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Krieg gegen die Sowjetunion 1941–1945
Der Krieg gegen die Sowjetunion 1941–1945 war ein Vernichtungskrieg des Deutschen Reiches unter dem nationalsozialistischen Regime Adolf Hitlers gegen die Sowjetunion, der am 22. Juni 1941 begann. Der Krieg endete am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation aller deutschen Teilstreitkräfte durch das Oberkommando der Wehrmacht. Im Deutschen ist dieser Teil des Zweiten Weltkrieges auch unter der Bezeichnung Russlandfeldzug 1941–1945 oder „Unternehmen Barbarossa“ bekannt. Im heutigen Russland und in der damaligen Sowjetunion ging er als Großer Vaterländischer Krieg (russisch Великая Отечественная война) in die Geschichte ein, in Anlehnung an den Vaterländischen Krieg von 1812 gegen Napoléon. Vorgeschichte
Bevor es am 1. September 1939 zum Krieg zwischen dem Deutschen Reich und Polen kam, fand ein diplomatisches Ringen der verschiedenen Nationen um mögliche Bündnispartner statt. Sowohl Großbritannien als auch Frankreich versuchten dabei schon im Mai die Sowjetunion als Verbündeten gegen Deutschland und zu einer gemeinsamen Garantieerklärung gegenüber Polen zu gewinnen. Die Ernennung von Wjatscheslaw M. Molotow zum Außenminister der Sowjetunion führte zu einer Intensivierung der diplomatischen Kontakte zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion. Nachdem der deutsche Botschafter in Moskau, Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg, seinen russischen Gesprächspartnern definitiv mitteilte, dass Deutschland bereit sei, die russischen Expansionsinteressen, die im Wesentlichen Finnland, Litauen, Estland, Lettland, Ostpolen und Teile Rumäniens (Bessarabien) betrafen, anzuerkennen, kam es zwischen den beiden Mächten zu einer Annäherung. Eine erste Etappe bestand in einem am 20. August 1939 abgeschlossenen Kreditabkommen, welches die sowjetischen Lieferungen von Lebensmitteln und Rohstoffen regelte. Im Gegenzug lieferte Deutschland Industrie- und Rüstungsgüter. Die zweite Etappe auf der deutsch-sowjetischen Konsolidierung gipfelte im „Deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt“ vom 23. August 1939. Diesem Pakt hing ein geheimes Zusatzprotokoll an, in dem die Vertragspartner die in der Geschichte Polens vierte Teilung beschlossen und die Abgrenzung gegenseitiger Interessensphären in Osteuropa regelten. Dieses Protokoll sprach Estland, Lettland, Finnland und Bessarabien dem Interessengebiet der Sowjetunion zu. Litauen wurde zuerst dem deutschen Einflussgebiet zugeordnet, jedoch wurde es kurze Zeit später gegen Teile Polens ausgetauscht. Die Aufteilung Polens entlang der Flüsse Narew, mittlere Weichsel, San war der zentrale Punkt des Abkommens. Als vorläufig letzte vertragliche Vereinbarung zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion wurde Ende September 1939 ein Grenz- und Freundschaftsvertrag abgeschlossen. Dieser Vertrag regelte den endgültigen Grenzverlauf, die so genannte Molotow-Linie, der die etwa 300 Kilometer östlich liegende Stalin-Linie als Verteidigungslinie der Sowjetunion ablösen sollte. In den folgenden Monaten realisierte die Sowjetunion eine weitreichende Expansionspolitik. Da sich Finnland dieser widersetzte, kam es zum sogenannten Winterkrieg (1939–1940), in dessen Folge die Sowjetunion einige finnische Gebiete annektierte. Am 16. Juni 1940 wurden Estland und Lettland unter dem Vorwand, die im Vorjahr geschlossenen Beistandspakte seien gefährdet, besetzt und zu Sowjetrepubliken erklärt. Mit der Besetzung Bessarabiens durch sowjetische Truppen am 28. Juni 1940 endeten die vorläufigen Expansionsbestrebungen der Sowjetunion. In der folgenden Zeit kam es zu Reibungen zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion. Die Rote Armee hatte über das geheime Zusatzprotokoll hinaus die Nordbukowina und das Gebiet von Herta besetzt. Auch schlug die Sowjetunion Bulgarien einen Beistandspakt nach baltischem Muster vor. Im Gegenzuge ließ Hitler die norwegisch/finnische Grenze befestigen, schloss mit Finnland ein Transitabkommen und entsandte sogenannte Lehrtruppen nach Rumänien. Außerdem garantierten Deutschland und Italien die rumänischen Grenzen. Ungeachtet dessen ließ Stalin eine rumänische Inselgruppe in der Donaumündung besetzten. Am 12. November 1940 besuchte Molotow auf Einladung der deutschen Regierung Berlin, um den eventuellen Beitritt der Sowjetunion zum Dreimächtepakt zu besprechen. Molotow machte den Beitritt jedoch von Zugeständnissen abhängig, so forderte die Sowjetunion Einfluss in Ungarn, Jugoslawien, Griechenland und der Türkei, sowie Konzessionen im finnischen und rumänischen Raum. Zugespitzt wurde die Lage durch eine sowjetische Note am 25. November 1940, in der die Sowjetunion forderte, dass Japan die Bergwerkskonzessionen auf Nordsachalin an die Sowjetunion abtreten solle. Trotz mehrfacher Mahnung wurde diese Note von Hitler jedoch nicht beantwortet, da sich dieser außerstande sah, das finnische Nickelgebiet und das rumänische Erdölgebiet in die Reichweite eines sowjetischen Zugriffs kommen zu lassen, oder gar die Japaner zur Aufgabe ihrer Naphtha- und Kohlengruben zu bewegen. Laut Werner Maser hielt Molotow den Pakt von 1939 für „auf eine bestimmte Etappe bezogen“ und konstatierte, dass neue Abmachungen bezüglich Litauen und der Bukowina nötig seien. Molotow habe die Bukowina als sowjetisches Einflussgebiet gefordert. Seine Haltung hätte bewiesen, dass die Sowjetunion keine Kompromisse in Aussicht stellte [2]. Ohne Zweifel hatte diese Haltung des Kremls dazu beigetragen, dass Hitler trotz der immer wieder geäußerten Ablehnung eines Zweifrontenkrieges den Entschluss fasste, die Sowjetunion bereits im Jahr 1941 anzugreifen. Der Gedanke zu einem solchen Angriff war jedoch schon länger gereift, denn bereits am 4. September 1936 hatte Hitler, in einer Denkschrift zur Rüstungspolitik, den Grundgedanken eines "unvermeidbaren" Krieges gegen Russland erstmals dem Ministerrat unter Görings Vorsitz zur Kenntnis gegeben.[3] Ein Sieg im Osten würde Deutschland auf dem Kontinent wirtschaftliche Bewegungsfreiheit verschaffen und somit gegenüber einer britischen Blockade unangreifbar machen. Entsprechend informierte der Chef des Wehrmachtführungsstabes Alfred Jodl am 29. Juli 1940 seine Mitarbeiter über den Beschluss Hitlers, „[…] zum frühestmöglichen Zeitpunkt durch einen überraschenden Überfall auf Sowjetrussland die Gefahr des Bolschewismus ein für allemal aus der Welt zu schaffen.“[4] Dem Autor Michail Meltjuchow zufolge entschloss sich Hitler allerdings erst zum Angriff, als im November 1940 die Gespräche zur Bildung einer anti-britischen Militärallianz scheiterten.[5] Bis zur Wende der 1990er Jahre in der Sowjetunion blieben die möglichen expansiven Absichten der sowjetischen Führung im Jahre 1941 äußerst unklar. Bereits in den ersten Kriegsmonaten hatten die Operationen der Roten Armee in Polen, Finnland, Bessarabien und im Baltikum die Existenz derartiger Absichten belegt. Wenig Rückhalt findet jedoch die von Hitler vertretene Präventivkriegsthese, dass das OKW einen sowjetischen Aufmarsch gegen das Deutsche Reich erkannte und diesem lediglich zuvorkommen wollte. Die Lagebeurteilung der Generalstabsabteilung „Fremde Heere Ost“ hatte noch am 13. Juni 1941 keine Hinweise für sowjetische Offensivpläne feststellen können. Dennoch stellte die Vereitelung eines postulierten sowjetischen Angriffs einen willkommenen Kriegsanlass dar, die als propagandistische Rechtfertigung diente. AusgangssituationDie Verbündeten des Deutschen ReichesFür den Krieg gegen die Sowjetunion bestand kein formelles Militärbündnis mit anderen Staaten. Trotzdem nahmen Finnland und Rumänien mit knapp 600.000 Soldaten daran teil, und nach dem 22. Juli 1941 bemühten sich auch Italien, Ungarn und die Slowakei darum, Soldaten in eigenen nationalen Verbänden an die Ostfront schicken zu dürfen. Rumänien beteiligte sich mit zwei Armeen der Armeegruppe Antonescu, Finnland schloss mit einer Armee beidseitig des Ladogasees zur Grenze auf, die Slowakei stellte eine Division, Italien ein Expeditionskorps und Kroatien entsandte nacheinander mehrere „Legionen“. Aus insgesamt acht Ländern bzw. Regionen kamen 1941 schon rund 43.000 „ausländische Freiwillige“, die den „europäischen Kreuzzug gegen den Bolschewismus“ oder die „neue rassische Ordnung“ unterstützen wollten. In Spanien und Frankreich sammelten sich größere Freiwilligenverbände, die sog. Blaue Division, kleinere kamen aus nordischen Ländern. Sie wurden entweder in die Wehrmacht integriert oder trugen die Uniformen der Waffen-SS. Vergleich der Streitkräfte1941 gab es zwischen der Wehrmacht und der Roten Armee bemerkenswerte Parallelen:
