Raumfahrt

Als Raumfahrt bezeichnet man Reisen oder Transporte in oder durch den Weltraum. Der Übergang zwischen Erde und Weltraum ist fließend und wurde durch die Fédération Aéronautique Internationale (FAI) auf eine Grenzhöhe von 100 Kilometern festgelegt. Zudem wird in orbitale und suborbitale Raumfahrt unterschieden. Zur Erreichung eines Orbits muss ein Raumfahrzeug neben der Mindesthöhe auch noch die erste kosmische Geschwindigkeit von rund 7,9 km/s in horizontaler Richtung erreichen, um zu einem Erdsatelliten zu werden. Die klassische Trennung zwischen Luft- und Raumfahrt wird aber zunehmend durch die technische Entwicklung suborbitaler Raumflugzeuge und Raketenflugzeuge aufgeweicht.

In den Anfangszeiten der Raumfahrt wurde noch klar zwischen dieser und der Astronautik unterschieden; letztere umfasst vor allem deren wissenschaftlich-technische Entwicklungen und wird im Englischen nach wie vor als Astronautics bezeichnet, während die eigentlichen Raumflüge space flights genannt werden.

Buzz Aldrin, zweiter Mensch auf dem Mond (Juli 1969, Apollo 11)
Buzz Aldrin, zweiter Mensch auf dem Mond (Juli 1969, Apollo 11)

Man unterscheidet zwischen

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Vorbemerkung

Die chronologische Auflistung der bisherigen Raumfahrtmissionen ist unterteilt in eine:

Darüber hinaus gibt es den Hauptartikel Geschichte der Raumfahrt. Der Artikel Raumfahrt fasst die wichtigsten Aspekte zusammen und beschäftigt sich mit den Grundlagen der Raumfahrt.

[Bearbeiten] Allgemeines

Obwohl schon lange die Vorstellung von Reisen zum Mond oder anderen Planeten und Sternen bestand, wurde erst im 20. Jahrhundert mit der Entwicklung der Raketentechnik eine brauchbare und die bisher einzige Methode gefunden, die ausreichend lange so hohe Beschleunigung ermöglicht, dass ein dauerhaftes Verlassen des Planeten möglich wird.

[Bearbeiten] Theoretische Grundlagen und Raketen-Pioniere

Die Theorie der Raumfahrt wurde unter anderem vom Russen Konstantin Ziolkowski (1857-1935) untersucht, der die mathematischen Grundprinzipien des Raketenantriebs (Raketengrundgleichung) formulierte. Auch der Deutsche Hermann Oberth (1894-1989) stellte 1923 die Grundgleichung der Raketentechnik auf und zeigte wie Ziolkowski mit dem Konzept der Stufenrakete, wie man große Nutzlasten energetisch günstig in die gewünschte Flugbahn bringen kann.

Von den ersten Ingenieuren und experimentellen Wissenschaftlern sei der US-Amerikaner R. H. Goddard (1882-1945) erwähnt, der ab etwa 1910 kleine Raketenmotoren entwickelte. 1926 gelang ihm der Start der ersten Flüssigkeitsrakete. Noch früher tätig war hierin der Südtiroler Astronom und Raketenpionier Max Valier (1895-1930). Er wagte als erster Europäer Experimente mit flüssigen Treibstoffen und baute u.a. ein Raketenauto (heute Deutsches Museum). Bei einem Labortest in Berlin explodierte ein Aggregat und ein Metallsplitter tötete den nur 35-Jährigen.

Diese Grundlagenforschung enthusiastischer Einzelpersonen bis Anfang der 1930er Jahre war Grundstock für die Entwicklung zur Hochtechnologie, die nur in Symbiose mit militärischen Interessen und staatlicher Finanzierung möglich war. Einen großen Anteil an solchen Weiterentwicklungen hatte Wernher von Braun (1912-1977) - von Peenemünde 1934 und der A4 (dem Vorbild vieler sowjetischer/russischer und US-Raketen) bis zur Saturn V der Mondlandungen 1969-1972.

