Preussen (Ballon)

Preussen ist der Name des Ballons, mit dem am 31. Juli 1901 der noch heute gültige Höhenweltrekord für eine Freiballonfahrt im offenen Korb aufgestellt wurde. Diese Fahrt trug entscheidend zur Entdeckung der Stratosphäre bei.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Vorgeschichte

Der Ballon wurde von der Continental Caoutchuk und Guttapercha-Compagnie in Hannover für 20.000 Mark aus gummiertem Stoff gefertigt. Er hatte ein Fassungsvermögen von 8.400 Kubikmetern, was einem Durchmesser von mehr als 25 Metern entspricht. Damit war er der größte bis dahin in Deutschland gebaute Ballon. Bei Wasserstoffbefüllung hatte er eine Tragkraft von 10 Tonnen, wobei etwa zwei Tonnen auf das Eigengewicht von Ballonhülle und -netz sowie auf den Korb entfielen. Er war ursprünglich für eine privat finanzierte Dauerfahrt bestimmt, die jedoch scheiterte. Daraufhin bot der Besitzer, der Potsdamer Bauunternehmer Carl Enders, den Ballon im März 1901 dem Aeronautisches Observatorium Berlin-Tegel als Geschenk an. Kaiser Wilhelm II. gestattete dem Observatorium die Annahme des Geschenks und gewährte zusätzlich eine Summe von 10.000 Mark für die Ausstattung zweier Hochfahrten. Der Ballon erhielt jetzt den Namen Preussen.

Dem Aeronautischen Observatorium kam die Schenkung sehr gelegen. In den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts hatten Meteorologen in Deutschland und Frankreich durch die Aufstiege von Wetterballons Hinweise darauf erhalten, dass die Lufttemperatur mit steigender Höhe nicht stetig abnimmt, sondern jenseits einer Höhe von zehn- bis zwölftausend Metern wieder ansteigt. Unklar war, ob die verwendeten registrierenden Messinstrumente überhaupt verlässliche Werte lieferten und ob nicht vielmehr die starke Sonnenstrahlung die Messergebnisse in dieser Höhe verfälschte. Zur Klärung dieser Frage plante Richard Aßmann, der Direktor des Observatoriums, den zeitgleichen Aufstieg eines bemannten und eines unbemannten Ballons in möglichst große Höhen. Mit dem Preussen stand ihm endlich ein geeignetes Fahrzeug zur Verfügung.

[Bearbeiten] Hochfahrten

[Bearbeiten] Die vorbereitende Fahrt

Am 11. Juli 1901 fand zunächst eine vorbereitende Fahrt statt. Ziel war einerseits die Erprobung des Ballons, zum anderen aber auch das Studium des Einflusses der Höhe und der verdünnten Atmosphäre auf den menschlichen Organismus. Neben den Meteorologen und erfahrenen Ballonfahrern Arthur Berson und Reinhard Süring, nahm der Wiener Arzt und Physiologe Hermann von Schrötter an der Fahrt teil, ein anerkannter Fachmann auf dem Gebiet der akuten Höhenkrankheit, der zur Prävention die Atmung von reinem Sauerstoff propagierte. Der Ballon wurde mit Leuchtgas befüllt und stieg während der neunstündigen Fahrt von Berlin nach Pirmasens auf eine Höhe von 7.450 Metern, wobei von Schrötter Messungen des Blutdrucks, der Atmung und der Pulsfrequenz der Teilnehmer vornahm.

[Bearbeiten] Die Rekordfahrt

Die Hauptfahrt fand am 31. Juli 1901 statt. Der Ballon wurde auf dem Tempelhofer Feld mit 5.400 Kubikmetern Wasserstoff aus 1.080 Stahlflaschen gefüllt. Sie wurden auf 24 Fahrzeugen herangeschafft, die mehrfach beladen werden mussten. Dabei wurde der Preussen von 24 Erdankern und 300 16-kg-Sandsäcken gehalten. An jeder der 48 Halteleinen standen zwei Soldaten der Militär-Luftschifferabteilung. Um genügend Halteleinen anbringen zu können, war der Korb über zwei Ringe mit der Ballonhülle verbunden. Der Ballast, der in mehreren Schichten außerhalb des Korbs angebracht war, bestand aus Sand und Eisenfeilspänen von etwa 3,5 Tonnen Gewicht. Insgesamt dauerte die Vorbereitung der Fahrt 4,5 Stunden.

Um 10:50 Uhr hob der Ballon mit einer Vertikalgeschwindigkeit von 1,5 m/s ab und stieg, bis er in einer Höhe von 4.500 Metern prall gefüllt war. Anschließend begannen die Ballonfahrer mit dem Abwurf von Ballast. Als Süring trotz Sauerstoffatmung ohnmächtig wurde, betätigte Berson mehrmals das Ventil, um ein weiteres Steigen des Ballons zu verhindern. Bevor er selbst ohnmächtig wurde, konnte er eine Höhe von 10.500 Metern bestimmen. Da der Ballon noch stieg, könnte die maximale Höhe bei 10.800 Metern gelegen haben. Der mitgeführte Barograph konnte darüber keine Auskunft geben, da dessen Tinte bereits bei 10.000 Metern Höhe eingefroren war. Nach ihrem Erwachen landeten die Ballonfahrer sicher bei Briesen in der Nähe von Cottbus.

Obwohl der Preussen nicht bis in die Stratosphäre vorgedrungen war, führte die gute Übereinstimmung der abgelesenen Temperaturen mit den aufgezeichneten eines zeitgleich durch Aßmann gestarteten Wetterballons letztlich zur Entdeckung der Stratosphäre.

[Bearbeiten] Literatur

  • G. Bolte, Eine Ballonhochfahrt von Berlin bis nach Briesen bei Cottbus, Oderzeitung im August 1901.
  • A. Berson und R. Süring, Ein Ballonaufstieg bis 10500 m, Illustr. Aeronaut. Mittlg. 1901, S. 117-120.
  • R. Süring, Wissenschaftliche Ballonhochfahrten in: Bröckelmann (Hrsg.), Wir Luftschiffer, Ullstein , Berlin und Wien 1909, S. 48–65.
  • H. Steinhagen, Der Wettermann. Leben und Werk Richard Aßmanns, Findling, Neuenhagen 2005, ISBN 3-933603-33-1.

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