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Pflanzen
Die Pflanzen (Plantae) bilden ein eigenes Reich innerhalb der DomĂ€ne der Lebewesen mit Zellkern und Zellmembran (Eukaryoten). Nach heutigen SchĂ€tzungen existieren rund 500.000 Pflanzenarten [1]. Mit ihnen befasst sich wissenschaftlich die Disziplin der Botanik. Historisch hat sich die Definition des Begriffs Pflanze gewandelt. In der hier verwendeten Systematik nach Adl et al.[2] sind die Pflanzen mit den Landpflanzen (Embryophyta) gleichgesetzt. Zu den Pflanzen zĂ€hlen die Moose und die GefĂ€Ăpflanzen.
[Bearbeiten] MerkmaleDie Pflanzen zeichnen sich durch einen Generationswechsel aus, bei dem sich eine haploide sexuelle und eine diploide vegetative Generation abwechseln (heterophasischer Generationswechsel). Bei den rezenten Pflanzen sind die beiden Generationen jeweils unterschiedlich gestaltet (heteromorpher Generationswechsel). Bei den Moosen dominiert der haploide Gametophyt, wĂ€hrend bei den GefĂ€Ăpflanzen der diploide Sporophyt dominiert.[2]
Der Generationswechsel der Laubmoose als Beispiel fĂŒr den Wechsel zwischen haploider Gametophyten-Generation und diploider Sporophyten-Generation bei den Pflanzen.
Die sexuelle Generation, die Gametophyten, bildet spezielle, mehrzellige Sexualorgane aus, die von mehreren sterilen Zellen umgeben sind. Die mĂ€nnlichen Organe sind die Antheridien und die weiblichen die Archegonien. Die Eizellen verbleiben in den Archegonien und werden hier befruchtet. Bei den Bedecktsamern sind die Gametophyten und damit auch die Antheridien und Archegonien extrem reduziert.[3] Der Sporophyt wird zunĂ€chst als mehrzelliger Embryo angelegt, der an der Mutterpflanze verbleibt und von dieser ernĂ€hrt wird. HĂ€ufig stellt er ein Ruhestadium dar. Der Sporophyt ist stets vielzellig. Die Pflanzen sind wie alle Vertreter der Chloroplastida, zu denen sie gehören, fast ausschlieĂlich photoautotroph: Das heiĂt, sie stellen die zum Wachsen und Leben notwendigen organischen Stoffe mit Hilfe des Sonnenlichts durch Photosynthese selbst her (Phototrophie). Dabei nutzen sie als Kohlenstoffquelle ausschlieĂlich Kohlendioxid (Autotrophie). Nicht autotrophe Vertreter sind stets abgeleitete Formen. Dies sind einige mykotrophe Pflanzen, die heterotroph von Pilzen leben (z. B. einige Orchideen, Corsiaceae, Burmanniaceae) die im Laufe der Evolution ihr Chlorophyll (BlattgrĂŒn) verloren haben, und einige heterotrophe Vollschmarotzer auf anderen Pflanzen (z. B. Rafflesiaceae, einige Orobanchaceae und Convolvulaceae). Die Basalkörper der GeiĂeln besitzen eine eigentĂŒmliche viellagige Struktur aus Mikrotubuli sowie eine Verankerung im Cytoskelett. Die Mitose ist offen, wĂ€hrend der Zellteilung wird ein Phragmoplast gebildet. Pyrenoide fehlen meist.[2] Weitere Merkmale, die auch viele andere Vertreter der ĂŒbergeordneten Taxa Charophyta oder Chloroplastida besitzen, sind Chloroplasten mit Chlorophyll a und b als Photosynthesepigmente und Carotinoide als akzessorische Pigmente, StĂ€rke als Reservepolysaccharid und ZellwĂ€nde aus Zellulose.