Neben technischen Grundlagen bilden die astronomischen Erkenntnisse der Himmelsmechanik die Voraussetzung für Raumfahrt an sich.

[Bearbeiten] Militär und Industrie entdecken die Raumfahrt

Dieser Prozess setzte zunächst im Deutschen Reich ein, das in der neuen Technologie eine Möglichkeit erkannte, die Bestimmungen des Versailler Vertrags zu umgehen. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges entstand so der Forschungs- und Produktionskomplex Peenemünde unter Wernher von Braun, der schließlich die A4/V2-Rakete hervorbrachte. Diese erste Großrakete der Welt wurde als verheerende Fernwaffe vor allem gegen London und Antwerpen eingesetzt. Aufgrund der relativen Treffungenauigkeit und dem außerordentlich schlechten Verhältnis aus Kosten und Zerstörungswirkung war dieser Raketentyp militärökonomisch eine Fehlentscheidung. Die Militärstrategen und Politiker der Sowjetunion und der USA erkannten das Potential der Raketentechnik, das vor allem darin lag, dass Raketen praktisch nicht abgefangen werden konnten und versuchten, aus dem besetzten Deutschland nicht nur Geräte und Blaupausen, sondern auch Know-how zu erbeuten. Damit begann bereits in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges ein Wettlauf zwischen den beiden Staaten, der Jahrzehnte andauern sollte. Nach dem Krieg wurden sowohl vollständige Raketen, wie Produktionsanlagen und zahlreiche Wissenschaftler und Techniker in die USA und die Sowjetunion verbracht und bildeten dort die Grundlage der Raketenentwicklung für die nächsten Jahrzehnte.

[Bearbeiten] Meilensteine der Raumfahrt

Space Shuttle Columbia
Space Shuttle Columbia
  • 3. Oktober 1942: Eine A4-Rakete (auch als V2 bekannt) ist das erste von Menschen konstruierte Objekt, das die Grenze zum Weltraum durchstößt (85 km). Andere V2-Raketen sollen kurze Zeit später Höhen bis 120 km erreicht haben. (Weltraum beginnt je nach Definition bei 80 bzw. 100 km). Die Amerikaner erreichen 1946 mit der von den Deutschen übernommenen V2 sogar eine Höhe von 187 km. Die Erste kosmische Geschwindigkeit, die erforderlich ist, um in eine Erdumlaufbahn zu gelangen, konnte die A4 jedoch nicht erreichen.
  • 4. Oktober 1957: Sputnik 1, der erste von Menschenhand gebaute Satellit (Sowjetunion)
  • 3. November 1957: Sputnik 2, brachte mit der Hündin Laika das erste Lebewesen ins All (Sowjetunion)
  • 19. August 1960: Sputnik 5, erstmals landeten zwei Lebewesen (Die Hündinnen Strelka und Belka) nach einem Raumflug sicher auf der Erde (Sowjetunion)
  • 12. April 1961: Wostok 1, Juri Alexejewitsch Gagarin fliegt als erster Mensch in das Weltall. (Sowjetunion)
  • 11./12. August 1962: Wostok 3 und Wostok 4, Andrijan Nikolajew und Pawel Popowitsch (beide Sowjetunion) starten zum ersten Weltraumrendezvous. Erstmals befinden sich zwei Menschen im Weltraum, die Raumschiffe nähern sich bis auf 5 km
  • 16. Juni 1963: Wostok 6, Walentina Wladimirowna Tereschkowa fliegt als erste Frau in den Weltraum (Sowjetunion).
  • 18. März 1965: Woschod 2, Der erste Mensch Alexei Leonow verlässt ein Raumschiff und schwebt frei im Weltraum. Kommandant ist Pawel Beljajew (beide Sowjetunion)
  • 3. Februar 1966: Luna 9 Erste weiche Landung auf einem anderen Himmelskörper, dem Mond. (Sowjetunion)
  • 21. Dezember 1968: Apollo 8, zum ersten Mal verlassen Menschen die Erdumlaufbahn. Frank Borman war Kommandant der Mission, zudem waren die Astronauten James Lovell und William Anders dabei. (alle USA)
  • 16. Juli 1969: Apollo 11, Start zur ersten Mondlandung. Neil Armstrong betritt am 20. Juli 1969 als erster Mensch den Mond, gefolgt von Buzz Aldrin. Michael Collins (alle USA) fliegt das Apollo-Mutterschiff (Rückkehrkapsel) zurück.
  • 15. Dezember 1971: Venera 7, erste weiche Landung auf einem anderen Planeten, der Venus (Sowjetunion).
  • 24. Dezember 1979: Erstflug der europäischen Trägerrakete Ariane 1
  • 12. April 1981: Der Space Shuttle Columbia startet zu seinem Erstflug. Es ist das erste wiederverwendbare Raumschiff
  • 24. April 1990: Start des Hubble - Weltraumteleskops
  • 4. Juni 1996: Erstflug der europäischen Trägerrakete Ariane 5
  • 20. November 1998: Mit dem Start des russischen Sarja-Moduls beginnt der Aufbau der Internationalen Raumstation, dem bisher größten Projekt in der Raumfahrt.
  • 24. Oktober 2007: China startet seine erste Mondsonde. Eine Rakete vom Typen Langer Marsch 3 brachte den Orbiter "Chang'e 1" von der Erde ins All.