Ein wesentlicher Unterschied zwischen diesen beiden Kräften war die Kampfmoral. Während die in der Heimat gefeierten und hochmotivierten Soldaten der Wehrmacht von Sieg zu Sieg eilten und hervorragende Aufstiegschancen vorfanden, wurde die Rote Armee von der politischen Führung stets mit Misstrauen verfolgt. Offiziere mussten mit weiteren Säuberungswellen rechnen, während die einfachen Soldaten eine schlechte Versorgungslage und Repressalien durch die Politkommissare und durch die eigenen Offiziere erdulden mussten. Unter diesem Aspekt gewinnt der ungefähre zahlenmäßige Gleichstand zu Beginn des Krieges ein deutliches Übergewicht zu Gunsten der Wehrmacht. Ein weiterer wesentlicher Unterschied bestand in der technischen Ausrüstung der Streitkräfte. Die Rote Armee war in allen Bereichen der Wehrmacht zahlenmäßig weit überlegen. Während die Infanterie- und Artilleriewaffen im qualitativen Sinne als etwa gleichwertig einzustufen waren, stellten sich die deutschen Panzer den sowjetischen Modellen als klar unterlegen heraus. Es zeigte sich schon im Polen- und Frankreichfeldzug, dass die deutschen Panzermodelle Panzer I, Panzer II und auch der Panzer III eine zu geringe Panzerung sowie Feuerkraft aufwiesen. Der als schwerer Panzer ausgelegte Standardpanzer IV erfüllte auch nur annähernd die Erwartungen, die in ihn gesetzt wurden. Den sowjetischen, wirklich schweren Panzern wie dem KW-1 und KW-2, sowie dem T-34, war damit nur schwer beizukommen, auch wenn diese Modelle noch nicht massenhaft auftraten. Auch ließ die deutsche Panzerabwehr für russische Verhältnisse zu wünschen übrig. Die Standard-Panzerabwehrkanone Pak 3,7 cm des deutschen Heeres erwies sich nur im günstigsten Falle in der Lage, die Panzerung der feindlichen Panzer zu durchschlagen und wurde im Landserjargon nicht umsonst zur „Panzeranklopfkanone“ umbenannt. Die deutsche Luftwaffe konnte die zahlenmäßige Unterlegenheit durch modernere Flugzeuge und eine bessere Pilotenausbildung ausgleichen und errang in den ersten Jahren oft die Luftüberlegenheit. Dadurch konnten namentlich die Stuka wirkungsvoll in das Kampfgeschehen am Boden eingreifen und dem Heer wichtige Unterstützung zukommen lassen. Ein weiterer wichtiger Unterschied besteht in der zahlenmäßigen Stärke der Divisionen. Die Kriegsstärke einer durchschnittlichen deutschen Infanteriedivision 1941 beträgt circa 16.500 Mann, während eine sowjetische Schützendivision 1942 eine Sollstärke von 10.855 Mann hatte.
Wirtschaftliche AspekteDie deutsche Wirtschaft wurde nur langsam umfassend auf Kriegswirtschaft umgestellt. Durch die starke militärische Durchdringung der Wehrwirtschaft kam es erst ab 1941 zur Einführung von Rationalisierungsmaßnahmen durch Fritz Todt. Erst 1944 kamen diese Maßnahmen unter dem Nachfolger Todts, dem Rüstungsminister Albert Speer, voll zur Geltung. Der starke Einfluss der Militärs bewirkte eine aufwändige Handfertigung von Präzisionswaffen gegenüber billiger und technisch einfacher Massenware. Auch wurde bis 1942 in den Fabriken meist noch nicht rund um die Uhr, sondern nur in einer Schicht gearbeitet [6]. Kriegswirtschaftlich gesehen war die industrielle Entwicklung Deutschlands der Sowjetunion insofern voraus, als die Ausbeutung der Rohstoffreserven durch den hohen Grad an Industrialisierung in Deutschland zu verhältnismäßig hohen Fördermengen führte. Die Rohstoffreserven der Achsenmächte waren aber insgesamt knapp, insbesondere im Falle eines Krieges mit der Sowjetunion, der länger als sechs Monate dauern würde. Demgegenüber verfügte die Sowjetunion über wesentlich mehr Rohstoffreserven, die die Rüstungsindustrie aber aufgrund der schleppenden Industrialisierung erst gegen Kriegsende ausnutzen konnte. Durch vergleichsweise fortschrittliche Rationalisierung in der sowjetischen Rüstungsindustrie konnte die Sowjetunion aus weniger Rohstoffen quantitativ mehr Rüstungsgüter herstellen als das Deutsche Reich. Die Rationalisierungsmaßnahmen für die Massenproduktion von Rüstungsgütern in Deutschland waren 1941 erst angelaufen, so dass die Wehrmacht eine Vielzahl unterschiedlicher und wartungsaufwändiger Waffensysteme für den Fall Barbarossa einsetzte.
Durch die Motorisierung einer begrenzten Anzahl von Verbänden wurde die Wehrmacht zu weiträumigen Angriffsoperationen befähigt und die Überlegenheit in der militärischen Führungskunst zur Geltung gebracht. In Ermangelung von geeigneten Fahrzeugen hatte die Wehrmacht im Jahr 1941 650.000 Pferde im Einsatz, 1944 waren es an die 2 Millionen [8] . In der Leistungsfähigkeit seiner Kraftfahrzeugindustrie lag das Deutsche Reich im Vergleich zu anderen Industrienationen zurück, außer bei den Motorrädern. Folgerichtig waren Kradschützen-Einheiten aufgebaut worden, die den Begriff der Schnellen Truppen mitprägten, da sie die schnellste und beweglichste Waffengattung des Heeres waren. Sie wurden jedoch in den Staub-, Schlamm- und Schneewüsten der Sowjetunion verschlissen und mussten aufgelöst werden. Die Nachfolge trat bald darauf der VW-Kübelwagen an. Die Sowjetunion musste im ersten Jahr des deutschen Überfalls einen großen Verlust an Truppen und Material kompensieren. Durch die Weite des Landes hatte man die Möglichkeit, die Industrie vor den vorrückenden Feindtruppen in Sicherheit zu bringen: Ganze Fabrikanlagen wurden demontiert und östlich des Ural wieder aufgebaut um dort die dringend benötigten Rüstungsgüter zu produzieren. Die Verlegung brachte aber einen zeitweiligen Produktionseinbruch mit sich. Die Sowjetunion erhielt in dieser kritischen Phase Hilfe durch die USA, die mit dem Lend-Lease-Act den Weg für einen groß angelegten Export von Rüstungsgütern ebnete. Nach der Umsiedlung der Industrieanlagen steigerte die Sowjetunion die Kriegsproduktion in rasanter Geschwindigkeit und wuchs bis 1944. Dabei überflügelte sie in vielen Bereichen den Ausstoß der deutschen Industrie. Vor allem war der Umgang mit den Rohstoffen wesentlich ökonomischer, da die technisch simpleren Waffensysteme weniger Rohstoffe verschlangen. So konnte beispielsweise, verglichen mit der deutschen Rüstungsindustrie, aus einer wesentlich geringeren Menge Eisenerz eine gleich große Menge von Geschützen, Panzern und Flugzeugen hergestellt werden. Der Sowjetunion kam hier die seit der Revolution vorangetriebene Zentralisierung der Wirtschaft zugute. Die deutschen StreitkräfteDer Balkanfeldzug hatte den Angriffszeitpunkt für einen Überfall auf die Sowjetunion um vier Wochen verschoben. Die Wehrmacht hatte die Anzahl der Panzerdivisionen zwar fast verdoppelt, konnte aber nur circa 900 Panzer mehr aufweisen als zu Beginn des Frankreichfeldzuges. Der Angriff unter dem Decknamen Unternehmen Barbarossa fand nun erst am 22. Juni 1941 statt. Diese Verzögerung und ein im Allgemeinen als ungewöhnlich früh einsetzend