großzĂŒgig erzĂ€hlte Liebesgeschichte zwischen den beiden Hauptakteuren, verkörpert durch Kate Winslet und Leonardo DiCaprio, welche die Handlung nur aufhalte und den Film unnötig aufblĂ€he. Jeff Millar vom Houston Chronicle schrieb dazu: „Als das Schiff den Berg rammt, am Eine-Stunde-und-45-Minuten-Punkt, werden wir augenblicklich fĂŒr das basis-erzĂ€hlerische Beiwerk von Drehbuchschreiber James Cameron entschĂ€digt â€“ eine Schiffsdeck-Romanze.“[58] Erst an diesem Wendepunkt des Filmes kommen die StĂ€rken des Filmes zum Zuge, meint auch die deutsche Programmzeitschrift TV Movie: „Nach 100 Minuten beginnt endlich das Inferno, und jetzt ist James Cameron ganz in seinem Element 
 Ein wahrer Triumph der Computertechnik.“[59]

Dass der Film sich zu sehr auf die Romantik beschrĂ€nke, meint auch Steven D. Greydanus vom Decent Films Guide: „Möglicherweise ist das traurigste an Titanic seine Auslebung von romantischen Idealen wĂ€hrend selbstverweigernde Tugenden wie Ehre, Pflicht und Heldentum ausgeschlossen werden.“[60] Auf der anderen Seite gibt es auch lobende Töne fĂŒr den romantischen Grundtenor des Films. Zum Beispiel von Janet Maslin in der New York Times: „Cameron gelingt es auf magische Weise, das junge Liebespaar in seinem Film zusammenzufĂŒhren, das von Leonardo DiCaprio und Kate Winslet bezaubernd gespielt wird.“[61] Der Film sei „womöglich der wirkungsvollste Film des Jahres, der darĂŒber hinaus eine durchweg unterhaltsame Liebesgeschichte bietet.“, meint Scott Renshaw in Scott Renshaw’s Screening Room.[62]

Durchweg positiv wurde die technische und handwerkliche Umsetzung der monumentalen GrĂ¶ĂŸe des Films eingeschĂ€tzt. Kritiker verglichen das Ausmaß von Titanic mit jenem von klassischen Hollywood-Epen wie Ben Hur (1959) oder Cleopatra (1963). Dazu der bekannte Filmkritiker Roger Ebert: „Es ist fehlerloses Handwerk, intelligent konstruiert, nachhaltig gespielt und faszinierend [
] Solche Filme umzusetzen ist nicht schwer, aber es ist beinahe unmöglich, es gut zu machen. Die technischen Schwierigkeiten sind derart gewaltig, dass es einem Wunder gleichkommt, wenn die Filmemacher dazu noch Drama und Geschichte hineinbringen. Ich fĂŒhlte mich sowohl von der Story als auch von der traurigen Geschichte ĂŒberzeugt.“[63] Auch die deutsche Filmzeitschrift film-dienst sieht diese Gratwanderung als gelungen: „Trotz einer fast manischen Fixierung auf eine möglichst originalgetreue Rekonstruktion des Schiffes und seiner Interieurs sowie des gigantischen Aufwandes entstand mehr als ein KostĂŒm- und Katastrophenfilm: Der angenehm ruhige Rhythmus, teilweise herausragende Schauspieler sowie die kunstvolle Kameraarbeit lassen das Epos zu einer berĂŒhrenden Love-Story werden.“[64] Der Meinung ist auch James Berardinelli: „Akribisch im Detail und dennoch ĂŒberwĂ€ltigend in Maßstab und Intention, ist Titanic die Art eines epischen Filmes, die selten geworden ist. Man schaut sich Titanic nicht einfach an, man erlebt es.“[65] Todd McCarthy vom Branchenblatt Variety sieht im Film eine „spektakulĂ€re Demonstration, wie moderne Technologie zum dramatischen GeschichtenerzĂ€hlen beitragen kann“.[66] FĂŒr Almar Haflidason vom BBC ist die GrĂ¶ĂŸe des Films dessen Rettung. Zwar kritisierte er das „schwache Drehbuch, das mit dĂŒrftigem Dialog” versehen sei, jedoch sei es „trotz der SchwĂ€chen” des Films „schwer, nicht von der schieren Pracht des Films mitgerissen zu werden“.[67] Die Filmzeitschrift Cinema sieht in dem Film „die monumentale Inszenierung eines modernen Mythos.“[68]