[2] Die Sporenwand enthĂ€lt Sporopollenin, die Sporophyten bilden eine Cuticula.[4] [Bearbeiten] SystematikGemÀà der aktuellen Eukaroyten-Systematik von Adl u.a. (2005)[2] zĂ€hlen die Vertreter der GrĂŒnalgen und auch der Rotalgen, die lange zu den Pflanzen gerechnet wurden, nicht mehr zu den Plantae. Somit entsprechen die Plantae den Embryophyten, umfassen also die Moose und die GefĂ€Ăpflanzen. [Bearbeiten] ĂuĂere SystematikDie Verwandtschaft der Pflanzen mit den GrĂŒnalgen war aufgrund der gemeinsamen Photosynthesepigmente und Polysaccharide lange vermutet worden. Einige GrĂŒnalgen wie die Armleuchteralgen bilden auch ihre Eizellen umhĂŒllendes Gewebe. DNA-Sequenzvergleiche zeigten dann auch, dass die Characeae die nĂ€chsten lebenden Verwandten der Pflanzen sind. Ein Kladogramm sieht folgendermaĂen aus:[5][6]
âââââ Pflanzen
âââââ€
ââââ†âââââ Armleuchteralgen (Charales)
â
âââââââââ Coleochaetales
[Bearbeiten] Innere SystematikDie rezenten (nicht ausgestorbenen) Vertreter der Pflanzen bilden vier deutlich voneinander getrennte Gruppen. Diese sind sowohl nach morphologischen wie auch nach molekularbiologischen Studien monophyletisch: Lebermoose, Laubmoose, Hornmoose und GefĂ€Ăpflanzen. Die Stellung dieser vier Gruppen untereinander ist jedoch noch nicht endgĂŒltig geklĂ€rt. In der Vergangenheit gab es verschiedene VorschlĂ€ge (vgl. Systematik der Moose), jedoch zeichnet sich folgendes Kladogramm als wahrscheinliche VerwandtschaftsverhĂ€ltnisse ab:[5]
âââââ GefĂ€Ăpflanzen
âââââ€
âââââ†âââââ Hornmoose
â â
ââââââ†âââââââââ Laubmoose
â
ââââââââââââââ Lebermoose
Die Hornmoose wĂ€ren demnach die Schwestergruppe der GefĂ€Ăpflanzen. Neben molekularbiologischen Studien weisen auch mehrere den Hornmoosen im Vergleich zu den anderen Moosen eigentĂŒmliche Merkmale auf die nahe Verwandtschaft zu den GefĂ€Ăpflanzen hin: die Sporophyten der Hornmoose sind relativ groĂ, langlebig und photosynthetisch aktiv, also relativ selbstĂ€ndig. Damit nehmen sie eine Zwischenstellung zwischen den anderen Moosen mit ihren vom Gametophyten abhĂ€ngigen Sporophyten und den GefĂ€Ăpflanzen mit ihren völlig unabhĂ€ngigen Sporophyten ein.[5] FĂŒr eine detailliertere Ăbersicht ĂŒber das Pflanzenreich, siehe Systematik des Pflanzenreichs. [Bearbeiten] Systematik fossiler VertreterBei Einbeziehung fossiler Pflanzen, die an der Basis der GefĂ€Ăpflanzen stehen, wird das oben dargestellte Bild etwas komplizierter. Zwar sind fossile Moose aus der FrĂŒhzeit der Pflanzen nicht bekannt, dafĂŒr sind etliche Vertreter frĂŒher GefĂ€Ăpflanzen bekannt. Diese wurden im frĂŒhen 20. Jahrhundert unter dem Begriff Psilophyten vereinigt, diese Gruppe erwies sich jedoch schon bald als sehr heterogen. Banks hat diese Gruppe in die drei Gruppen Rhyniophyta, Trimerophytophyta und Zosterophyllophyta aufgespalten. Kenrick und Crane[4] zeigten jedoch 1997, dass zumindest die beiden ersten Gruppen kĂŒnstlich sind. Die Vertreter der beiden letzten Gruppen gehören zu den Eutracheophyten, wĂ€hrend die Vertreter der Rhyniophyta sehr basal stehen. Kenrick und Crane stellten folgendes Kladogramm auf:[7]
