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KettenbruchEin Kettenbruch ist ein Ausdruck der Form Ein Kettenbruch heißt einfach oder regulär, wenn
[Bearbeiten] HistorieBekannt ist, dass Kettenbrüche seit altersher dazu dienen, Zahlen durch sie anzunähern. Dies geschieht etwa bei
Aus dem Bedürfnis heraus, diese großen Brüche und natürlichen Konstanten zu approximieren, beschäftigte sich zunächst Christiaan Huygens und unabhängig davon auch Leonhard Euler und Johann Heinrich Lambert mit Kettenbrüchen.[1] Beispielsweise berechnete Christiaan Huygens damit aus den Umlaufzeiten der Planeten das Übersetzungsverhältnis der Zahnräder für sein Zahnradmodell des Sonnensystems. Huygens musste für die Bewegung des Saturns das Verhältnis berechnen. Mit nur drei Kettengliedern beträgt der relative Fehler hierbei ungefähr 0,01 %: In Eulers Korrespondenz[2] treten Kettenbrüche hingegen zuerst in einem ganz und gar anderen Zusammenhang auf, nämlich in Verbindung mit der Riccatischen Differentialgleichung. Bald jedoch interessierte sich Euler für die Kettenbrüche um ihrer selbst willen, da er nebenbei bemerkte, dass rationale Zahlen Kettenbrüche haben (man kann sie durch ein Verfahren, identisch dem euklidischem Algorithmus bestimmen), dass periodische Kettenbrüche quadratische Irrationalitäten darstellen, und dass die Entwicklung irgendeiner reellen Zahl in einen Kettenbruch die besten rationalen Approximationen für diese Zahl liefert. Einige dieser Erkenntnisse hatte bereits Huygens gewonnen, dessen Arbeit war Euler aber gänzlich unbekannt.[3] Neben Euler lieferte ein Algorithmus von Lord William Brouncker eine rationale Approximation. Euler zeigte um 1759, dass die beiden Algorithmen identisch sind. Lambert hingegen benutzte Kettenbrüche in seiner Arbeit von 1766 dazu, die Irrationalität von π zu zeigen. [Bearbeiten] Definition[Bearbeiten] Begriff des KettenbruchsEin fortgesetzter Bruch der Form
heißt ein Kettenbruch[4] Die Brüche Da die beiden Formen von Kettenbrüchen ineinander überführt werden können, genügt es die zweite Art von Kettenbrüchen zu betrachten, bei denen alle Teilnenner positiv und ganzzahlig sind. Abgekürzt lässt sich der Kettenbruch dann schreiben als
[Bearbeiten] Sequenz von FunktionenKettenbrüche[5] sind ein geordnetes Paar (({an},{bn}),{fn}) mit Die sk sind Möbiustransformationen Somit ist an heißt der n-te Teilzähler und bn der n-te Teilnenner sowie fn die n-te Annäherung des Kettenbruchs. In Anlehnung an und für endliche Kettenbrüche. [Bearbeiten] Typen von Kettenbrüchen[Bearbeiten] Endliche KettenbrücheEin Kettenbruch heißt endlich, wenn er nach einer festen Zahl wobei die Entwicklung nach dem euklidischen Algorithmus geschieht. [Bearbeiten] Unendliche KettenbrücheSetzt sich die Teilbrüche eines Kettenbruchs unbegrenzt fort, so heißt der Kettenbruch unendlich. Bilden die Nenner der Teilbrüche Perioden und sind die an = 1 für alle n, so ist ein unendlicher Kettenbruch periodisch. Unendliche Kettenbrüche stellen stets irrationale Zahlen dar. [Bearbeiten] IrrationalitätSei b0 = 0 und mithin der Wert des Kettenbruchs kleiner eins. Wir betrachten hier die Irrationalität von einfachen Kettenbrüchen. Im Abschnitt Äquivalente Kettenbrüche, wird gezeigt, wie Kettenbrüche ineinander transformiert werden können, also aus einem allgemeinen ein einfacher Kettenbruch gemacht werden kann, ohne dass sich sein Wert verändert. Weiterhin sei usw. Damit ist