Andere wiederum titulieren den Film als Höhepunkt des ausufernden Kommerzkinos. Ein trivialer Inhalt werde mit gigantischem technischen Aufwand in atemberaubende Bilder gepackt. Die um den Untergang gesponnene Geschichte glĂ€nze nur so vor Einfallslosigkeit, meint etwa Geoff Andrew vom Time Out Magazine: „Abgesehen von der Ethik eines solchen Aufwands bei einem Film hat diese beispiellose Extravaganz nicht zu einem durchdachten oder wenigstens zufriedenstellenden Storyverlauf gefĂŒhrt.“[69] Die Handlung und die Dialoge seien der Optik untergeordnet, findet auch Kenneth Turan, Filmkritiker der Los Angeles Times: „Was wirklich fĂŒr TrĂ€nen sorgt, ist Camerons Beharrlichkeit zu glauben, dass das Schreiben von Filmen dieser Art innerhalb seiner Möglichkeiten liegt. Das ist nicht nur ein Trugschluss â€“ es entspricht nicht einmal annĂ€hernd der Wahrheit.“[70] Barbara Shulgasser vom San Francisco Examiner gab dem Film gar nur einen Stern von vieren und kritisierte vor allem das Drehbuch: „Die Anzahl, wie oft sich die beiden Hauptcharaktere in diesem unglaublich schlecht geschriebenen Skript beim Namen nennen, ist bezeichnend dafĂŒr, dass es dem Drehbuch grundlegend an interessanten Dialogen mangelt, die man stattdessen fĂŒhren könnte.“[71] Eine Filmrezension des Channel 4 Film meint, man habe sich im Verlauf des Filmes weit von „[
] emotionalen Auslösern“ entfernt und „ganze Abschnitte mit schlechtem Schauspiel und Drehbuch ĂŒberstanden, doch am Ende drĂŒckt Cameron dennoch auf die TrĂ€nendrĂŒse“.[72]

Die oscarprĂ€mierte Filmmusik zum Film von James Horner zĂ€hlt zu dessen grĂ¶ĂŸten Erfolgen und bekam ĂŒberwiegend positive EinschĂ€tzungen. Julie Olson bescheinigt Horner „einen der schwierigsten und feinfĂŒhligsten Scores unserer Zeit“, dem „durch seine KomplexitĂ€t und Gelassenheit die vollkommende Balance zwischen Spannung und Auflösung gelingt“.[52] Auf der anderen Seite hinterfragten einige Kritiker, ob der hauptsĂ€chlich mit Synthesizern verwirklichte Score zum historischen Ambiente des Films passe.

[Bearbeiten] Einfluss

Titanic markiert den Höhepunkt der damaligen Begeisterung fĂŒr digitale Filmtechnik. Filme wie Jurassic Park (1993) oder Independence Day (1996) hatten fĂŒr Scheinwelten die Spezialeffekte bereits ausgereizt. Als einer der ersten Filme verwendete Titanic die neue Technik fĂŒr absoluten Realismus. Dabei war klar, dass der Film weniger Ă€stethische als wirtschaftliche MaßstĂ€be setzen wĂŒrde. Durch die Ausmaße des Films, sein stattliches Filmbudget und seinen Erfolg hinterließ Titanic seine FußabdrĂŒcke in der Gesellschaft und der Geschichte des Films. Titanic setzte eine neue Orientierungsmarke fĂŒr nachfolgende Hollywood-Produktionen, sodass große Filmstudios seitdem eher bereit sind, auch grĂ¶ĂŸere Summen fĂŒr Filmproduktionen mit großen Gewinnchancen zu bewilligen.