ââââââââââââââââââ Echte GefĂ€Ăpflanzen (Eutracheophyten)
2 â
ââ†âââ Stockmansella â
â â ââ†â
â âââââââââââââ†âââ Rhynia â Rhyniopsida
ââ†â â
â â âââââ Huvenia â
â â
1 â ââââââââââââââââââââ Aglaophyton
âââââ€
â âââ Caia â
â ââ†â
âââââââââââââââââ†âââ Horneophyton â Horneophytopsida
â â
âââââ Tortilicaulis â
Zwischen den Moosen (nicht dargestellt) und den GefĂ€Ăpflanzen (Klade 2) gibt es also noch einige Gruppen ausgestorbener Pflanzen. [Bearbeiten] PolysporangiophytenDie Polysporangiophyten (1) umfassen die gesamte oben dargestellte Klade und umfassen alle Landpflanzen, die nicht zu einer der Moosgruppen gezĂ€hlt werden. Ihre gemeinsamen abgeleiteten Merkmale (Synapomorphien) sind: verzweigte Sporophyten mit mehreren Sporangien; der Sporophyt ist unabhĂ€ngig vom Gametophyten. Die Archegonien sind in den Gametophyten eingesenkt, dies ist aber auch bei den Hornmoosen der Fall.[8] Zu den Vertretern der Polysporangiophyten gehören als basalste Gruppe die Horneophytopsida mit Horneophyton. Eine isoliert stehende Art ist Aglaophyton major. Die ĂŒbrigen Vertreter (Klade 2) gehören zu den GefĂ€Ăpflanzen (Tracheobionta), deren basale Gruppe die Rhyniopsida sind. [Bearbeiten] Botanische GeschichteDie Pflanzen waren lange Zeit neben den Tieren und den Mineralien eines der drei Naturreiche. Noch Carl von LinnĂ© gliederte sein Systema naturae dementsprechend.[9] Auch Ernst Haeckel inkludierte in seine Plantae die Pilze, Flechten, die Cyanobakterien, sowie die verschiedensten Algengruppen.[4] WĂ€hrend die Botanik sich weiterhin mit all diesen Gruppen beschĂ€ftigt, wurde die Definition der Pflanzen spĂ€ter auf diejenigen Landpflanzen und GrĂŒnalgen eingeengt, die sich durch die Chlorophylle a und b, StĂ€rke als Reservepolysaccharide und Zellulose in der Zellwand auszeichnen. Heute werden die Pflanzen verschieden definiert: manche Systeme beziehen die GrĂŒnalgen in die Pflanzen ein, andere Systeme, so das hier verwendete, fassen die Lebewesen mit den oben angefĂŒhrten Merkmalen in den Chloroplastida zusammen und beschrĂ€nken die Pflanzen auf die Landpflanzen.[10] [Bearbeiten] Bedeutung fĂŒr den MenschenDie Nutzung der Pflanzen begann in der FrĂŒhzeit des Menschen mit dem Sammeln. Heute werden Pflanzen fĂŒr den menschlichen Gebrauch ĂŒberwiegend als Kulturpflanzen angebaut (Landwirtschaft). Ein Grenzfall stellt die Nutzung des Holzes aus WĂ€ldern dar.
Die ErnĂ€hrung der Menschen basiert praktisch vollstĂ€ndig auf Pflanzen, entweder durch den direkten Verzehr, oder indirekt durch den Verzehr von pflanzenfressenden Tieren oder Tierprodukten. Die gröĂte Bedeutung weltweit als Nutzpflanzen haben Weizen, Reis, Mais und Kartoffeln. Von der groĂen Anzahl der kultivierten Nutzpflanzen trĂ€gt nur ein kleiner Anteil die Hauptlast der menschlichen ErnĂ€hrung (Grundnahrungsmittel).