bezeichneter Winter (Meteorologen wiesen allerdings später nach, dass der Winter weder ungewöhnlich früh noch ungewöhnlich kalt war) führten dazu, dass der Vormarsch nicht wie geplant ablaufen konnte und das operative Ziel, das Erreichen der Linie Archangelsk–Astrachan, nicht erreicht wurde. Obwohl auf deutscher Seite errechnet wurde, dass die Versorgung der Wehrmacht nur bis zu einer Linie ermöglicht werden könnte, die entlang Pskow, Kiew und der Krim verlief, verlangte Hitler die Eroberung Moskaus im Rahmen eines einzigen, ununterbrochenen Feldzuges. Durch die rücksichtslose Requirierung von Nahrungsmitteln und kriegswichtigem Material in den von der Wehrmacht zu erobernden Gebieten sollte das erwartete Versorgungsproblem gelöst werden. Auch wegen der menschenverachtenden Grundeinstellung gegenüber den „Untermenschen“ Russlands verhungerten von den über drei Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen letztendlich ein Großteil, oder kamen anderweitig ums Leben. Nach ursprünglicher Planung hätte der Feldzug bis zum Wintereinbruch beendet sein und nur etwa 50–60 Besatzungsdivisionen im Land bleiben sollen. Daher war nur für diese Anzahl an Divisionen Winterkleidung vorhanden. Die Wehrmacht konnte für „Unternehmen Barbarossa“ insgesamt fast 3 Millionen Mann, 3.300 Panzer und gepanzerte Fahrzeuge sowie 2.000 Flugzeuge (61 Prozent der Luftwaffe) aufbringen. Der Rest war zur Sicherung der besetzten Gebiete im Westen, Südwesten und Norden eingesetzt, sowie auf dem Kriegsschauplatz in Nordafrika gebunden. Laut dem russischen Historiker Michail Meltjuchow war die zahlenmäßige Situation am 21. Juni 1941 wie folgt: [9]:
Die sowjetischen Streitkräfte
Gedenkstätte an die Belagerung von Leningrad (St. Petersburg)
Die Rote Armee war erst 1937 einer brutalen ideologischen Säuberung unterzogen worden. Dieser staatlichen Terrorwelle fielen neben Bauern, Arbeitern und politischen Rivalen Stalins auch 45 Prozent der Offiziere der Roten Armee und deren Familien zum Opfer. Darunter war auch Marschall Tuchatschewski, der in den Jahren nach dem Bürgerkrieg und dem Krieg gegen Polen maßgeblich für Modernisierung im Sinne der Mechanisierung der Roten Armee verantwortlich war. Mit der Deutschen Reichswehr zusammen erprobten und erlernten die zukünftigen Offiziere der Roten Armee das Führen eines Angriffskrieges unter dem Masseneinsatz von Panzern und Flugzeugen. Bis 1935 wurden mindestens drei geheime Anlagen (Flugzeugerprobung, Panzerentwicklung und -Erprobung, chemische und biologische Waffen) in der Sowjetunion betrieben, der Auftrag zur Entwicklung des sowjetischen Standardpanzers T-34 und des Schlachtflugzeuges Il-2 fielen in dieses Zeit. Ohne die Früchte der deutsch-sowjetischen Zusammenarbeit und die Modernisierung Tuchatschewskis wären die sowjetischen Gegenoffensiven 1941–44 kaum vorstellbar gewesen [7]. Stalin kam eine äußere Bedrohung der Sowjetunion gelegen, da die Machtkämpfe um seine eigene Position seine ganze Aufmerksamkeit forderten. Es war gefährlich, seine Ansichten zu kritisieren, schnell fand sich ein Kritiker als Feind des Sowjetischen Staates in Folterhaft des von Berija geleiteten Geheimdienstes NKDW. Trotz der katastrophalen Anfangsphase des Krieges 1941 konnte auf sowjetischer Seite der Nachschub an Waffen und Munition in jeder Phase des Krieges sichergestellt werden. Dass dies möglich wurde, hatte im Wesentlichen zwei Gründe: Ein großer Teil der Industriebetriebe im Westen der Sowjetunion konnte rechtzeitig weiter nach Osten evakuiert und so dem Zugriff und Zerstörung der Invasoren entzogen werden. Zum anderen leisteten Großbritannien und später die USA bedeutende Unterstützung, insbesondere durch Lieferung von Ausrüstungsgegenständen, Kraftfahrzeugen, Nahrungsmitteln und Rohstoffen wie z. B. Aluminium. Im weiteren Verlauf des Krieges wurde die sowjetische Industrie in Sibirien, außerhalb der Reichweite der deutschen Luftwaffe, weiter ausgebaut und konnte die Front ausreichend beliefern. Die Entwicklung der Roten Armee von 1939 bis 1941 [10]
Siehe auch: Schematische Kriegsgliederung der Roten Armee am 22. Juni 1941 Operative PlanungenDie deutschen operativen PlanungenAm 18. Dezember 1940 erteilte Hitler als Führer und Oberster Befehlshaber der Wehrmacht durch den Wehrmachtführungsstab im Oberkommando der Wehrmacht (OKW) den Oberkommandos der drei Wehrmachtteile in der „Weisung Nr. 21“ den Auftrag, einen Angriffskrieg gegen die Sowjetunion vorzubereiten: Es seien Vorbereitungen schon jetzt in Angriff zu nehmen, um auch vor Beendigung des Krieges gegen England Sowjetrussland in einem schnellen Feldzug niederzuwerfen (Fall Barbarossa). Es gelte, die im westlichen Russland stehende Masse des russischen Heeres zu vernichten und eine Linie zu erreichen, von der aus die sowjetische Luftwaffe deutsches Gebiet nicht mehr angreifen könne. Endziel der Operation sei die Abschirmung gegen das asiatische Russland auf der allgemeinen Linie Wolga–Archangelsk, das heißt, die Besetzung der gesamten europäischen Sowjetunion. Schnelle Verbände, die keilförmig durch geschlagene Breschen weit in die Tiefe stoßen, dadurch den Feind von rückwärtigen Verbindungen abschneiden und ihn so am Ausweichen hindern sollten, waren die Hauptträger der Operationen, während den marschierenden Verbänden die taktische Aufgabe der Einkesselung zukam. Nach Erreichung eines solchen Erfolges konnten die motorisierten Kräfte erneut nach Osten vorstoßen. Das Deutsche Ostheer gliederte sich in 3 Heeresgruppen:
Auch vom besetzten Norwegen aus wurden Angriffe gegen die Sowjetunion unternommen. Sie zielten insbesondere auf Murmansk und die dortige Eisenbahnverbindung, die Murmanbahn, über die britische und US-amerikanische Hilfslieferungen nach Moskau gelangten. Mehrere Unternehmen in Richtung Murmansk (Operation Silberfuchs, Platinfuchs) und auf die Murman-Bahn (Operation Polarfuchs) blieben erfolglos. Dies lag zum einen an den extremen klimatischen Verhältnissen, der langen Polarnacht sowie dem weglosen Tundren-Gelände, zum anderen an den hier nur schwachen deutschen Kräften. Planung des VernichtungskriegesDer deutsche Angriff auf die Sowjetunion gilt als der „ungeheuerlichste Eroberungs-, Versklavungs- und Vernichtungskrieg“ (so Ernst Nolte) der Geschichte. Am 30. März 1941 proklamierte Hitler vor 250 Generälen den kommenden Krieg als „Kampf zweier Weltanschauungen gegeneinander“ und als einen „Vernichtungskampf“ und er forderte die „Vernichtung der bolschewistischen Kommissare und der kommunistischen Intelligenz“. Diese Forderung Hitlers floss in eine Reihe von Anordnungen für den bevorstehenden Kampf ein:
Historiker wie Christian Gerlach vertreten die These, dass die deutsche Wirtschaftsführung im Vorfeld des Feldzuges einen sog. „Hungerplan“ entworfen habe.[11] Nach dieser These war das Deutsche Reich auf die Nahrungsmittel der Sowjetunion angewiesen, weshalb das Wirtschaftsministerium plante, durch gezielte Unterversorgung der russischen Bevölkerung möglichst große Mengen an Getreide, Fleisch und Kartoffeln auszubeuten. Nach Gerlach fielen dieser Form des wirtschaftlichen Vernichtungskrieges ca. 9 Millionen sowjetische Zivilisten zum Opfer. Dennoch ist diese These sehr umstritten. Andere Historiker, wie Christopher R. Browning[5] und Klaus Jochen Arnold[6] gehen nicht von der Existenz eines „Hungerplans“ aus und liefern auch entsprechende Gegenbeweise. Die sowjetischen operativen PlanungenAm 29. Dezember 1940, elf Tage nach Hitlers Unterzeichnung der Weisung Nr. 21, wurde Stalin durch den Geheimdienst erstmals von den Plänen zur Durchführung von Fall Barbarossa informiert.[12]Er ging davon aus, dass die Rote Armee voraussichtlich nicht vor 1943 gegen die Wehrmacht kampfbereit sein würde. Eine aggressive Balkanpolitik und verstärkte Rüstungsanstrengungen sollten der Sowjetunion Zeit bringen. Ein am 14. April mit Japan geschlossener Nichtangriffspakt verschaffte der Sowjetunion vorerst einen freien Rücken gegen die Bedrohung von Osten. Schließlich hielt Stalin am 5. Mai 1941 im Kremlpalast vor 2000 Offizieren eine Rede, in der er verkündete: „[...] ein Krieg steht bevor!“[12]. Zu seinen Generälen zeigte Stalin sich bis zum Beginn des Angriffs unwillig, das Scheitern des Molotow-Ribbentrop-Planes als Realität zu akzeptieren. Mehrere Warnungen und Geheimdienstinformationen über einen direkt bevorstehenden deutschen Angriff wurden als bewusste Desinformation abgetan, lediglich 500.000 Reservisten wurden einberufen, um den Vertragspartner nicht zu provozieren. Der Oberbefehlshaber der Marine und Leiter des Militärbezirks Leningrad Andrei Schdanow trat wie zur Bestätigung Stalins am 21. Juni einen Urlaub in Sotschi am schwarzen Meer an. Als am 21. Juni 1941, einen Tag vor dem Angriff, sich die Informationsflut durch Überläufer und Diplomatie verdichtete, wurde lediglich befohlen, die Moskauer Luftverteidigung auf 75-prozentige Kampfbereitschaft zu erhöhen. Zum Zeitpunkt des Anlaufens von Fall Barbarossa verfolgte die Rote Armee die Doktrin der Vorwärtsverteidigung. Darin wird von einer ersten Phase der Abwehr eines Angriffs an einer Befestigungslinie ausgegangen. In der zweiten Phase sollten hinter der Hauptkampflinie offensive Kräfte gesammelt werden und zu einem Gegenangriff bis hinter die feindlichen Linien antreten. Die seit 1929 aufgebaute Stalin-Linie wurde aber nach der Besetzung Polens demontiert. Die Befestigung der vorgeschobenen Molotow-Linie war bei weitem noch nicht abgeschlossen, in 60 Prozent der fertigen Bunkeranlagen fehlte es an der notwendigsten Ausrüstung wie Bewaffnung und Kommunikationseinrichtungen. Erst am 30. Juni, lange nach dem Fall von Minsk, wurde ein Staatliches Verteidigungskomitee (GKO) zur Bewältigung der komplexen Aufgabenstellung und zur Formulierung längst fälliger Befehle (die bis dahin nur Stalin selbst erteilen konnte) gebildet. Diesem Komitee gehörten mit Nikolai Bulganin (Verteidigungsminister), Klim Woroschilow (Erster Marschall), Nikolai Wosnessenski (Vizepremier), Lasar Kaganowitsch (Chef der Eisenbahnen), Georgi Malenkow (Zentralkomiteesekretär), Anastas Mikojan (Handelsminister), Wjatscheslaw Molotow (Außenminister) und Stalin selbst nur Mitglieder des Politbüros an. Tags darauf übernahm Stalin nach Aufforderung Molotows die Führung des GKO. Erster Weltkrieg, Revolution, Bürgerkrieg, der Polnisch-Sowjetische Krieg, Interventionen ausländischer Mächte gegen den Bolschewismus und Kämpfe gegen so genannte „innere Feinde“ hatten zu einem Zustand der ständigen Wehrbereitschaft in der Sowjetunion geführt. Die starke politische Durchdringung der sowjetischen Gesellschaft, in der Regel durch gewaltsame Mittel vollzogen, ermöglichte in Folge eine rasche Mobilisierung großer Bevölkerungsteile gegen die Invasion durch das Deutsche Reich. Laut Dimitri Wolkogonow erließ Stalin am 17. November 1941 den auch als „Fackelmänner-Befehl“ bekannt gewordenen Befehl Nr. 0428, demzufolge bei den Kämpfen auf dem Boden der Sowjetunion „alle Siedlungspunkte, an denen sich deutsche Truppen befinden, auf 40-60 Kilometer ab der Hauptkampflinie in die Tiefe zu zerstören und in Brand zu setzen...“ waren. „Zur Vernichtung der Siedlungspunkte“, „zur Inbrandsetzung und Sprengung der Siedlungspunkte“, also der Dörfer, seien Luftwaffe, Artillerie und Jagdkommandos einzusetzen. Wolkogonow beschreibt, wie auf diese Weise unzählige russische Dörfer durch die eigene sowjetische Armee vernichtet wurden und andererseits Dörfer von den Deutschen in Brand gesetzt wurden, um Partisanenaktionen zu bestrafen [13]. KriegsverlaufNote der deutschen ReichsregierungAm 22. Juni 1941 gab der deutsche Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop um 6:00 Uhr der internationalen Presse die Note bekannt, die er zuvor dem sowjetischen Botschafter Wladimir Georgijewitsch Dekanosow übergeben hatte. Inhalt der Note war, dass die Sowjetregierung „entgegen allen von ihr übernommenen Verpflichtungen und im krassen Gegensatz zu ihrer feierlichen Erklärungen“ sich „gegen Deutschland gewandt“ habe und „mit ihren gesamten Streitkräften an der deutschen Grenze sprungbereit aufmarschiert“ sei. Ebenfalls um 6:00 Uhr überreichte der deutsche Botschafter Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg im Moskauer Außenministerium die deutsche Kriegserklärung. 1941Anfängliche Erfolge der Wehrmacht
Erschöpfung und 1. Rückzug aus Rostow am Don
In den frühen Morgenstunden des 22. Juni 1941 begann der Vormarsch von 153 deutschen Divisionen, aufgeteilt auf drei Heeresgruppen (Süd, Mitte und Nord) über die sowjetische Grenze. Zwei Armeen der rumänischen Streitkräfte beteiligten sich am Angriff. Den Heeresgruppen war jeweils eine Luftflotte mit ca. 2.000 Kampfflugzeugen zugeteilt. Diese führten, ermöglicht durch die Aufklärungsergebnisse des Kommandos Rowehl, einen massiven Luftschlag gegen die sowjetischen Flugplätze und vernichtete ca. 1.200 Flugzeuge am Boden. Zwei Divisionen operierten von Finnland aus, acht Divisionen waren in Norwegen stationiert, eine Division stand in Dänemark, 38 verblieben im Westen. Zwei Divisionen kämpften in Nordafrika und sieben Divisionen standen im Balkan. Dieser Streitmacht standen in den westlichen Militärbezirken 170 sowjetische Divisionen gegenüber zu deren Führung drei Fronten gebildet worden waren, die „Nordwestfront“, „Westfront“ und „Südwestfront“. In den Tagen nach dem deutschen Überfall wurden aus dem Leningrader und dem Odessaer Militärbezirk zwei weitere Fronten gebildet, die Nord- bzw. Südfront. Die erste operative Staffel, bestehend aus 53 Schützen- und 3 Kavalleriedivisionen, war zwischen 10 und 50 Kilometer von der deutsch-sowjetischen Interessengrenze entfernt stationiert. Dahinter stand eine zweite operative Staffel mit 13 Schützen-, 3 Kavallerie-, 24 Panzer- und 12 motorisierten Schützendivisionen als Reserve bereit, um Angreifer abzuwehren und Einbrüche anzuriegeln. Eine dritte Staffel mit 62 Divisionen, die als strategische Reserve vorgesehen war, formierte sich entlang der Flüsse Dwina und Dnepr 100 bis 400 Kilometer von der Grenze entfernt. Da der Aufmarsch am 22. Juni 1941 noch nicht abgeschlossen war, verfügten die sowjetischen Divisionen durchschnittlich nur über 60 bis 80 Prozent ihrer Sollstärke. Einige der mechanisierten Verbände verfügten über keine oder nur veraltete Fahrzeuge, Fernmeldemittel und anderes Spezialgerät waren nicht oder nur in geringen Stückzahlen verfügbar. Für die Rote Armee bestand seit 22. Juni 1941, 0:30 Uhr, „Alarmstufe 1“ (Volle Kriegsbereitschaft), deshalb gelang den Angreifern nicht an allen Abschnitten die taktische Überraschung. Immerhin kamen die für weitgreifende Panzerbewegungen notwendigen Flussübergänge schnell in deutsche Hand. Gleichwohl schossen die „roten Flieger“ in den ersten Angriffstagen über 300 deutsche Flugzeuge ab. Trotz teilweise erbitterter Gegenwehr der zu kurzfristig in Alarmbereitschaft versetzten Rotarmisten konnte die Wehrmacht in den ersten Wochen große Raumgewinne verzeichnen. Dabei erwies sich die Zusammenarbeit zwischen Bodentruppen und der Luftwaffe als äußerst wirkungsvoll. Die während der Luftschlacht um England wegen hoher Verluste aus dem Kampf genommenen Ju-87 und Me 110 konnten bei fehlender Jagdabwehr ihre Aufgaben erfüllen. Die zwei Panzergruppen der Heeres Gruppe Mitte schlossen ihre „Zangen“ zuerst um Bialystok und dann um Minsk. Am 9. Juli 1941 meldete das OKW 328.898 Gefangene, 3102 erbeutete Geschütze und 3332 zerstörte Panzer (so viele Kampfwagen, wie das deutsche Ostheer