[Bearbeiten] Der Wettlauf ins Weltall im Kalten Krieg

"Ham the Astrochimp", ein 44 Monate alter Schimpanse, der am 31. Januar 1961 im Rahmen des Mercury-Programms in den Weltraum gebracht wurde
"Ham the Astrochimp", ein 44 Monate alter Schimpanse, der am 31. Januar 1961 im Rahmen des Mercury-Programms in den Weltraum gebracht wurde

Im nun einsetzenden Kalten Krieg kam der Raumfahrt vor allem eine massenpsychologische und propagandistische Bedeutung zu. Neben dem offensichtlichen militärischen Wert wurde sie von den Zeitgenossen als Messlatte für die Leistungsfähigkeit und Fortschrittlichkeit der beiden konkurrierenden Systeme wahrgenommen.

Als Folge des so genannten Sputnikschocks im Oktober 1957 wurde der amerikanischen Öffentlichkeit schlagartig bewusst, dass die Sowjetunion den technologischen Rückstand fast vollständig aufgeholt hatte. Von diesem Zeitpunkt an wurde die Raumfahrt auch in den USA nach Kräften gefördert, und es kam zu einem regelrechten Wettlauf. Die sowjetische Raumfahrt erbrachte dabei zahlreiche bedeutende Erstleistungen. Sie brachten einen Monat nach dem Start von Sputnik 1 das erste Lebewesen, die Hündin Laika in den Weltraum. Am 12. April 1961 umkreiste Juri Gagarin als erster Mensch im Weltall die Erde und die Sonden Lunik 2 und Luna 9 führten 1959 und 1966 erstmals auf dem Mond eine harte bzw. weiche Landung durch. Dagegen konzentrierten sich die Anstrengungen der USA unter Präsident Kennedy auf die bemannte Mondlandung, die am 20. Juli 1969 mit einer halben Milliarde TV-Zuschauern das vielleicht größte Medienereignis zur Zeit des Kalten Krieges war.

Obwohl die zivile Raumfahrtbehörde NASA im Mittelpunkt der Öffentlichkeit stand und steht, wurde die Entwicklung der Raumfahrt abseits der öffentlichkeitswirksamen Prestigeprojekte ausschließlich von militärischen Erwägungen bestimmt. Etwa drei Viertel aller Satellitenstarts bis heute dienten militärischen Zwecken. Die USA verfügten seit 1959 über Aufklärungssatelliten, seit 1960 über Wetter-, Navigations- und Frühwarnsatelliten.

Das beiderseits stetig anwachsende Atomwaffenarsenal mündete schließlich im nuklearen Patt. Dieser höchst bedrohliche Aspekt der Raumfahrt, der sich ab den 1970er Jahren auch in einer immer stärker werdenden Friedensbewegung niederschlug, hatte eine Reihe von Abrüstungsverträgen (START-Verträge) und Abkommen zur Begrenzung strategischer Waffensysteme (ABM-Vertrag) zur Folge.

