Náchod

Náchod
Wappen von Náchod
Náchod (Tschechien)
DEC
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Královéhradecký kraj
Bezirk: Náchod
Fläche: 3332 ha
Geographische Lage: 50° 25′ N, 16° 10′ OKoordinaten: 50° 25′ 1″ N, 16° 9′ 47″ O
Höhe: 346 m n.m.
Einwohner: 21.559 (2. Oktober 2006)
Postleitzahl: 547 01
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 10
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Oldřich Čtvrtečka
Adresse: Masarykovo náměstí 40
547 61 Náchod
Website: www.mestonachod.cz
Nachod – Schloss
Nachod – Schloss
Nachod – Schloss
Nachod – Schloss
Nachod - Neues Rathaus
Nachod - Neues Rathaus
Nachod - Hotel „U Beránka“ und Stadttheater
Nachod - Hotel „U Beránka“ und Stadttheater

Náchod (deutsch Nachod) ist eine Stadt im Nordosten Tschechiens. Sie gehört zur Region Hradec Králové und ist zudem Sitz des nach ihr benannten Bezirks Okres Náchod.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geographie

Nachod liegt in Ostböhmen an der Mettau in der Nähe der Grenze zu Polen. Die Stadt wird von der Europastraße 67 durchquert, an der sich im Ortsteil Běloves ein Grenzübergang ins polnische Słone, einem Ortsteil von Kudowa Zdrój, befindet.

[Bearbeiten] Geschichte der Stadt

Die Gegend von Nachod wurde erstmals in der Chronik Chronica Boemorum des Cosmas von Prag erwähnt, der sie als das „Tor zu Polen“ bezeichnete. Um das Territorium und den alten Handelsweg von Prag nach Polen zu schützen, ließ Hron von Načeratice um 1250 eine Grenzburg an einem strategisch wichtigen Platz errichten und gründete vermutlich gleichzeitig die Stadt Nachod.

Im 15. Jahrhundert erhielten die Bürger neben einer Bibliothek und dem Marktrecht auch das Recht, auf der Brücke über den Fluss Metuje Zoll und Maut zu erheben. In der Folge wurde die Stadt zu einem wichtigen Handelszentrum. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erlebte Nachod seine größte kulturelle Blüte.

Schwere Brände verwüsteten 1570 und 1663 große Teile der Stadt.

1620 kam der „Winterkönig“ Friedrich von der Pfalz, nachdem er in der Schlacht am Weißen Berge vernichtend geschlagen worden war, auf seiner Flucht durch Nachod. In die jetzige Pflasterung der Kamenice (Steinerne Gasse) wurde ein Hufeisen eingefügt, das Friedrichs Pferd auf der Flucht verloren haben soll. Im Dreißigjährigen Krieg hatten Stadt und Bevölkerung viel zu erleiden.

Im Deutschen Krieg von 1866 fand in der Nähe der Stadt am 27. Juni 1866 die Schlacht bei Nachod zwischen den Preußen und Österreichern statt, in welcher das österreichische 6. Korps des Generals Wilhelm Ramming durch das 5. preußische Korps des Generalfeldmarschalls Karl Friedrich von Steinmetz vernichtend geschlagen wurde.

Im 19. Jahrhundert erlebte die Stadt vor allem dank der sich entwickelnden Textilindustrie einen wirtschaftlichen Aufschwung, der durch die Wirtschaftskrise der 1930er Jahre und den Zweiten Weltkrieg unterbrochen wurde.

[Bearbeiten] Geschichte der Herrschaft Nachod

Die Burg- bzw. Schlossherren von Nachod waren auch Besitzer der gleichnamigen Herrschaft, deren erster Hron von Načeratice war. Dessen Enkel Ješek tauschte Nachod gegen Kostelec nad Černými Lesy mit dem böhmischen König Johann von Luxemburg, der Nachod bis etwa 1325 behielt. Nach mehreren Besitzerwechseln folgten 1415 Boček II. von Kunstadt und Podiebrad und nach dessen Tod 1416 dessen Sohn Viktorin Boček von Kunstadt und Podiebrad. Obwohl nach Viktorins Tod 1427 dessen damals sechsjähriger Sohn und spätere böhmische König Georg von Podiebrad die Besitzungen erbte, gehörte die Herrschaft Nachod aus unbekannten Gründen wiederum wechselnden Besitzern, bis sie 1456 rechtmäßig an Georg von Podiebrad kam. Noch zu dessen Lebzeiten gehörte Nachod 1458–1469 seinen Söhnen Boček und Viktorin und nach der Erbteilung von 1472–1497 Georgs ältestem Sohn Heinrich d. Ä.