besaß). Zu diesem Zeitpunkt rief die sowjetische Führung den Großen Vaterländischen Krieg aus. Nach der Räumung der Kessel stießen die Verbände der Wehrmacht weiter Richtung Smolensk vor, wo die – wiederum für sie erfolgreiche – Kesselschlacht bei Smolensk geschlagen wurde. Die anderen deutschen Heeresgruppen konnten jedoch nicht derartige Erfolge vermelden. Auf den Flügeln entzog das sowjetische Oberkommando seine Truppen der Einkesselung und gab dazu Litauen, die Dünalinie, Bessarabien und die Westukraine auf. Trotzdem gelang der Heeresgruppe Nord Anfang September im Süden und Osten die Abriegelung Leningrads. Die Heeresgruppe Süd hatte bei Uman mehrere Armeen vernichtet und beherrschte dadurch den Dneper-Bogen. Die Niederlagen der Roten Armee hatten unter anderem zur Folge, dass viele ihrer Kommandeure, aber auch einfache Soldaten, wegen Feigheit, Verrat oder Unfähigkeit verhaftet und hingerichtet wurden. Darunter war auch der Oberkommandierende der sowjetischen Westfront, Armeegeneral Pawlow, der am 28. Juni 1941 durch Stalin von seinem Kommando enthoben und am 28. Juli 1941 zusammen mit anderen Offizieren in Moskau erschossen wurde. Gleichwohl änderten sich am 12. Juli 1941 auch die Ost-West-Beziehungen mit dem Abschluss eines Bündnisses zwischen Großbritannien und der Sowjetunion. Durch die Ausdehnung des Leih-Pacht-Programms der USA zu Gunsten der Sowjetunion wurde diese Wirkung noch vertieft. Entgegen einer Denkschrift des Oberkommandos des Heeres vom 18. August 1941, die einen direkten Angriff auf Moskau vorschlug, befahl Hitler am 21. August 1941 den Angriff auf die Ukraine und die Herstellung einer gemeinsamen Front mit Finnland. Diese Entscheidung wurde aufgrund wirtschaftlicher Faktoren und der zu dem Zeitpunkt gerade gewonnenen Kesselschlacht bei Uman, sowie aus politischen Überlegungen, gefällt. Zu diesem Zweck ließ Hitler von der Heeresgruppe Mitte die Panzergruppe 3 nach Norden abdrehen, wo sie bei der Isolierung Kronstadts und Leningrads mithelfen sollte, während die Panzergruppe 2 nach Süden verschoben wurde, um bei der Kesselschlacht um Kiew nochmals einen großen Erfolg (665.000 Gefangene, 2.718 Beutegeschütze) zu erringen. Blockade LeningradsHauptartikel: Leningrader Blockade Am 4. September 1941 begann die Heeresgruppe Nord, die über das Baltikum in Richtung Leningrad vordrang, mit dem Artilleriebeschuss der Stadt, am 6. September begann eine Serie von Luftangriffen. Im August 1941 hatten finnische Einheiten im Zuge des Fortsetzungskrieges die Karelische Landenge besetzt. Am 8. September wurde durch die Eroberung des Ortes Schlüsselburg am Ufer des Ladogasees jede Landverbindung zu der ehemals über 3,3 Millionen Einwohner zählenden Stadt unterbrochen. Damit begann die bis 18. Januar 1944 dauernde Belagerung Leningrads. Zur Organisation der Verteidigung der Stadt wurde General Woroschilow durch General Schukow abgelöst, der eng mit dem Leningrader Parteichef Schdanow zusammen arbeitete. Am 25. September stabilisierte sich die Front, Stalin ging davon aus, dass die Stadt nicht eingenommen, sondern belagert und ausgehungert werden sollte. Am 5. Oktober verließ Schukow per Flugzeug Leningrad, da er von Stalin zur Verteidigung Moskaus beordert wurde. Erst am 22. November 1941 konnten Lastwagen über den zugefrorenen Ladogasee, der so genannten „Straße des Lebens“, Vorräte in die Stadt bringen und Flüchtlinge evakuieren. Über eine Million Menschen starben an den Folgen des Hungers und der Kälte während der Belagerung, manche versuchten, durch Kannibalismus dem Hungertod zu entgehen. Der Komponist Schostakowitsch schrieb die Entwürfe seiner 7. Sinfonie unter dem Eindruck der Belagerung in Leningrad. Siegesgewissheit in DeutschlandAm 26. September endete die Schlacht um Kiew, die größte Kesselschlacht der Geschichte, mit einem Sieg der Wehrmacht, über 660.000 Rotarmisten gingen in deutsche Kriegsgefangenschaft. Bis dahin stellte der Feldzug für die Sowjetunion eine Niederlage von einmaligem Umfang dar: Die Truppen der sowjetischen Südwestfront mit vier Armeen sowie starke Teile von zwei weiteren Armeen waren vernichtet, und der Zusammenhang der sowjetischen Front war in einer Breite von über 400 km zerrissen. In Deutschland wuchs inzwischen die Euphorie. Nachdem Hitler nun den Angriff auf Moskau befohlen hatte, kam es zur Doppelschlacht bei Wjasma und Brjansk, auch dabei gingen über 600.000 Soldaten der Roten Armee in Gefangenschaft. Aufgrund der gewaltigen Erfolge meldet das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) schon am 10. Oktober anlässlich einer offiziellen Pressekonferenz, dass der Feldzug im Osten gewonnen sei. Die deutsche Bevölkerung glaubte, dass die Soldaten noch vor dem Winter zu Hause sein könnten. Während die Wehrmacht immer tiefer in sowjetisches Gebiet vordrang, flüchteten etwa 12 Millionen Zivilisten aus den umkämpften Gebieten ins sowjetische Hinterland. Am 10. Oktober kam es in Moskau zu einer Panik, bei der Menschenmassen versuchten, per Zug oder Auto nach Osten zu entkommen. Diese Unruhen wurden von der sowjetischen Führung brutal niedergeschlagen, wobei viele Moskauer umkamen. Doch schon im selben Monat begann es zu schneien und zu regnen. Straßen und Wege wurden aufgeweicht (Schlammzeit, Rasputitsa) und somit für Fahrzeuge schwer passierbar, die deutsche Offensive blieb somit buchstäblich im Schlamm stecken. Schlacht vor MoskauHauptartikel: Schlacht um Moskau Am 16. Oktober wurden in Moskau Politbüro, Regierungsstellen und nahezu sämtliche Diplomaten nach Kujbyschew evakuiert, eine Million Menschen verließen die bedrohte Hauptstadt. Stalin selbst beschloss, in Moskau zu bleiben, stellte über 100.000 neue Kämpfer auf und befahl 500.000 Frauen und Männer zur Schanzarbeit. Am 20. Oktober ging die die Heeresgruppe Mitte unter dem Kommando von Fedor von Bock aus der Doppelschlacht von Wjasma und Brjansk wiederum erfolgreich hervor, so dass sie den Vormarsch in Richtung Moskau fortsetzen konnte. Die Luftwaffe begann mit der Bombardierung strategischer Ziele im Raum Moskau, insbesondere der Eisenbahnanlagen mit dem Ziel die Verlagerung von Truppen und Industriebetrieben nach Osten zu unterbinden. Dem zum Trotz fand am 6. November zur Feier des Jahrestages der Oktoberrevolution in einer Moskauer U-Bahn-Station eine Volksversammlung statt, bei der Stalin an den Patriotismus der Moskauer Bevölkerung appellierte. Die Militärparade am nächsten Morgen fand in der Weise statt, dass die beteiligten Verbände vom Roten Platz direkt zur Front marschierten. Die Schlacht um Moskau blieb wegen erheblicher sowjetischer Gegenwehr stecken. Am 5. Dezember setzte unter General Schukow eine sowjetische Gegenoffensive mit frischen Einheiten aus Sibirien ein. Möglich war diese Verstärkung durch diplomatische Aktivität und auf Grund von Geheimdienstberichten, denen zufolge Japan keinen Angriff von der Mandschurei gegen sowjetisches Gebiet durchführen würde. Es war absehbar, dass die japanischen Streitkräfte fortan weitgehend auf dem pazifischen Kriegsschauplatz gebunden sein würden. Der Roten Armee wurde dadurch ermöglicht, große Teile ihrer in Fernost stehenden, für den sibirischen Winter gut gerüsteten Kräfte abzuziehen und in die Schlacht gegen das deutsche Reich zu werfen.