Auch die Darstellung der Geschichte der Titanic und ihrer Protagonisten blieb nicht ohne Folgen. Der Film zeigt den ersten Offizier William McMaster Murdoch als bestechlich und wie er zwei Passagiere per Pistolenschuss tötet und spĂ€ter sich selbst richtet. In Murdochs Heimatstadt Dalbeattie in Schottland rief das dessen Neffen Scott Murdoch auf den Plan, der das Ansehen seines Onkels in Gefahr sah und die Sache richtig stellen wollte. Demnach hatte Murdoch ernsthaft versucht, so viele Menschenleben zu retten wie möglich.[73] Einige Monate spĂ€ter begab sich Fox-VizeprĂ€sident Scott Neeson nach Dalbeattie, um eine persönliche Entschuldigung abzugeben und einer Murdoch gewidmeten Gedenkstiftung 8.340 US-Dollar zu spenden.[74] Cameron entschuldigte sich spĂ€ter auf dem Audiokommentar der DVD, rĂ€umte jedoch ein, dass es Offiziere gab, die feuerten, um die Devise „Frauen und Kinder zuerst“ durchzusetzen.[75]

Selbst Jahre nach seiner Veröffentlichung findet Titanic ErwĂ€hnung in Film, Fernsehen und Musik. Ein Beispiel dafĂŒr ist der Film Bruce AllmĂ€chtig (2003), in dem Hauptdarsteller Jim Carrey eine alte Dame mit inhaltlichen Fragen zu Titanic konfrontiert. Unter anderem wirft er ihr vor, sie habe Jack erfrieren lassen, indem sie ihn nicht „auf die TĂŒr gelassen habe“. Andere Filme greifen die Szene auf, in der Jack Rose am Bug des Schiffes mit ausgestreckten Armen „fliegen“ lĂ€sst, meist in Verbindung mit dem Satz „Ich bin der König der Welt“, der allerdings aus einer anderen Szene stammt. Ein Beispiel hierfĂŒr ist der Film Open Water 2 (2006). Regisseure greifen das Zitat gelegentlich auf, um den Aspekt Freiheit zu betonen, so zum Beispiel in Harry Potter und der Gefangene von Askaban (2004).

Des Weiteren findet Titanic Anspielung in einigen TV-Serien und im Fernsehen. Selbst die Werbung bediente sich der Filmvorlage. FĂŒr das US-amerikanische Fernsehen wurde ein Spot fĂŒr die Gelben Seiten produziert, in dem die Ă€ltere Rose den Diamanten wie im Film ins Wasser wirft. Hier holt sie ihn wieder heraus, um das Collier zu Geld zu machen. Slogan: „Triff geschickt finanzielle Entscheidungen“. 1998 gab es in der US-amerikanischen Comedy-Show Saturday Night Live einen Sketch, in dem Bill Paxton und James Cameron selbst spielen. Darin geht es um eine verdrehte Version des Filmendes, bei der herauskommt, dass sich Rose die ganze Geschichte nur ausgedacht hat. Cameron habe das falsche Ende nur gestrichen, weil sich das Publikum massiv beschwert hĂ€tte. Zudem hinterlĂ€sst Titanic musikalisch Spuren. Die Band Hanson parodierte in ihrem Musikvideo fĂŒr den Song „The River“ das StorygerĂŒst von Titanic. Am Ende öffnet die Ă€ltere Rose â€“ die wie im Film von Gloria Stuart gespielt wird â€“ ihren CD-Player und wirft eine Hanson-CD in den Ozean.

[Bearbeiten] Ehrungen

Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio gewann einen MTV Movie Award als Bester Darsteller
Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio gewann einen MTV Movie Award als Bester Darsteller

Der Film war bei zahlreichen Filmpreisverleihungen sehr erfolgreich, obwohl die großen US-amerikanischen Filmkritikervereinigungen wie die Los Angeles Film Critics Association, der National Board of Review, die National Society of Film Critics und der New York Film Critics Circle seinerzeit ausnahmslos Curtis Hansons L.A. Confidential den Vorzug gaben.

