Lustiges Taschenbuch

Das Lustige Taschenbuch (LTB) ist eine deutschsprachige Comic-Publikation, die in der Egmont Ehapa Verlag GmbH erscheint. Bei den Comics handelt es sich um Bücher mit einem Umfang von in der Regel 254 Seiten. Bis heute sind über 370 Bände (exklusive Sonderausgaben und Neuauflagen) erschienen.

Im Lustigen Taschenbuch gibt es Comics von Micky Maus und Goofy sowie den Figuren um Micky einerseits, Donald Duck und seinen Neffen Tick, Trick und Track, Dagobert Duck und dem ganzen Duck-Clan andererseits.

Inhaltsverzeichnis

Historie

Als am 1. Oktober 1967 das erste Lustige Taschenbuch „Der Kolumbusfalter und andere Abenteuer“ im deutschen Zeitschriftenhandel erschien, gab es bereits die Micky Maus, die in Heftform seit 1951 die Geschichten von Donald Duck und Co. verbreitete. In Italien gab es mit Topolino oder I Classici di Walt Disney bereits ähnliche Publikationen, in den Sonntagsbeilagen US-amerikanischer Zeitungen der 1930er bis 1950er Jahre erschienen Fortsetzungsgeschichten mit Micky Maus.

Der damalige Ehapa Verlag versuchte mit der Veröffentlichung des ersten Lustigen Taschenbuches an den italienischen Markt anzuknüpfen, wo Disney-Comics in Taschenbuchform schon lange gute Verkaufszahlen erreichten. Die Länge der Geschichten war zu dieser Zeit immer an den Umfang der Hefte gebunden, das Lustige Taschenbuch bot nun die Möglichkeit, auch längere Geschichten zu erzählen. Inhaltlich wurde sich zunächst der US-amerikanischen Comics bedient, die jedoch schon bald nicht mehr ausreichten. Es entwickelte sich eine enorme Comic-Produktion in Italien, wo zeitweilig 50 Prozent aller in Europa geschriebenen und gezeichneten Comics erstellt wurden.

Mit dem Einzug längerer Geschichten wurde an die Tradition alter Abenteuergeschichten des Cartoonisten Floyd Gottfredson angeknüpft, der dieses Genre in den 1930er Jahren geprägt hatte. Typisch für die ersten Bücher ist eine Vorgeschichte, die den längeren Erzählungen vorangestellt ist. Die Hauptgeschichten werden in diesen ersten Veröffentlichungen meist durch Zwischenepisoden miteinander verknüpft.

Inhalte

Die Comics haben Geschichten der Bewohner Entenhausens – insbesondere von Donald Duck und Micky Maus – zum Inhalt, die von den unterschiedlichsten Comiczeichnern angefertigt werden (Aufgrund des Vorbildes zumeist aus Italien, in letzter Zeit aber auch aus Skandinavien). Auffällig ist der fast völlige Verzicht auf Todesfälle, allenfalls früher zurückliegende Ereignisse dieser Art werden erwähnt. Lediglich im ersten Band („Der Kolumbusfalter“), in dem Donald eine Zeitreise unternimmt, wird der Tod von Onkel Dagobert thematisiert. Das Format der Comics ist in sogenannten Drei-Reihern verfasst – auf einer Seite befinden sich jeweils drei Strips, sofern nicht größere bzw. kleinere Bilder verwendet werden. Neben dem (etwa im Micky-Maus-Magazin oder DDSH üblichen) Vier-Reiher ist dieses Maß jenes, welches einen größeren Raum zur Geschichtenentfaltung beansprucht, wie es bei Vier-Reihern seltener vorkommt. Bei einigen Ausnahmen wurden jedoch auch Geschichten, die ursprünglich im Vier-Reihen-Format publiziert wurden, ins LTB übernommen und verändert.

Gesellschaftliche Vorlagen

Viele Geschichten in den Lustigen Taschenbüchern spielen auf Vorlagen aus Literatur, Cinematik, Musik und Geschichte an. Bereits in Band 16 persifliert „Donald in 1000 und einer Nacht“ die Sammlung morgenländischer Erzählungen Tausendundeine Nacht, in Band 117 parodiert „Die Ducks… vom Winde verweht“ die Südstaaten-Romanze Vom Winde verweht. Literarische Anspielung finden auch Tarzan („Tarzonald“ in Band 141), Die Abenteuer des Tom Sawyer („Die Abenteuer des Mick Sawyer“ in Band 153), Les Misérables („Das Geheimnis der Silberleuchter“ in Band 143), Das Foucaultsche Pendel („Das Pendel des Ekol“ in Band 166), Die Irrfahrten des Odysseus („Streit um Odysseus“ in Band 224) oder Moby Dick („Mickey auf den Spuren der Indianer“ in Band 67).