Die Sowjetunion führte ihre bereits in den 1960er Jahren begonnenen Forschungen an Kopplungsmanövern, Langzeitflügen und Weltraumausstiegen von Kosmonauten über die erste Raumstation Saljut 1 weiter bis zu gemeinsamen Kopplungsmanövern mit den USA 1975 und schließlich zur permanent bemannten Raumstation Mir.

Ab den 1970er Jahren spielte die Kommerzialisierung der Raumfahrt bzw. aus der Raumfahrtforschung hervorgegangener Technologien eine immer größere Rolle. Beispiele sind Nachrichten- und TV-Satelliten, CD-Spieler und zahllose mikroelektronische und informatische Anwendungen bis hin zu GPS und Digitalfotografie.

[Bearbeiten] Kooperation und Globalisierung der Raumfahrt

Raumstation Mir
Raumstation Mir

Schon während der MIR-Ära konnte man eine verstärkte Kooperationsbereitschaft zwischen den USA und Russland beobachten. So dockte der Space Shuttle mehrmals an der alternden Raumstation an und trug damit wesentlich zum Erhalt bei.

Die gemeinsamen Bemühungen mündeten schließlich in der Planung und dem Bau der Internationalen Weltraumstation (ISS). Nach dem Absturz der Raumfähre Columbia und einer Strategieänderung bei der NASA ist die Zukunft der ISS nach 2010 aber nicht mehr gesichert, da man in den USA ab diesem Zeitpunkt mit dem Space Shuttle die ISS nicht mehr bedienen will.

Und so beschleunigt Russland nun den Bau des neuen Allround-Raumschiffes Kliper. Es soll vorbehaltlich der Finanzierung etwa im Jahr 2012 fertig sein. Russlands neuer Kosmosagentur-Chef Anatoli Perminow hat deshalb die europäische Weltraumorganisation ESA aufgefordert, sich an dem nach eigenen Angaben 350-Millionen-Dollar-Projekt zu beteiligen.

[Bearbeiten] Weitere raumfahrende Staaten oder Kontinente (bzw. Teile der Kontinente)

Als Raumfahrtnation bezeichnet man ein Land, das in der Lage ist, mit eigenen Trägerraketen eigene Satelliten in den Weltraum zu befördern. Zusätzlich werden hier Länder aufgeführt, die an Projekten eigener Trägerraketen arbeiten, jedoch bisher nicht erfolgreich waren (z.B. Brasilien).

[Bearbeiten] Brasilien

Auch Brasilien versucht im Weltraum Fuß zu fassen. Bisher jedoch mit wenig Glück. 1997 stürzte die erste brasilianische Trägerrakete VLS-1 kurz nach dem Start in den Atlantik. 1999 musste eine Rakete kurz nach dem Abschuss zerstört werden und am 23. August 2003 forderte eine Explosion der Rakete VLS-1 auf dem Stützpunkt Alcântara im Bundesstaat Maranhão 21 Menschenleben.

[Bearbeiten] China

Seit längerem fördert die Volksrepublik China die Raumfahrt in verstärktem Maße. Am 15. Oktober 2003 hat es den ersten Taikonauten (Bezeichnung für einen chinesischen Raumfahrer) mit einem Shenzhou-Raumschiff in die Erdumlaufbahn geschickt. Neben Russland und den USA ist China somit als drittes Land in der Lage, bemannte Raumflüge durchzuführen. Der Schwerpunkt des Landes liegt momentan auf der weiteren Entwicklung des Shenzhou-Programms. Geplant sind auch eine eigene Raumstation, eine unbemannte Mondlandemission bis zum Jahr 2016 und eine bemannte Landemission bis zum Jahr 2024. Der erste Start einer unbemannten Mondsonde mit dem Namen Chang'e 1 fand am 24. Oktober 2007 statt.