Besonders bei der Oscarverleihung 1998 sorgte Titanic fĂŒr Aufmerksamkeit. Der Film gewann elf TrophĂ€en bei 14 Nominierungen und stellte damit den bestehenden Rekord von Ben Hur aus dem Jahr 1959 ein. 2004 reihte sich zu diesen Rekordgewinnern der Film Der Herr der Ringe: Die RĂŒckkehr des Königs ein, der jedoch mit elf gewonnenen TrophĂ€en bei elf Nominierungen den besseren Schnitt hat. Kurioserweise wurden bei Titanic erstmals in der Geschichte der Oscars mit Kate Winslet und Gloria Stuart zwei Akteure nominiert, die im Film ein und die selbe Rolle verkörpern. Erst im Jahr 2001 konnte der Film Iris das gleiche KunststĂŒck wiederholen, zufĂ€lligerweise wurde auch hier Kate Winslet als Darstellerin nominiert. Zudem ist Gloria Stuart bis heute die Ă€lteste oscarnominierte Person, zum Zeitpunkt ihrer Nominierung war sie bereits 87 Jahre alt.

Titanic wird wegen seiner PopularitĂ€t und GrĂ¶ĂŸe außerdem vom American Film Institute in fĂŒnf Bestenlisten gefĂŒhrt. So landet der Film in einer Neuauflage der 100 besten amerikanischen Filme von 2007 auf dem 83. Platz. Bei den 100 besten amerikanischen Thrillern ist Titanic auf Position 25, bei den 100 besten amerikanischen Liebesfilmen an 37. Stelle, bei Amerikas 100 besten Filmsongs reicht es fĂŒr „My Heart Will Go On“ fĂŒr Platz 14 und das Filmzitat „Ich bin der König der Welt“ behauptet sich bei den 100 besten Filmzitaten aus US-Filmen auf Platz 100.

Der Film wurde als bester Film mit einem People’s Choice Award ausgezeichnet und gewann außerhalb der Vereinigten Staaten zahlreiche Preise, so zum Beispiel den Japanese Academy Award in der Kategorie Bester auslĂ€ndischer Film. Insgesamt sammelte Titanic fast 90 Auszeichnungen und 47 Nominierungen von Institutionen auf der ganzen Welt[76], von denen die wichtigsten im Folgenden genannt sind.

Academy Awards 1998

Golden Globes 1998

Blockbuster Entertainment Awards 1998

  • Bester Hauptdarsteller – Drama: Leonardo DiCaprio
  • Beste Hauptdarstellerin – Drama: Kate Winslet
  • Bester Nebendarsteller – Drama: Billy Zane
  • Beste Nebendarstellerin – Drama: Kathy Bates

MTV Movie Awards 1998

  • Bester Darsteller: Leonardo DiCaprio
  • Bester Film
    • weitere Nominierungen:
    • Beste Action-Szene
    • Beste Darstellerin: Kate Winslet
    • Bester Filmkuss: Leonardo DiCaprio & Kate Winslet
    • Bester Filmsong: „My Heart Will Go On“, gesungen von CĂ©line Dion
    • Bestes Film-Team: Leonardo DiCaprio & Kate Winslet
    • Bester Bösewicht: Billy Zane

Golden Satellite Awards 1998

  • Bester Filmregisseur: James Cameron
  • Bester Film – Drama
  • Bestes Szenenbild: Peter Lamont, Michael Ford
  • Bestes KostĂŒmdesign: Deborah Lynn Scott
  • Bester Filmschnitt: Conrad Buff IV, James Cameron, Richard A. Harris
  • Beste Filmmusik: James Horner
  • Bester Filmsong: „My Heart Will Go On“, gesungen von CĂ©line Dion
    • weitere Nominierungen:
    • Bestes Original-Drehbuch: James Cameron
    • Bester Hauptdarsteller – Drama: Leonardo DiCaprio
    • Beste Hauptdarstellerin – Drama: Kate Winslet
    • Beste Kamera: Russell Carpenter
    • Beste Visuelle Effekte: Robert Legato, Mark A. Lasoff, Thomas L. Fisher, Michael Kanfer