weswegen wiederum vk + 1 = uk. Da die Teilbrüche [Bearbeiten] Periodische KettenbrücheEin Kettenbruch wird periodisch genannt, wenn es Zahlen k,l gibt mit xλ + k = xλ für alle geschrieben wird. Ist auch l minimal gewählt, heißt die Folge [Bearbeiten] Satz von LagrangeDer Kettenbruch einer reellen Zahl x ist genau dann periodisch, wenn x eine quadratische Irrationalzahl ist. [Bearbeiten] BeispieleSei
y2 + 2y + 1 = 3, daher Analog kann gezeigt werden, dass weil allgemein Eine besondere Form periodischer unendlicher Kettenbrüche beschreibt die noblen Zahlen. [Bearbeiten] Unperiodische KettenbrücheDie unendlichen, nichtperiodischen Kettenbrüche entsprechen den transzendenten Zahlen sowie den algebraischen Zahlen, die nicht Nullstelle eines rationalen Polynoms zweiten Grades sind. Beispielsweise ist der Kettenbruch für die dritte Wurzel von 2 unendlich und nichtperiodisch:
Eine Besonderheit bietet der Kettenbruch für die Eulersche Zahl e: das hier erkennbare Muster setzt sich bis ins Unendliche fort, weist aber keine Periode auf. Der Kettenbruch zur Kreiszahl π hat eine besondere Funktion zum Beweis der Irrationalität von π und zur bestmöglichen Approximation der Kreiszahl[7][8]. In regulärer Schreibweise ist kein besonderes Muster zu erkennen und ein Bildungsgesetz für die regelmäßige Kettenbruchform von π ist unbekannt. Die angegebenen und weitere Werte erhält man algorithmisch aus der Dezimalbruchentwicklung von π. Lambert fand für die Tangensfunktion den unendlichen Kettenbruch und folgerte daraus die Irrationalität von tanz für alle rationalen Argumente fand 1656 Lord William Brouncker[10] durch Umwandlung des Wallisschen Produktes. Der Brounckersche Kettenbruch konvergiert jedoch sehr schlecht, anders als regelmäßige Kettenbrüche, welche sehr gut konvergieren. Mehr zur Konvergenzgeschwindigkeit im entsprechenden Abschnitt. [Bearbeiten] EntwicklungMan erhält die Kettenbruchentwicklung[11] einer reellen Zahl, indem man den euklidischen Algorithmus auf beliebige reelle Zahlen ausweitet. Sei bis an = xn. Man nennt dies den Kettenbruchalgorithmus und erhält daraus Offensichtlich gilt immer xn > 0 für n > 0. Der Algorithmus bricht genau dann irgendwann ab, wenn x rational ist. Aus dem Algorithmus erhält man zusätzlich, dass die Kettenbruchentwicklung von xn für gegeben ist. Man nennt xn den k-ten vollständigen Quotienten[12] des Kettenbruchs. [Bearbeiten] Pseudocode
[Bearbeiten] ImplementierungBei dieser Implementierung in Python sei angemerkt, dass Python oft Fehler in der Darstellung von Gleitkommazahlen aufgrund der Rechnerarchitektur macht. from math import floor def kettenbruch(x): a = [] while (x - floor(x) != 0): a.append(floor(x)) x = 1. / (x - floor(x)) a.append(x) return a [Bearbeiten] AuswertungBei der Auswertung eines unendlichen Kettenbruchs, kann die n-te Näherung auf zwei verschiedene Möglichkeiten berechnet werden - für einen endlichen Kettenbruch ist es möglich, den exakten Wert zu berechnen. [Bearbeiten] Aufsteigende MethodeDer Kettenbruch wird von unten her aufgelöst. für [Bearbeiten] Absteigende MethodeBeginnend mit dem ersten Teilbruch wird der Kettenbruch von Anfang an ausgewertet. Für einen endlichen Kettenbruch bilden die Näherungen fn eine Intervallschachtelung. mit [Bearbeiten] KonvergenzEin Kettenbruch heißt konvergent, wenn existiert. In diesem Fall ist f der Wert des Kettenbruchs. Ist hingegen [Bearbeiten] Äquivalente KettenbrücheZwei Kettenbrüche