[14] Gleichzeitig führten die tiefen Temperaturen bis –35 °C dazu, dass Gewehre und Geschütze verklemmten, Motoröl und Benzin eindickten und Wehrmachts-Soldaten die Gliedmaßen erfroren. Die sowohl bei der direkten Luft-Bodenunterstützung als auch im Transportwesen lebenswichtig gewordenen Einsätze der Deutschen Luftwaffe kamen durch die extremen winterlichen Bedingungen annähernd zum Stillstand. Dadurch waren die Erfolgsaussichten für weitgreifende Bodenoffensiven verringert. Mitte Dezember 1941 war die Gefahr der Einkesselung Moskaus gebannt. Am 16. Dezember besuchte der britische Außenminister Anthony Eden Stalin in Moskau, um den Entwurf eines britisch-sowjetischen Militärabkommens vorzubereiten. Das Scheitern bei der Schlacht um Moskau führte zu einer Entlassungswelle unter den Kommandeuren der Wehrmacht. Hitler entließ Walther von Brauchitsch und führte nun persönlich den Oberbefehl über das Heer. Die Generalfeldmarschälle Gerd von Rundstedt, Fedor von Bock und Wilhelm von Leeb wurden von ihrem Kommando ebenso abgezogen wie der Panzerwaffen-Spezialist Generaloberst Heinz Guderian (Panzergruppe 2, ab November 2. Panzerarmee) und Generaloberst Erich Hoepner (Panzergruppe 4, ab Dezember 4. Panzerarmee), der darüber hinaus degradiert wurde. Außerdem wurden beinahe zeitgleich 35 Korps-und Divisionskommandeure abgelöst.[15] Stillstand der OffensiveDie Rote Armee hatte sich neu organisiert. Die Kriegsproduktion wurde, unerreichbar für die deutsche Luftwaffe, hinter den Ural verlegt. Neue Soldaten kamen nun aus den fernen Gebieten der Sowjetunion, und der neue Panzer T-34 wurde in weitaus größeren Mengen produziert als die deutschen Panzermodelle. Während der Kämpfe vor Moskau wurde dringend benötigtes Material und Panzer im Reichsgebiet zurückgehalten. Nach Hitlers Vorstellung sollten acht schnelle Divisionen im Westen „tropeneinsatzfähig“ gemacht werden. Es bestand die Absicht, über den Kaukasus den Nahen Osten anzugreifen. Im Hochgefühl der deutschen Siege war man ursprünglich von einer „Expeditionsarmee“ im Umfang von etwa 30 motorisierten und Panzerdivisionen ausgegangen. Überdies waren die deutschen Truppen in keiner Weise für den Winter ausgestattet, da Hitler an einen schnellen Feldzug geglaubt hatte und der Meinung war, Russland könnte innerhalb weniger Monate erobert werden. Daher trugen die Soldaten viel zu dünne Sommeruniformen; im Deutschen Reich wurde eine Pelz- und Wollsammlung zugunsten der Truppe durchgeführt. Die Divisionen der Wehrmacht hatten sich im ständigen Kampf mit der Roten Armee aufgerieben. Das Material war nach wochenlangen Märschen ausgefallen oder verschlissen. An Nachschub oder Ersatz im riesigen besetzten Gebiet war nicht zu denken. In dieser Situation der Wintereinbruch und ein Gegner, der ständig neue Kämpfer in die Schlacht wirft, die ausgeruht und im Winterkrieg ausgebildet sind und kurze Wege zu ihren Versorgungsbasen haben. Wie ein Vorspiel für 1942 mit Stalingrad zeigt sich die Einnahme von Rostow am Don am 21. November 1941, der Verlust der Stadt am 29. November 1941, und dass es bis zum 24. Juli 1942 dauert, um die Stadt erneut zu nehmen. Am 16. Dezember gab Hitler den Befehl zum Halten. Er verbot gleichzeitig jegliche Rückwärtsbewegung, da er befürchtete, dass die gesamte Front auseinander fallen könnte. Indem Hitler der angeschlagenen Truppe „fanatischen Widerstand“ abverlangte und Transportverbände der Luftwaffe ungeachtet hoher Verluste zur Versorgung abgeschnittener Truppenteile einsetzte, konnte er die brüchig gewordene Front stabilisieren. Bis zum Ende des Jahres wurde die Wehrmacht dennoch weiter zurückgedrängt. Damit hatte sie die erste große Schlacht im Osten verloren und man spricht in der Forschung heute von der „Kriegswende vor Moskau“. 1942Entwicklung der sowjetischen LuftwaffeNachdem Hitler im Winter 1941 einen Haltebefehl für die Truppen an der Ostfront gegeben hatte, stabilisierte sich die Lage. In der Kesselschlacht von Demjansk wurden ungefähr 100.000 deutsche Soldaten eingekesselt, im abgeschnittenen Cholm verteidigte sich erfolgreich die kleinere Kampfgruppe des Generals Scherer. Beide Kessel wurden auf dem Luftwege mit Nachschub versorgt und konnten im April bzw. im Mai 1942 entsetzt werden. Die erfolgreiche Luftversorgung der beiden Kessel unter günstigen Bedingungen war mitbeteiligt an den Erwartungen in die Luftversorgung Stalingrads. Die Stärke der sowjetischen Luftverteidigung im Norden war mit jener bei Stalingrad jedoch nicht zu vergleichen. Im Bereich Ausrüstung, Struktur und Taktik vollzog sich in der sowjetischen Luftwaffe innerhalb weniger Monate ein deutlich bemerkbarer Wandel. Die deutsche Luftwaffe traf bei Demjansk zu Jahresbeginn auf verstreute Gruppen veralteter Jagdflugzeuge aus der Zeit des spanischen Bürgerkriegs, die in der Regel ohne Funkverbindung waren. Die sowjetische Luftwaffe verfügte zwar über kampferfahrene Piloten von den Kämpfen am Chalchin Gol und aus dem Winterkrieg gegen Finnland, diese waren aber durch starke politische Indoktrinierung oft an der Umsetzung ihrer Erfahrungen gehindert. So wurde von der sowjetischen Führung ein Vorhalteschießen aus großer Distanz gefordert, was in den Luftkämpfen des Jahres 1942 wenig erfolgversprechend war. Außerdem wurden die taktischen Einheiten im Laufe des Jahres von 30 auf 64 Flugzeuge pro Regiment erhöht. Im Jahr 1942 begann das STAWKA, aus den Luftregimentern, die bis dahin den „Fronten“ (Heeresgruppen) unterstellt waren, selbstständige Luftarmeen zu bilden, die diese Fronten unterstützen konnten, in ihrer Organisation aber unabhängig waren. Unter der Führung des 1942 zum Oberbefehlshaber der Luftstreitkräfte bestellten Generals Nowikow wurden 18 Luftarmeen gebildet, die in Größe und Struktur in etwa jeweils einer Luftflotte der Deutschen Luftwaffe entsprach. Während im April 1942 nur vereinzelt moderne Jagdflugzeuge der Typen Jakowlew Jak-1, Jak-7 oder LaGG-3 eingesetzt waren, hatten gegen Jahresende die meisten Regimenter im Raum Stalingrad auf diese Typen umgerüstet. Die Lieferungen von Bell P-39 Jagdflugzeugen aus den USA trugen ebenfalls zur Modernisierung bei. Letztendlich war es der Wandel innerhalb der sowjetischen Luftwaffe in Verbindung mit der schlichten Größe des Kessels und der Anzahl der eingekesselten Soldaten, der eine Versorgung Stalingrads aus der Luft vereitelte. Südoffensive: Der Kampf um die ÖlquellenDie Rote Armee hatte inzwischen gewaltige Kräfte aufgeboten, denen aber eine entscheidende Schwächung der Deutschen noch nicht gelang. Die Schlammzeit (Rasputitsa) im Frühjahr 1942 führte zu einer relativen Ruhe an der Front, da sämtliche motorisierten Kräfte stillstanden. Hitler und das OKW kamen nun zu der Einsicht, dass der Gegner noch lange nicht besiegt sei und man begann Pläne für das weitere Vorgehen im Osten zu entwickeln. Der Plan, eine möglichst defensive Haltung einzuschlagen, wurde bald verworfen; einzig und allein eine weitere Offensive würde die sowjetischen Kräfte weiter schwächen können. Aufgrund des langen Frontverlaufes und wegen der bisherigen hohen personellen und materiellen Verluste der Wehrmacht war an eine Großoffensive, die sich über die gesamte Front erstreckte, nicht zu denken. Während im Bereich Mitte und Nord zur Verteidigung übergegangen wurde, sollte mit allen gepanzerten und motorisierten Kräften die Sommeroffensive mit Stoßrichtung in den Kaukasus durchgeführt werden. Besonders die reichen Ölquellen in dem Gebiet standen dabei im Mittelpunkt der deutschen Offensivbemühungen. Nachdem 1941 die Krim bis auf die Halbinsel Kertsch und das Belagerungsgebiet um Sewastopol in deutscher Hand war, sollte 1942 der restliche Raum als Vorbereitung der Offensive (Fall Blau) in Richtung Kaukasus in Besitz genommen werden. Vorbedingung war die Rückeroberung der Halbinsel Kertsch. Vom 15. bis 21. Mai fanden die Kämpfe ihr Ende. Manstein meldete 168.198 Gefangene, 284 Kampfwagen zerstört und 1398 Beutegeschütze. Als Kertsch fiel, hatte die „Südwestfront“ unter Timoschenko Charkow angegriffen, um dem deutschen Hauptangriff zuvorzukommen. Diese Armeegruppe konnte jedoch eingekesselt und vernichtet werden und von Bock meldete 240.000 Gefangene, 1.247 zerstörte Panzer, 2.026 Beutegeschütze. Die