Zum zweiten bemannten chinesischen Raumflug sind am 12. Oktober 2005 zwei Taikonauten vom Raumfahrtbahnhof Jiuquan in der Wüste Gobi gestartet und erfolgreich zurückgekehrt. (siehe auch: Chinesische Raumfahrt)

[Bearbeiten] Europa

Europa hat mit der Ariane-Rakete eine marktbeherrschende Stellung beim Transport von kommerziellen Satelliten in den Weltraum eingenommen, nachdem zuvor in den 1960er und 1970er Jahren die Entwicklung einer eigenen Trägerrakete Europa erfolglos blieb. Nachdem die ESA in den 1980er Jahren sehr eng mit den USA zusammenarbeitete, beispielsweise mit dem Spacelab-Projekt, ergaben sich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs auch andere Kooperationsmöglichkeiten. Erste Schritte wurden durch den Besuch von europäischen Astronauten auf der Raumstation Mir vollzogen. Am Bau und Betrieb der Internationalen Raumstation (ISS) nimmt Europa mit eigens dafür entwickelten Elementen teil. Das Columbus-Modul ist ein Wissenschaftslabor, das am 11. Februar 2008 an der ISS montiert wurde. Das Automated Transfer Vehicle (ATV), ein komplett autonomer unbemannter Raumtransporter, wird mit der Ariane 5 gestartet und dockt selbstständig an der ISS an. Seine Hauptaufgabe ist der Transport von Treibstoffen, Wasser, Experimenten und anderer Versorgungsgüter zur ISS. Bei der anschließenden Müllentsorgung verglüht das ATV beladen mit Müll aus der ISS in der Erdatmosphäre.

[Bearbeiten] Indien

Auch Indien verstärkt seine Raumfahrtaktivitäten und kann bereits auf mehrere im eigenen Land gebaute Satelliten und Trägerraketen (ASLV, PSLV, GSLV mit Technik aus dem Ariane 4 Programm) verweisen. Den ersten erfolgreichen Satellitenstart führte Indien am 18. Juli 1980 aus. Für 2007 war der Start einer eigenen Mondsonde angekündigt. Die internationale Kooperation, vor allem mit den USA, spielt dabei in der Strategie eine große Rolle, so werden bei der unbemannten Mondmission auch zwei amerikanische Instrumente eingesetzt werden. Weitere Triebfeder der Entwicklung ist der jetzige Staatspräsident Abdul Kalam. Er war früher für die Entwicklung des Raketen- und Raumfahrtprogramms des Landes zuständig und gilt neben Vikram Sarabhai als Vater der indischen Raumfahrt. Im Juli 2006 erlitten die Raumfahrtaktivitäten allerdings einen Rückschlag, als kurz hintereinander zuerst der Test einer neuen Mittelstreckenrakete fehlschlug und danach eine Weltraumträgerrakete abstürzte.

[Bearbeiten] Israel

Israel führte 1988 den ersten erfolgreichen Start seiner Trägerrakete Shavit durch. Weitere Starts mit militärischen Ofeq-Satelliten als Nutzlast folgten.

[Bearbeiten] Japan

In Japan werden ebenfalls eigene Trägerraketen, Satelliten und Raumsonden entwickelt. Daneben beteiligt sich Japan mit dem Kibō-Modul auch an der Internationalen Raumstation. Die sehr visionär ausgerichtete Weltraumpolitik konnte aber bisher nicht vollständig in die Praxis umgesetzt werden. Immer wieder führten Rückschläge und Finanzprobleme zu Verzögerungen, obwohl die Bevölkerung im Gegensatz zu den Europäern den Projekten aufgeschlossener gegenüber steht.

Japan gab an, bis 2025 einen bemannten Mondflug durchführen zu wollen. Allerdings erscheinen diese Planungen aufgrund von bisher fehlender Finanzierung äußerst fragwürdig.