Sei
Daraus folgt unmittelbar
wenn
mit [Bearbeiten] KonvergenzkriterienAus der absteigenden Auswertungsmethode folgt für dass die Näherungswerte eines Kettenbruchs abwechslungsweise kleiner und größer als der wirkliche Wert desselben sind[13]. Hieraus folgt, das der n-te Näherungswert fn des Kettenbruchs ist. [Bearbeiten] Konvergenzsatz für reguläre KettenbrücheSei bn > 0 für alle n. Dann konvergiert der Kettenbruch [Bearbeiten] Anwendungen[Bearbeiten] Rationale und irrationale ZahlenKettenbrüche werden u.a. zur Bestimmung von rationalen Näherungen von vorgegebenen reellen Zahlen verwendet. Man kann zeigen, dass die teilweise Auswertung der Kettenbruchdarstellung einer reellen Zahl einen Bruch liefert, der in dem Sinne die genaueste mögliche rationale Annäherung an die reelle Zahl ist, als man die Annäherung nur genauer machen kann, wenn man den Nenner des Bruchs größer macht. Der Fehler ist von der Größenordnung des reziproken Quadrats des Nenners Beispielsweise liefert die oben angeführte Kettenbruchdarstellung für nacheinander mit zunehmendem Nenner und zunehmender Genauigkeit für π = 3,1415926535... die Näherungswerte 3, Am Wachstum der Folge an kann man ablesen, wie gut die Zahl α=[a0;a1, ...] durch rationale Zahlen approximierbar ist, was sich etwa zur Unterscheidung von algebraische Zahlen und transzendenten Zahlen verwenden lässt: falls die Folge an schnell genug wächst, ist α eine Liouvillesche Zahl und daher transzendent. Kettenbrüche eignen sich kaum zur praktischen Rechnung, da keine schnellen Algorithmen zur Berechnung der Summe, Differenz, Produkt oder Quotient zweier Zahlen in Kettenbruchdarstellung bekannt sind, und es für die Berechnung transzendenter und algebraischer Zahlen effektivere und schneller konvergierende Verfahren gibt. Die Kettenbruchmethode, ein Faktorisierungsverfahren für ganze Zahlen n, die keine Quadratzahl sind, basiert auf der Kettenbruchzerlegung von 1834 gab Vincent[14] eine Methode an, mittels Kettenbruchentwicklungen die reellen Nullstellen eines ganzzahligen quadratfreien Polynoms zu trennen, d.h. für jede Nullstelle ein Intervall mit rationalen Endpunkten zu finden, welches keine weitere Nullstelle enthält und auf welchem das Newton-Verfahren gegen diese Nullstelle konvergiert. Eine Variante dieses Verfahrens ist der Uspensky-Algorithmus, jedoch eine moderne Umsetzung erst das Verfahren nach Collins/Akritas. [Bearbeiten] Eine Resolventen-EntwicklungIn Mathematik und Physik kommt häufig die Aufgabe vor, Funktionen folgender Form zu berechnen:
Der Operator Dabei ist z eine beliebige komplexe (nicht-reelle!) Zahl und Es ist bekannt, dass R(z) in einen Kettenbruch entwickelt werden kann,
wobei die an und bn sehr schnell und effektiv durch folgende Rekursion berechnet werden können: Es sei Man kann zeigen, dass man so, von Der angegebene Algorithmus wird als Lanczos-Verfahren bezeichnet. Es kommt also nur darauf an, dieses Verfahren numerisch genau genug durchzuführen und den Kettenbruch in geeigneter Weise ins Unendliche zu extrapolieren, das heißt die Terme ... „möglichst gut“ abzubrechen oder abzuschließen. [Bearbeiten] Literatur
[Bearbeiten] Einzelnachweise
[Bearbeiten] Weblinks
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