Parpatsch-Stellung war durchbrochen worden und Trümmer der zerschlagenen sowjetischen Verbände retteten sich über die Straße von Kertsch auf die Taman-Halbinsel. Am 2. Juni begann die eigentliche Schlacht auf der Krim um Sewastopol, dessen Verteidiger sich erbittert wehrten, und endete am 5. Juli. Hierbei wurde erstmals Dora, das größte Geschütz aller Zeiten mit einem Kaliber von 80 cm eingesetzt. Die Krim hatte knapp neun Monate lang eine ganze Armee gebunden, auf einem zwar nicht nebensächlichen, doch isolierten Kriegsschauplatz. Propagandistisch wurden mit diesem Sieg sowie der fast gleichzeitigen Einnahme Tobruks in Nordafrika erneut große Hoffnungen in der deutschen Bevölkerung geweckt. Spaltung der Heeresgruppe SüdAm 21. Juli überschritten deutsche Kräfte den Don, wodurch die ersten Schritte für den Vormarsch auf Stalingrad eingeleitet wurden. Zwei Tage später konnte Rostow am Don erobert werden. Nach der Teilung der Heeresgruppe Süd in die Heeresgruppen A (Generalfeldmarschall List, ab November unter Generaloberst von Kleist) und B (Generaloberst Freiherr Maximilian von Weichs) begann die Heeresgruppe A am 26. Juli den konzentrischen Vormarsch in Richtung Kaukasus, während die Heeresgruppe B auf die Wegnahme Stalingrads angesetzt wurde. An den Kämpfen im Kaukasus beteiligten sich 20 von den späteren 90 Ostlegionen. Diese Aufstellungen nationaler Minderheiten unter deutschem Kommando waren Ausdruck einer seit dem Winter 1941/1942 verstärkten Bemühung, die rein militärische Kriegsführung im Osten mit einer Form politischer Kriegsführung zu verbinden, sowie aus der Notwendigkeit geboren, die hohen personellen Verluste auszugleichen. Der Masseneintritt ehemaliger Rotarmisten in die deutschen Streitkräfte bestätigte Stalins Misstrauen in die russische Wehrkraft und wird in der Geschichtsschreibung des „Großen Vaterländischen Krieges“ bis heute gerne übergangen. In der Roten Armee, welche teilweise mit brutaler Rücksichtslosigkeit gegen ihre eigenen Soldaten vorging, häuften sich Anzeichen von Disziplinlosigkeit; ganze Truppenverbände liefen zu den Deutschen über. Dazu kam eine antikommunistische Haltung in manchen Gebieten der Sowjetunion, die auf eine lange Geschichte politischer Ungehorsamkeit zurückblicken konnte. In dieser Krisensituation befahl Stalin „Rückzugsstimmung der Truppe“ bedingungslos zu unterbinden. Es entstanden die berüchtigten Sperrverbände des NKWD; unmittelbar hinter im Kampf stehenden Divisionen sollten sie im Fall eines ungeordneten Rückzugs jeden Flüchtenden erschießen, selbst wenn nur der Verdacht des befehlswidrigen Zurückweichens bestand. KaukasusInsgesamt liefen die Operationen, was den Raumgewinn im Kaukasus betrifft, innerhalb weniger Wochen ab. Am 4. August wurde Stawropol eingenommen, am 9. August Krasnodar und der Kuban überschritten. Den rumänischen Verbündeten gelang es die sowjetische Verteidigung an der Ostküste des Asowschen Meeres von Norden her aufzurollen und die Taman-Halbinsel von „rückwärts“ her zu öffnen. Maikop fiel am 9. August in deutsche Hand und die Zugänge zur Ossetischen und Georgischen Heerstraße wurden in Besitz gebracht. Auch das Elbrus-Massiv selbst wurde genommen, am 21. August wehte auf dem 5.633 Meter hohen Gipfel die Reichskriegsflagge. Im Februar 1943 wurden alle Flaggen von Sowjets entfernt. Ein am 26. August beginnender Angriff auf Tuapse wurde nach zwei Tagen angehalten, dafür wurden am 31. August und am 6. September nach schweren Kämpfen die Hafenstädte Anapa sowie Noworossijsk, wichtigster Stützpunkt der Schwarzmeerflotte, genommen. Im Hochgebirge hatten deutsche Truppen die wichtigsten Passübergänge eingenommen und vorübergehend auf breiter Front nach Süden überschritten – sie standen im abchasischen Gebirgsdorf Pßchu, 20 Kilometer vor der Küste des Schwarzen Meeres bei Gudauta. Östlich des Elbrus standen die deutschen und rumänischen Truppen in den Flussabschnitten des Baksan und des Terek bis Naurskaja. Nördlich davon verlor sich die Front an der Kuma, in der Nogajer Steppe und in der Kalmückensteppe. Am 9. September enthob Hitler Feldmarschall List seines Kommandos als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe A. Bis zum 22. November 1942 übernahm er die Führung der Heeresgruppe persönlich und beauftragte dann Generaloberst von Kleist mit dem Oberbefehl. Die Offensivbewegungen der Heeresgruppe waren ohnehin bereits zum Abschluss gekommen, als durch die Einkreisung der 6. Armee bei Stalingrad eine ernste Gefahr für die südlich des Don stehenden Truppen heraufzog. Als die sowjetischen Truppen am 27. Dezember die Stalingrader Front durchstießen, mussten die besetzten Gebiete im Kaukasus von der Heeresgruppe A aufgegeben werden. Die am 31. Dezember eingeleitete Rückzugsbewegung vollzog sich in drei Etappen, wobei der Kuban-Brückenkopf trotz ständiger Einengung bis zum 9. Oktober 1943 behauptet werden konnte. Das Ziel der Südoffensive, die Eroberung und Ausbeutung der Ölquellen, wurde nicht erreicht. StalingradHauptartikel: Schlacht von Stalingrad Am 23. August 1942 begann die deutsche Luftwaffe mit der Bombardierung von Stalingrad. Am selben Tag drangen deutsche Panzer zum ersten Mal in die Außenbezirke von Stalingrad ein. In erbitterten Einzelkämpfen in den Häusern und Straßen der Stadt kamen die Deutschen nur unter hohen Verlusten voran. Schließlich beherrschte die Wehrmacht zwar etwa 95 Prozent der Stadt, die zum Trümmerhaufen geworden war, die vollständige Eroberung misslang jedoch. Hermann Göring, der Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe, versprach in Anlehnung an die erfolgreiche Luftversorgung der Kessel von Demjansk und Cholm im Frühjahr 1942 eine Luftversorgung von 500 Tonnen pro Tag. Tatsächlich lag die Menge weit unter dem verprochenen, nur vereinzelt lag sie bei circa 110 Tonnen pro Tag. Durch ungünstiges Flugwetter und eine starke sowjetische Jagdabwehr gab es zudem hohe Verluste bei den Transport-und Bomberverbänden der deutschen Luftwaffe. Diese konnten nicht mehr kompensiert werden, da zugunsten der Versorgung Stalingrads auch das Luftwaffenausbildungsprogramm vernachlässigt wurde. Die völlig unzureichende Versorgung der eingeschlossenen 6. Armee führte zur Unbeweglichkeit und Kampfunfähigkeit der Verbände und zur völligen Entkräftung der Soldaten. Generalfeldmarschall Erich von Manstein befahl als Oberbefehlshaber der neu gebildeten Heeresgruppe Don mit Teilen der 4. Panzerarmee unter Hermann Hoth einen Entsatzangriff aus dem Raum Kotelnikowo, der bis 48 Kilometer an die Stadt heranführte. Dann zwang eine sowjetische Großoffensive gegen die 8. italienische Armee, die auf Rostow am Don zielte und damit den gesamten Südflügel der Ostfront mit Abschnürung bedrohte, zur Einstellung des Entlastungsangriffs. Ein Ausbruch der 6. Armee Richtung Südwesten (Unternehmen „Donnerschlag“) wurde von Hitler erneut untersagt. Zeitlich parallel zur Schlacht von Stalingrad fand unter dem Decknamen Operation Mars westlich von Moskau eine weitere Großoffensive gegen die deutsche Front statt. Diese sowjetische Offensive gegen die deutsche 9. Armee unter General Model misslang, die Sowjetunion hielt lange alle Aufzeichnungen darüber unter Verschluss. 