Dabei werden entweder die Romaninhalte unterhaltsam und für jüngere Leser gut zugänglich in einer Geschichte mit den bekannten Charakteren aufbereitet oder indirekt innerhalb einer erfundenen Geschichte verwertet und eingebaut. Ein Beispiel dafür ist die Geschichte „Der Herr der Klinge“ in Band 319, die als Parodie auf Tolkiens Der Herr der Ringe verstanden werden kann. Verwendet werden häufig auch Motive aus Filmen wie zum Beispiel Star Wars („Der Allmeister rettet die Welt“ in Band 164, „Kampf der Galaxien“ in Band 168 und „Die Weltraumritter“ in Band 338) und Indiana Jones (Phantomias in Band 121 und Indiana Goof in den Bänden 144, 145 und 376). Musikalisch wurden bereits Carmen („Carmen olé“) und Aida („Holde Aida“, beide in Band 88) parodiert.

Auch geschichtliche Themen werden aufgegriffen, darunter die Hugenottenkriege („Die Botschaft des Königs“ in Band 84), die Französische Revolution, die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus und die Belagerung Trojas. Das Lustige Taschenbuch greift darüber hinaus immer wieder Umweltthematiken auf wie in den Geschichten „Onkel Dagoberts schwimmende Raffinerie“ (Band 86), „Abenteuer im Regenwald“ (Band 155) und „Der Schmutzgeier schlägt zu“ (Band 164). Thematisiert wird neben Kritik am Aussterben bedrohter Tierarten („Der letzte Gulu-Gulu“ in Band 79) auch der Massentourismus („Die schwimmenden Felder“ in Band 83 oder „Die wunderbare Ferienwelt“ in Band 171).

Kritik

Unter Fans sind die neueren LTBs sehr umstritten, vor allem wird die in letzter Zeit angeblich abnehmende Qualität der Geschichten (ab ca. Band 250) stark bemängelt. Besonders die Wandlung der Comicfigur Micky Maus wird dabei kritisiert. FrĂĽher räumte man Micky den Platz eines gesamten Lustigen Taschenbuchs ein (vor allem in den LTBs mit den ein- und zweistelligen Nummern) und fĂĽllte mit ihm auch die Rahmenhandlungen. Heutzutage wird ihm meist nur noch eine Geschichte pro LTB gewidmet. Es erscheinen nur noch selten die längeren Detektivgeschichten und dafĂĽr öfter auf Â»Action« getrimmte Handlungen. Auch hat sich das Aussehen Mickys gewandelt. Trug er frĂĽher noch ein normal wirkendes Outfit (grĂĽner Hut, blaues Hemd, rote Hose) oder die typische Detektivkleidung mit Hut und Mantel, besitzt er nun nur noch die klassische rote Hose mit den zwei gelben Knöpfen, die den abenteuerlichen Charakter unterstreichen, den Micky in seinen ersten Filmen hatte. Diese Comics sind allesamt Eigenproduktionen des fĂĽr das LTB verantwortlichen Verlags Egmont Ehapa.

Mit der Wandlung Mickys treten in den heutigen Lustigen TaschenbĂĽchern einige Charaktere kaum noch auf, die es in den frĂĽheren LTB häufiger gab, so z. B. der Bösewicht Kater Karlo, der Entenhausener Polizeikommissar Hunter oder Gamma aus der vierten Dimension.

Im September 2006 beschloss Egmont, keine weiteren Eigenproduktionen von Micky-Comics in Auftrag zu geben. Davon ausgenommen sind sogenannte Crossovers, also gemeinsame Auftritte mit Donald oder anderen Mitgliedern der Familie Duck. In Zukunft ist also wieder vermehrt mit Maus-Comics aus dem italienischen Topolino zu rechnen. Ebenso werden Phantomias-Geschichten nur noch aus Italien eingekauft und ĂĽbersetzt.

In den moderneren TaschenbĂĽchern nimmt die Familie Duck einen GroĂźteil des Platzes ein, da diese in der Beliebtheit den Micky-Maus-Geschichten den Rang abgelaufen haben.

Der generelle Trend, dass das LTB mehr erwachsene Leser anzieht als das Magazin Micky Maus, besteht wohl weiterhin, allerdings werden die Geschichten der LTBs gerade nach Meinung vieler der erwachsenen Fans flacher, als es frĂĽher der Fall gewesen ist.

Konzept

Erstauflagen

Das Konzept des Lustigen Taschenbuchs wurde im Laufe der Zeit gelegentlich geändert.