[Bearbeiten] Südkorea

Seit 2002 plante Südkorea auf der Basis der eigenständig entwickelten Höhenforschungsrakete KSR eine eigene Trägerrakete mit der Bezeichnung „KSLV-I“ zu bauen, um kleine bis zu 100 Kilogramm wiegende Satelliten in den Weltraum transportieren zu können. Doch schon bald entschied die südkoreanische Regierung, dass Südkorea bis 2015 zu den zehn führenden Raumfahrtnationen gehören soll. Um die ehrgeizigen Pläne zu verwirklichen, war das ursprüngliche KSLV-Programm zu limitiert. Daraufhin wurde Ende 2004 russischen Raumfahrtunternehmen GKNPZ Chrunitschew mit der Entwicklung der ersten Stufe des KSLV-I beauftragt, die nun auf der weitaus größeren Angara basieren soll. Der erste Start der KSLV-I soll Ende 2007 von der auf der Insel Oenaro entstehenden Startanlage erfolgen. Südkorea will die Entwicklung weiterführen, um dann die stärkeren Nachfolgemodelle „KSLV-2“ und „KSLV-3“ zu bauen. Außerdem wird ein neues Weltraumzentrum gebaut.

[Bearbeiten] Kommerzielle und private Raumfahrt

Der erste Bereich der Raumfahrt, der kommerziell nutzbar wurde, waren Kommunikationssatelliten und Fernsehsatelliten. Der erste experimentelle Nachrichtensatellit war der Militärische SCORE. Der erste zivile Nachrichtensatellit war der passive Echo 1, und der erste aktive war Telstar. Die passiven Nachrichtensatelliten erwiesen sich als kommerziell nicht nutzbar. Bei Telstar erwies sich die niedrige Umlaufbahn als nicht sinnvoll. Systeme auf niedrigen Umlaufbahnen wurden daher im Westen von den Geostationären Satelliten abgelöst. Der erste funktionsfähige, noch experimentelle war Syncom 2. Danach wurde von den Fernmeldegesellschaften/Behörden der westlichen Welt zum kommerziellen Einsatz von Nachrichtensatelliten der Satellitenbetreiber Intelsat gegründet. In den USA entstanden in den folgenden Jahren auch rein private Satellitenbetreiber. In Europa entstanden ebenfalls in einigen Ländern von staatlichen Fernmeldeverwaltungen betriebene Nachrichtensatellitensysteme, die später eingestellt oder privatisiert wurden. Bei den Fernsehsatelliten konnten sich in Europa staatliche Systeme nie richtig entfalten, und es dominierte von Anfang an das private Astra System. Nachdem Intelsat privatisiert wurde, werden Kommunikationssatelliten nur noch in Ausnahmefällen von staatlichen Organisationen betrieben, wie: Militärische Nachrichtensatelliten und experimentelle Nachrichtensatelliten. Ebenfalls werden die Startdienste für diese Satelliten meist von privaten Firmen angeboten (z.B. Arianespace). Dagegen werden die von ihnen benutzten Trägerraketen noch immer mit Steuergeldern von Raumfahrtorganisationen entwickelt, oder die Entwicklung wird subventioniert. Komplett privat finanzierte Trägersysteme gibt es nur sehr wenige. Die meisten sind noch im Planungsstadium oder in Entwicklung.

Am 21. Juni 2004 erreichte mit SpaceShipOne zum ersten mal ein ausschließlich von nichtstaatlichen Organisationen finanzierter bemannter Flugkörper die als Grenze zum Weltraum definierte Höhe von 100 Kilometern, ohne jedoch eine Erdumlaufbahn zu erreichen. Im Juli 2005 gründete der Entwickler Burt Rutan eine eigene private Raumfahrtorganisation.

[Bearbeiten] Zukünftige Entwicklung

[Bearbeiten] Technische Aspekte

Grundlagenforschung und die allgemeine technische Innovation produzieren immer neue Materialien und Verfahren, auf denen auch neue Konzepte beruhen.

Kombinierte Luft- und Raumfahrzeuge oder der Weltraumlift sollen künftig die Startkosten weiter senken und der Raumfahrt zum wirtschaftlichen Erfolg verhelfen. Andere Techniken wie Ionentriebwerke, Lichtbogentriebwerk oder Sonnensegel sollen es ermöglichen, schnell den interplanetaren Raum zu erreichen und eines Tages vielleicht sogar in andere Sonnensysteme vorzustoßen.