1943Am 8. Januar 1943 schlug Paulus eine Aufforderung der Roten Armee zur Kapitulation aus. Am 10. Januar begann die Rote Armee mit der Operation „Ring“, bei der sieben sowjetische Armeen den Kessel in zwei Teile spalten konnten. Nach dem Verlust aller Flugplätze konnten ab Mitte Januar Versorgungsgüter nur mehr aus der Luft abgeworfen werden, wobei diese oft direkt in die Hände der Gegner fielen. Am 2. Februar ergaben sich die Reste der 6. Armee mit etwa 91.000 verbliebenen Soldaten, etwa 6.000 von ihnen überlebten die sowjetische Kriegsgefangenschaft. Über den Luftweg wurden schätzungsweise 40.000 Verwundete und Spezialisten aus dem Kessel ausgeflogen. Bis zu 170.000 deutsche Soldaten starben bei Stalingrad durch Kampfhandlungen, Erfrierungen und Folgen von Unterversorgung. Die Verluste unter der Zivilbevölkerung, sowie Angehörigen der Roten Armee beliefen sich schätzungsweise auf 1 Million Tote. Der Frontbogen von Rschew, der während der Operation Mars noch verteidigt wurde, musste im März 1943 von der 9. Armee geräumt werden (Bewegung „Büffel“). CharkowAm 29. Dezember 1942 begannen deutsche motorisierte Kaukasusverbände über Rostow am Don Richtung Westen abzufließen, während der Koordinator des sowjetischen Oberkommandos, Generaloberst Alexander Wassileswki, von Stalin die Zustimmung zu einer noch weiter nach Westen ausholenden Operation in Richtung Charkow - Isjum erhielt. Ziel war die Abschnürung der gesamten Heeresgruppe Süd. Dabei erwiesen sich die ungarischen und rumänischen Verbündeten des Deutschen Reiches als klar unterlegen gegenüber der Roten Armee. Am 9. Februar musste die Gebietshauptstadt Belgorod von der Wehrmacht geräumt werden. Am Morgen des 16. Februar musste die Stadt Charkow aufgegeben werden, um der drohenden Einkesselung zu entgehen – die spektakulärste Niederlage in den Wochen nach Stalingrad. Charkow wurde durch SS-Obergruppenführer Hausser kampflos geräumt, obwohl Hitler die Verteidigung verlangte. Am 21. Februar begann die deutsche Gegenoffensive unter dem Befehl von General Manstein mit den Kräften, die vorher über Rostow aus dem Kaukasus abgezogen wurden, sowie mit Haussers SS-Panzerkorps. Manstein verfügte über etwa 360 Panzer. Die Rote Armee hingegen verfügte über 1.800 Panzer. Bis zum 5. März wurde das Gebiet bis zum mittleren Donez in der Schlacht um Charkow zurückerobert. Es wurden erhebliche Geländegewinne erzielt, und wieder eine geschlossene Front hergestellt, wodurch der völlige Zusammenbruch der Ostfront im Frühjahr 1943 verhindert wurde. Charkow wurde am 14. März unter einigen Tausend Opfern der Zivilbevölkerung zurückerobert und in einer letzten Anstrengung vor der Schlammperiode wurde noch Belgorod wiedererobert. Laut sowjetischen Dokumenten sollen die bei der Rückeroberung Charkows eingesetzten Verbände, die SS-Panzerdivisionen „Das Reich“ und „Totenkopf“ unter den Einwohnern Erschießungen und Folterungen durchgeführt haben. Kursker BogenNach Einsetzen der Schlammperiode zeichnete sich der Frontbogen um Kursk ab, den General Manstein für eine deutsche Offensive vorschlug. Manstein nannte Mitte April als den letzten Angriffstermin. Mit jedem Tag, den man wartete, würde die Rote Armee in diesem Bereich stärker und die Erfolgsaussichten immer geringer. Hitler wollte jedoch die neuen Panzer V und VI, die aber noch keine Fronterprobung hatten, in diese Offensive einbinden und legte den Angriffstermin zuerst auf Mitte Mai, später dann endgültig auf den 5. Juli 1943 fest. Das Oberkommando der Roten Armee war durch Geheimdienstinformationen über das deutsche Vorhaben informiert und hatte ein tiefgestaffeltes, zum Teil getarntes Stellungssystem angelegt. Der Truppenaufmarsch bei Kursk führte zur stärksten Konzentration konventioneller militärischer Kräfte in der Geschichte. Auf sowjetischer Seite standen 1,3 Millionen Soldaten mit 3.300 Panzern und 2.500 Kampfflugzeugen als Verteidiger gegen 900.000 Soldaten, 2.500 Panzern und 1.800 Kampfflugzeugen der angreifenden Deutschen Wehrmacht. Die sowjetische Führung kannte den genauen Angriffszeitpunkt und belegte ihrerseits 30 Minuten vor dem deutschen Angriffsbeginn die feindlichen Bereitstellungsräume mit dichtem Artilleriesperrfeuer. Die deutsche Luftwaffe wurde effektiv an der direkten Unterstützung der Bodentruppen gehindert, während die Schlachtflugzeuge der 15. und 16. Sowjetischen Luftarmee den deutschen Panzerverbänden schwere Verluste beibrachten. Dabei trugen die Mängel der neuen komplexen Waffensysteme der deutschen Panzereinheiten zum Scheitern des Unternehmens bei. Am Höhepunkt der Schlacht am 7. Juli 1943 wurden von beiden Seiten zusammen ca. 700 Panzer und über 350 Kampfflugzeuge als zerstört beansprucht. Gemeinsam mit dem 5. Juli 1943, an dem die Deutsche Luftwaffe alleine über 362 bestätigte Abschüsse im Bereich von Kursk beanspruchte[18], stellte die Schlacht bei Kursk damit auch die verlustreichste Luftschlacht der Geschichte dar. In der darauf folgenden größten Panzerschlacht der Geschichte, der Panzerschlacht bei Kursk am 12. Juli 1943, (genauer: Prochorowka), konnte die Rote Armee zwar ihre Ziele trotz hoher Verluste nicht erreichen, doch war auch auf deutscher Seite die Abnützung so stark, dass eine Fortsetzung des Unternehmens unmöglich wurde. Diese Schlacht war der letzte Versuch der deutschen Wehrmacht, in Russland durch eine große Offensive die militärische Initiative zu erlangen. Am 13. Juli brach Hitler das Unternehmen ab, die Landung der Alliierten auf Sizilien führte zur Verlegung einiger Verbände an die Westfront. [19] Hauptartikel: Schlacht bei Kursk Nach mehreren sowjetischen Gegenoffensiven in den folgenden Monaten musste die Wehrmacht an der ganzen Front den Rückzug antreten (Unternehmen „Hagen“), Orel wurde im August geräumt und am 23. August 1943 befreite die Rote Armee Charkow. Am 7. August eröffnete die Rote Armee die Smolensker Operation und bis November 1943 war Kiew nach der Schlacht am Dnepr wieder im Besitz der Sowjetunion. Deutschland lief Gefahr, seine Verbündeten zu verlieren und in Italien errichteten die Alliierten eine zweite Front. Am 23. Dezember wurde die Dnepr-Karpaten-Operation gestartet, die bis zum 17. April 1944 dauerte. 1944Befreiung Leningrads und der KrimHauptartikel: Leningrad-Nowgoroder Operation Am 14. Januar begann der sowjetische Angriff auf den deutschen Belagerungsring um Leningrad. 900 Tage hatte die Stadt ausgeharrt und konnte nur im Winter über den zugefrorenen Ladogasee mit Nachschub versorgt werden. Die Rote Armee setzte nach: ihre Frühjahrsoffensive brachte weitere Gebietsgewinne, und die Wehrmacht musste sich weiter zurückziehen bis zum Peipus-See. Hitler befahl die Taktik der verbrannten Erde, durch die der Roten Armee keine kriegswichtigen Einrichtungen hinterlassen werden sollten. Ganze Dörfer wurden dabei dem Erdboden gleich gemacht. Vom 9. April an konzentrierten sich die sowjetischen Anstrengungen auf die Rückeroberung der Halbinsel Krim, die am 12. Mai nach der Schlacht um die Krim wieder fest in sowjetischer Hand war. Die deutschen und rumänischen Einheiten retteten sich großenteils über das Schwarze Meer. Nach einer kurzen Ruhephase während der schlammigen Frühjahrszeit griffen die Rotarmisten im Juni wieder an. Am 9. Juni begann die Offensive an der finnischen Front auf der karelischen Landenge. Ende Juni kam dieser Angriff auf Höhe der alten Grenze von 1940 zum Stehen. Die am 6. Juni 1944 erfolgte Landung der Alliierten in der Normandie (Operation Overlord) führte nun zu einer dritten Front gegen das deutsche Reich. Truppenverschiebungen führten zu einer weiteren Schwächung der Wehrmacht in der Sowjetunion. Am 10. Juni startete Rote Armee die Wyborg-Petrosawodsker Operation, in deren Folge sie Finnlands Grenzen erreichte. Operation BagrationHauptartikel: Operation Bagration Ziel des Unternehmens war die Zerschlagung der Heeresgruppe Mitte. Am 23. Juni brachen die Angreifer durch die Verteidigungsfront und kesselten große deutsche Verbände bei Witebsk und Bobruisk ein. Am 29. Juni kapitulierten diese Truppen, worauf die Heeresgruppe Mitte praktisch zusammengebrochen war und die Rote Armee bis kurz vor Warschau und an die Grenzen von Ostpreußen vorstoßen konnte. Für die sowjetische Partisanenbewegung war diese Offensive Höhe- und Endpunkt. Mindestens 10.500 Sab |