1533 erwarb Johann von Pernstein die Nachoder Besitzungen und verkaufte sie 1544 an die mächtigen und reichen Smiřický von Smiřice, die die Herrschaft Nachod 1582 um die Güter von Ratibořice vergrößerten. Da die Smiřický von Smiřice auf der Seite des Winterkönigs Friedrich von der Pfalz standen, fielen ihre Besitzungen an den Kaiser, der sie 1621 an Wallenstein und 1623 an die Trčka von Leipa übertrug.

Nach der Ermordung des Adam Erdmann Graf Trčka 1634 in Eger wurde die Herrschaft Nachod neuerlich konfisziert. Als Dank für erworbene Verdienste schenkte sie Ferdinand II. dem kaiserlichen General Octavio Piccolomini, der an der Verschwörung gegen Wallenstein beteiligt war und in dessen Familie sie bis 1792 verblieb. In diesem Jahr ersteigerte Peter von Biron, Herzog von Kurland und Semgallen, die Herrschaft Nachod und erweiterte sie 1798 um die Herrschaft Chvalkovice. Von 1800–1839 gehörte die Herrschaft seiner Tochter Katharina Wilhelmine von Sagan, die das Vorbild für die Fürstin im Roman „Die Großmutter“ (Babička) von Božena Němcová war. Nach Wilhelmines Tod verkaufte ihre Schwester Pauline von Hohenzollern-Hechingen das Schloss und die Herrschaft Nachod an Octavio von Lippe-Biesterfeld, von dem es 1842 an Fürst Georg Wilhelm zu Schaumburg-Lippe überging. Nach der Ablösung der Patrimonialherrschaft verblieb das Schloss in dieser Familie bis zur Enteignung 1945. Danach wurde es verstaatlicht.

[Bearbeiten] Stadtgliederung

Die Stadt Náchod besteht aus den Ortsteilen Babí (Babe), Běloves (Bielowes), Bražec (Braschetz), Dobrošov (Dobroschau), Jizbice (Jisbitz), Lipí (Lip), Malé Poříčí (Klein Poric), Náchod (Nachod), Pavlišov (Paulisch) und Staré Město nad Metují (Altstadt an der Mettau).

[Bearbeiten] Sehenswürdigkeiten

  • Das Schloss Nachod liegt auf einer Anhöhe über dem Marktplatz.
  • Die Dekanatskirche St. Laurentius (Kostel sváteho Vavřince) wurde Anfang des 14. Jahrhunderts erbaut und 1570–1578 im Stil der Renaissance umgestaltet.
  • Die barocke Dreifaltigkeitssäule vor der Kirche stammt aus dem Jahr 1695.
  • Das barocke Rathaus wurde 1637–1659 von Carlo Lurago errichtet. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde es spätklassizistisch umgebaut.
  • Das Neue Rathaus wurde 1902–1904 im Neorenaissancestil erbaut und von Mikoláš Aleš mit Sgraffiti verziert.
  • Das Stadttheater und das Hotel Beránek wurden 1914 nach Plänen des Architekten Alois Čenský im Jugendstil errichtet.
  • Älteste Sehenswürdigkeit ist die Friedhofskirche des Hl. Johannes des Täufers im Stadtteil Staré Město. Sie stammt aus dem 13. Jahrhundert.
  • Auf der Nordseite des Schlosses führt eine Lindenalle zu einer kleinen Friedhofsanlage. Zum Gedenken der im Siebenjährigen Krieg in Nachod verstorbenen kaiserlichen Soldaten wurde 1762 ein Kreuz errichtet. Im Krieg von 1866 wurden dort die im Lazarett von Nachod gestorbenen kaiserlichen Soldaten beerdigt. Ab 1902 wurde die Anlage auch Ruhestätte für die verstorbenen Mitglieder der Familie Schaumburg-Lippe.

[Bearbeiten] Persönlichkeiten

[Bearbeiten] Literatur

  • Jan Karel Hraše: Dějiny Náchoda. Bd. I, Náchod 1895; Bd. II, Náchod 1994, ISBN 80-900041-8-0
  • Lydia Baštecká, Ivana Ebelová: Náchod. Náchod 2004, ISBN 80-7106-674-5
  • Joachim Bahlcke u. a.: Handbuch der historischen Stätten Böhmen und Mähren, Kröner-Verlag, Stuttgart 1998, ISBN 3-520-32901-8
  • Ulrike Seeger: Dekorationsentwürfe von Carlo Lurago für Schloss Náchod unter Fürst Ottavio Piccolomini. In: Zeitschrift für Kunstgeschichte, Jg. 70, Heft 1 (2007), S. 89–112.

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Náchod – Panorama
Náchod – Panorama

[Bearbeiten] Weblinks

Commons
 Commons: Náchod – Bilder, Videos und Audiodateien

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