Während die ersten Missionen mit einem Raumfahrzeug durchgeführt wurden, die von Bodenstationen kontrolliert wurden, wurden die folgenden Szenarien sehr viel komplexer. Das gegenwärtig umfassendste System ist die Internationale Raumstation mit bemannten und unbemannten Versorgungsfahrzeugen und Kommunikationen (z.B. Formationsflug zwecks interferometrischer Messungen mit breiter Basis) ermöglichen. Weiterhin wird die Autonomie der einzelnen Raumfahrzeuge (z.B. selbständige Fehlererkennung und Reparatur, Navigation) sowie mehrerer Raumfahrzeuge zusammen (Verteilte Autonomie) vergrößert.

Ein Zukunftsprojekt sieht periodische Hin- und Rückflüge zu einer Mond- (später Mars-) Kolonie vor, die aus Gebäuden und Mondfahrzeugen besteht.

[Bearbeiten] Ökonomische Aspekte

[Bearbeiten] Privatisierung

Schon heute Realität ist der nahezu ausschließliche Betrieb von Kommunikations- und Fernsehsatelliten durch privatwirtschaftliche Unternehmen. Ebenfalls werden die Startdienste, für diese Satelliten, meist von privaten Firmen angeboten (z.B. Arianespace), dagegen werden die von ihnen benutzten Trägerraketen noch immer meistens mit Steuergeldern von Raumfahrtorganisationen entwickelt oder ihre Entwicklung wird subventioniert. Komplett privat finanzierte Trägersysteme gibt es erst sehr wenige, die meisten sind noch im Planungsstadium oder Entwicklung.

Weiterhin setzen Unternehmen der Raumfahrtindustrie große Erwartungen in Entwicklungen wie den Weltraumtourismus und andere Privatisierungsversuche. Größere Umsätze aus dem Weltraumtourismus sind auf Grund der Entwicklungen in den letzten fünf Jahren wahrscheinlicher geworden. Dazu beigetragen haben vor allem die Flüge von Weltraumtouristen zur Internationalen Raumstation und des Ansari X-Prize, der von einem US-amerikanischen Unternehmen gewonnen wurde. Ab dem Jahr 2008 sollen von der Firma Virgin Galactic suborbitale Flüge für rund 200.000 US-Dollar angeboten werden.

[Bearbeiten] Bemannte oder unbemannte Raumfahrt?

Um Astronauten sicher in den Weltraum und wieder zurück zu transportieren, sind teure Sicherheits- und Lebenserhaltungssysteme notwendig. Aus diesem Grund streiten Raumfahrtexperten, ob der Schwerpunkt der weiteren Entwicklung - zumindest bei wissenschaftlichen Missionen - nicht eher auf unbemannte Systeme verlegt werden sollte.

Auf der anderen Seite müssen bei unbemannten wissenschaftlichen Missionen die Experimente mit weit höherem Aufwand gegen eventuelle Fehler abgesichert oder auf unerwartete Ergebnisse vorbereitet werden als bei bemannten Missionen, da hier der Astronaut eingreifen kann. Der Aufbau und Betrieb der ISS wäre als rein unbemanntes Projekt nicht möglich; die Integration der vielen Elemente im Orbit und die lange Lebensdauer ist nur durch Wartung mit Ersatz von Geräten (teilweise mit notwendigen Verbesserungen) durch Astronauten - wie auch bei Mir - möglich. Zusätzlich zu den wissenschaftlichen Aufgaben ist der politische Integrationsaspekt zwischen den vielen beteiligten Ländern ein nicht zu unterschätzendes Argument für solch umfassende Projekte, die nur mit bemannter Raumfahrt attraktiv sind.