Traditionell werden Pflanzen zu verschiedensten Zwecken fĂŒr den menschlichen Gebrauch verarbeitet. Pflanzen sind das wichtigste Ausgangsmaterial zur Herstellung von Kleidung. Sie werden zu vielerlei Werkzeugen verarbeitet. Pflanzen, insbesondere Holz, sind ein unverzichtbares Baumaterial.
Seit jeher werden Pflanzen nicht nur als Grundnahrungsmittel gegessen. Viele Pflanzen und Pflanzenprodukte werden auch als Genussmittel genutzt, wie etwa KrĂ€uter und GewĂŒrze zum Verfeinern von Speisen. Beispiele fĂŒr pflanzliche Genussmittel mit groĂer wirtschaftlicher Bedeutung sind Kaffee, Tee, Tabak und der aus verschiedensten Pflanzen gewonnene Alkohol. Genussmittel im weiteren Sinn sind auch die rauscherzeugenden Drogenpflanzen, die oft zu den Giftpflanzen gezĂ€hlt werden.
Vor dem Aufkommen synthetischer Arzneimittel spielten Pflanzen und Pflanzenextrakte eine SchlĂŒsselrolle als Heilmittel. Auch heute noch sind in vielen zugelassenen Arzneimitteln pflanzliche Stoffe enthalten. Eine zentrale Bedeutung haben Heilpflanzen in der Volksmedizin, insbesondere in der Form von KrĂ€utertees (siehe auch Liste der Heilpflanzen).
Die klassische Form der Energiegewinnung aus Pflanzen ist das Verbrennen. Feuer war wohl eine der ganz frĂŒhen Errungenschaften des Menschen. Wichtigstes Brennmaterial ist Holz. Auch die bergmĂ€nnisch gewonnene Kohle ist ein pflanzlicher Brennstoff. Eine zunehmende Bedeutung gewinnen die aus Pflanzen gewonnenen Kraftstoffe, zum Beispiel Biodiesel.
Zierpflanzen werden aus Ă€sthetischen GrĂŒnden angepflanzt. Die meisten Zimmerpflanzen gehören in diese Kategorie. Beliebte Familien sind Bromelien und Orchideen. Sehr hĂ€ufig werden aromatische Pflanzen auch ihres Duftes wegen angepflanzt, wie es bei duftenden Blumen â insbesondere den Rosen â der Fall ist.
Die ĂŒberwiegende Zahl der Landpflanzen und der Algen trĂ€gt durch ihre FĂ€higkeit zur Photosynthese entscheidend dazu bei, das durch andere biologische und technische Prozesse gebildete Kohlendioxid aus der Luft abzubauen und damit dem Treibhauseffekt entgegenzuwirken. Eine sehr wichtige Rolle spielen dabei die WĂ€lder, insbesondere die tropischen RegenwĂ€lder. Die neuerdings festgestellten Emissionen des Treibhausgases Methan durch die Pflanzen vermag die positiven Auswirkungen nicht wesentlich zu schmĂ€lern.
Im Ackerbau verfolgt man in der Regel das Ziel, einen möglichst hohen Ertrag der angebauten Kulturpflanze zu erzielen. So genanntes Unkraut wird aus wirtschaftlicher Sicht als störend angesehen, weil es den Ertrag mindert und die Ernte und Verarbeitung der Nutzpflanzen erschwert. Seit je wird daher ein groĂer Aufwand fĂŒr die EindĂ€mmung des Unkrauts betrieben, frĂŒher durch eine mechanische Bearbeitung, heute zusĂ€tzlich durch den intensiven Einsatz von Herbiziden. [Bearbeiten] Literatur
[Bearbeiten] Einzelnachweise
[Bearbeiten] Weblinks
Commons: Pflanzen â Bilder, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Pflanze â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen und Grammatik
Wikiquote: Pflanzen â Zitate
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