  • Bis einschlieĂźlich Band 88 wurden die Geschichten eines Bandes durch eine Rahmenhandlung zusammengehalten. Die Vor- und Zwischengeschichten waren dabei oft von unterdurchschnittlicher zeichnerischer Qualität. Erst 24 Jahre später wurde beim LTB 352 wieder eine Rahmenhandlung benutzt.
  • Bis Band 106 waren die Bände nach Figuren sortiert: es waren entweder nur Duck- oder nur Maus-Geschichten enthalten. Als Ausnahme sind hier die Bände 8, 13, 66 und 97 zu erwähnen („Donald gibt nicht auf“, „Micky in Gefahr“, „Donald dreht durch“ und „Olympisches Allerlei“), wo nicht nur sowohl Maus- wie auch Duck-Geschichten enthalten sind, sondern sogar die Rahmenhandlung von Mitgliedern beider Clans bestritten wird. Die Trennung war wohl dadurch begrĂĽndet, dass die Ducks in den meisten Sprachen in einer anderen Stadt leben als Micky Maus und Goofy. „Entenhausen“ umfasst etwa im englischen Original Duckburg und Mouseton (oder italienisch Paperopoli und Topolinia), wie auch viele andere Städte, die in Filmen wie Darkwing Duck etc. verwendet wurden.
  • Bis Band 118 hatten die BĂĽcher aus KostengrĂĽnden (bis auf 2 Testausgaben in Berlin und MĂĽnchen) abwechselnd zwei Seiten in Vollfarbe und zwei Seiten in schwarz/weiĂź.
  • Seit Band 119 werden die LTBs komplett in Farbe und mit einem BuchrĂĽckenmotiv produziert, das sich jeweils ĂĽber die Bände mindestens eines Jahres erstreckt. Nach 1997 erschienene Neuauflagen der frĂĽheren Nummern haben ebenfalls ein BuchrĂĽckenmotiv.
  • Erst seit Band 143 erscheint das Lustige Taschenbuch annähernd monatlich (pro Jahr erscheinen 13 Bände); von 1967 bis Anfang 1990 wurden in unregelmäßigen Abständen neue Bände herausgebracht, gelegentlich auch mehrere gleichzeitig.

Neuauflagen

Die frühen Bände wurden im Laufe der Zeit in zwei Versionen neu aufgelegt, zum einen in einer komplett farbigen Fassung, die letzte Neuauflage wurde außerdem mit einem neuen Covermotiv sowie ebenfalls mit einem Buchrückenmotiv und komplett neuen Titeln ausgestattet. Teilweise wurden auch Textteile neu geschrieben oder Geschichten umbenannt. Für die jüngere Fangeneration hingegen kann dies durchaus ein sinnvoller Weg sein, auch an die alten, von Fans teilweise als exzellent bezeichneten LTBs heranzukommen.

Die Überarbeitung betrifft überwiegend solche Passagen, die aus heutiger Sicht als jugendgefährdend erscheinen. (Bsp.: Das „Vertrimmenwollen“ von Tick, Trick und Track durch einen wütenden Donald oder das Beschießen eines konkurrierenden Apfelverkaufsstandes mittels Artilleriegeschütz.)

Des Weiteren wurden veraltete Bezeichnungen durch neuere Begriffe ersetzt, so z. B. das Wort Mäzen durch Sponsor (obwohl diese beiden Begriffe gänzlich unterschiedliche Bedeutung haben).

Sonderausgaben

Es gibt vom LTB auch Sonderausgaben wie zum Beispiel:

  • LTB Enten-Edition – erscheint 3 mal pro Jahr, enthält nur Duck-Comics
  • LTB Spezial – enthält doppelt so viele Seiten wie ein normales LTB; sie behandeln immer ein Thema (z. B. Liebe oder Ritter)
  • LTB Weihnachtsgeschichten – bislang sind 13 Bände erschienen, die ausschlieĂźlich das Thema Weihnachten behandeln
  • LTB Mini pocket – eine Version in einem verkleinerten Format, die immer eine Person behandelt
  • LTB Extra – bisher ist nur eine Ausgabe zur FuĂźball-WM 2006 herausgegeben worden
  • LTB Exklusiv - bisher sind zwei Ausgaben (2007 und 2008) exklusiv fĂĽr Abonnenten herausgegeben worden

Optische Gestaltung

Im Laufe der Zeit wurde die Gestaltung der Lustigen Taschenbücher zunehmend aufwändiger. Bis Band 118 wurde nur jede zweite Seite farbig gedruckt und ein relativ grobkörniges Papier verwendet. Besonders gestaltete Jubiläumsbände gab es überhaupt nicht. Seit Band 119 erscheinen alle Bände komplett in Farbe und gelegentlich wurden Ausgaben mit Glanzeinband herausgegeben, zum ersten Mal beim Band 150 und seitdem mindestens bei jedem 50. Band, aber auch bei runden „Geburtstagen“ der Hauptfiguren oder des Lustigen Taschenbuchs selbst. Lange Zeit blieb der Glanzeinband die einzige Form der besonderen Gestaltung. Erst seit Nummern jenseits der 300 findet man besonders aufwändige Einbände auch bei Ausgaben, die nicht zu einem bestimmten Jubiläum erschienen sind. So sind beispielsweise die Bände 321 und 343 auf dem oberen Buchdeckel mit geprägten Reliefs versehen, die Oberseite von Band 336 ist mit glitzerndem Sand bestreut, bei Band 351 ist sie aus Anlass der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 mit in Fußballplatz-Optik gestaltetem Samtpapier beklebt, die Uhr auf dem Titel von Band 360 leuchtet im Dunkeln und LTB 372 wurde mit einem 3D-Cover ausgeliefert.

Siehe auch

Weblinks


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