[Bearbeiten] Weitere Fernziele

Neben dem Aspekt einer allgemeinen philosophischen Begründung definieren Wissenschaftler, Politiker und Philosophen konkrete Fernziele für zukünftige Raumfahrtaktivitäten. Solche Fernziele sind: Energiegewinnung im Weltraum, Rohstoffgewinnung außerhalb der Erde und die Kolonisierung anderer Planeten. Visionäre sehen darin eine neue Entwicklungsstufe der Menschheit, die das Überleben unabhängig von dem Schicksal der Erde ermöglichen würde. Die Suche nach Leben außerhalb der Erde (Exobiologie) rückte in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus der Argumentationen.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weiterführende Begriffe

[Bearbeiten] Raumfahrtagenturen

[Bearbeiten] Europa

[Bearbeiten] Weltweit

[Bearbeiten] Literatur

  • Volker Neipp:Mit Schrauben und Bolzen auf den Mond - Das unglaubliche Lebenswerk von Dr. Eberhard F.M. Rees, Springerverlag Trossingen 2008, ISBN 978-3-9802675-7-1 mit über 200 teilweise unveröffentlichten Fotos.
  • Rainer Eisfeld: Mondsüchtig: Wernher von Braun und die Geburt der Raumfahrt aus dem Geist der Barbarei, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verl., 2000, ISBN 3-499-60943-6
  • Robert Kluge: Der sowjetische Traum vom Fliegen: Analyseversuch eines gesellschaftlichen Phänomens, München: Sagner, 1997, ISBN 3-87690-665-2
  • Niklas Reinke: Geschichte der deutschen Raumfahrtpolitik: Konzepte, Einflußfaktoren und Interdependenzen 1923 - 2002, München: Oldenbourg 2004, ISBN 3-486-56842-6
  • Matthias Schwartz: Die Erfindung des Kosmos: zur sowjetischen Science Fiction und populärwissenschaftlichen Publizistik vom Sputnikflug bis zum Ende der Tauwetterzeit, Frankfurt am Main [u.a.] : Lang, 2003, ISBN 3-631-51225-2
  • Jahrbuch der Luft- und Raumfahrt 2006 / German Aerospace Annual 2006, Sutter 2006, ISSN 0075-269x
  • Highlights in Space 2006 (PDF; 2,53 MB), Büro der Vereinten Nationen für Weltraumfragen, New York 2007, ISBN 978-92-1-101147-0
  • Helmuth Trischler, Kai-Uwe Schrogl (Hrsg.): Ein Jahrhundert im Flug - Luft- und Raumfahrtforschung in Deutschland 1907-2007, Frankfurt/New York, campus 2007, ISBN 978-3-593-38330-9
  • Werner Büdeler: Das Abenteuer der Mondlandung, Gütersloh, Bertelsmann 1969
  • Thorsten Dambeck: "Raumfahrt 2067: Jeder darf ins All", Spiegel Online, 13.Januar 2007
  • Martin Tajmar: Advanced space propulsion systems. Springer, Wien 2003, ISBN 3-211-83862-7
  • David Darling: The complete book of spaceflight-from Apollo 1 to Zero gravity. Wiley, NJ 2003, ISBN 0-471-05649-9
  • Ernst Messerschmid, Stefanos Fasoulas: Raumfahrtsysteme-eine Einführung mit Übungen und Lösungen. Springer, Berlin 2005, ISBN 3-540-21037-7
  • Wilfried Ley, Klaus Wittmann, Willi Hallmann: Handbuch der Raumfahrttechnik. Hanser, München 2008, ISBN 3-446-41185-2
  • David Ashford: Spaceflight revolution. Imperial College Press, London 2002, ISBN 1-86094-325-X
  • Paul Gilster: Centauri dreams-imagining and planning interstellar exploration. Springer, New York 2004, ISBN 0-387-00436-X

[Bearbeiten] Weblinks

Wiktionary
 Wiktionary: Raumfahrt – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik

http://www.aiaa-la.org/flyers/Adv%20Space%20Propulsion%20for%20Interstellar%20Travel%20-%20GMeholic%20042408.pdf

  • Radiosendung The Space Show vom 24.Juni 2008 mit Greg Meholic (AIAA Nuclear and Future Flight Propulsion Technical Committee) über Advanced Propulsion Concepts:

http://www.thespaceshow.com/detail.asp?q=968


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