Sierra Awards 1998

  • Beste Kamera: Russell Carpenter
  • Beste Regie: James Cameron
  • Bester Original-Song: „My Heart Will Go On“, gesungen von CĂ©line Dion
  • Bester Film

Grammy Awards 1999

  • Bester Song (My Heart Will Go On)
  • Beste weibliche Gesangsdarbietung – Pop: CĂ©line Dion

Bogey Awards 1998

  • Bogey Award in Titan

Brit Awards 1999

  • Bester Soundtrack

Empire Awards 1999

  • Beste Britische Darstellerin: Kate Winslet
  • Bester Film

Goldene Kamera 2001

  • Film International: Kate Winslet

[Bearbeiten] Literatur

  • James Cameron: Titanic Storybook. James Camerons illustriertes Drehbuch. Burgschmiet, 1998, ISBN 3-932234-89-8.
  • Ed W. Marsh: James Camerons Titanic. Burgschmiet, NĂŒrnberg 1998, ISBN 3-932234-65-0.
  • Paula Parisi: James Cameron und „Titanic“ – Die Inside-Story. Heyne, 1998, ISBN 3-453-15138-0.
  • Hermann Kappelhoff: Matrix der GefĂŒhle. Das Kino, das Melodram und das Theater der Empfindsamkeit. Vorwerk 8, Berlin 2004, ISBN 3-930916-61-4.
  • Eckhard Pabst: Mythen – MĂŒtter – Maschinen. Das Universum des James Cameron. Ludwig, Kiel 2005, ISBN 3-933598-71-0.
  • Michael Töteberg: Titanic. In: Metzler Film Lexikon. 2. Auflage. J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar, ISBN 3-476-02068-1.
  • Susanne Marschall: Titanic. In: Thomas Koebner (Hrsg.): Filmklassiker. 5. Auflage. 5, Philipp Reclam jun., Stuttgart, ISBN 3-15-030033-9.
  • Susanne Marschall: Titanic. In: Farbe im Kino. SchĂŒren, Marburg 2005, ISBN 3-89472-394-7.
  • Paula Parisi: ”Titanic” and the Making of James Cameron. Orion, 1998, ISBN 0-7528-1799-X.

[Bearbeiten] Weblinks

Wikiquote
 Wikiquote: Titanic â€“ Zitate

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. ↑ a b c d Marsh, S. v-xiii
  2. ↑ a b c d e Marsh, S. 3-29
  3. ↑ a b James Cameron. 2005. Deep Dive Presentation (DVD). 20th Century Fox.
  4. ↑ Stefan Krempl: Hollywood ist ein lausiges GeschĂ€ft, 1998. (Onlineauszug bei Heise)
  5. ↑ Liz Beardsworth. „Q&A: Claire Danes“, Empire, 2. Januar 2006, S. 79.
  6. ↑ Biografie in der IMDB
  7. ↑ Billy Crudup: „Titanic Would've Sunk My Life“, Internet Movie Database, 22. Juli 2000
  8. ↑ „Actor Is Thankful He Didn't Get Titanic Role“, Internet Movie Database, 25. August 1998
  9. ↑ Matthew McConaughey in VANITY FACES
  10. ↑ Biographie auf netglimse.com
  11. ↑ Christian Bale in VANITY FACES
  12. ↑ DiCaprio auf dem Cover des Rolling Stone, 2. MĂ€rz 2000
  13. ↑ Biographie auf CMT.com
  14. ↑ Trivia zu Rob Lowe, tv.com
  15. ↑ IMDB Trivia
  16. ↑ „Fay Wray QUOTES“, icelebz.com
  17. ↑