Färöische Sprache

Färöisch (Føroyskt)

Gesprochen in

Färöer
Sprecher 60 000 bis 100 000 (Muttersprachler)
Linguistische
Klassifikation
Offizieller Status
Amtssprache von Färöer
Sprachcodes
ISO 639-1:

fo

ISO 639-2: (B) fao (T)
SIL:

FAE

Färöisch [ˈfɛːrø.ɪʃ] (färöisch føroyskt [ˈføːɹɪst], dänisch: færøsk, daraus abgeleitet die deutsche Bezeichnung färöisch im Gegensatz zu veraltet färingisch) ist eine westskandinavische Sprache, die von mindestens 44.000 Menschen auf den politisch zu Dänemark gehörenden und weitreichende Autonomierechte besitzenden Färöern sowie weiteren Färingern im Ausland gesprochen wird.

Die Gesamtzahl der Muttersprachler auf der Welt ist unklar. Schätzungen reichen von 60.000 bis zu 100.000, wobei die erstere Zahl als realistisch einzuschätzen ist, während die höhere Zahl darauf spekuliert, welche Nachkommen von Muttersprachlern aktiv Färöisch sprechen, was schwer belegbar ist.

Färöisch ist damit eine der kleinsten unter den lebenden germanischen Sprachen (indogermanische Sprachfamilie).

Färöisch gehört gleichzeitig zu den kleineren Sprachen in Europa neben den vielen kleinen Sprachen der finno-ugrischen Sprachfamilie, den beiden sorbischen Sprachen sowie Burgenlandkroatisch, Kaschubisch, Ladinisch und Rätoromanisch mit jeweils unter 100.000 nachgewiesenen Sprechern.

Das Färöische gilt als diejenige Sprache auf der Welt, in der jährlich die meisten Bücher pro Muttersprachler erscheinen (1 Buchtitel auf etwa 325 Einwohner). Von 1822 bis 2002 kamen genau 4306 Titel auf Färöisch heraus, wobei 2000 mit 170 Titeln (darunter 66 Übersetzungen aus anderen Sprachen) das bisherige Rekordjahr ist.

Nicht zuletzt durch ihren Status als Amtssprache auf den Färöern und durch die reichhaltige färöische Literatur gilt sie heute als nicht mehr gefährdet gegenüber der Dominanz des Dänischen bis in das 20. Jahrhundert hinein.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Gegenseitige Verständlichkeit Färöisch-Isländisch-Norwegisch

Das färöische Tastaturlayout ist mit dem dänischen fast identisch, hat aber noch zusätzlich ein ð.
Das färöische Tastaturlayout ist mit dem dänischen fast identisch, hat aber noch zusätzlich ein ð.
Móðurmálið („Die Muttersprache“) von Janus Kamban 1948, ist ein Denkmal in Tórshavn für die Einführung der färöischen Schriftsprache durch V. U. Hammershaimb.
Móðurmálið („Die Muttersprache“) von Janus Kamban 1948, ist ein Denkmal in Tórshavn für die Einführung der färöischen Schriftsprache durch V. U. Hammershaimb.

Färöisch ist mit Isländisch in der Schriftsprache gegenseitig verständlich. Beide modernen Sprachformen gehen in grammatischer Hinsicht besonders eng auf das Altwestnordische zurück. Die gegenseitige Verständlichkeit der gesprochenen Sprachen Färöisch und Isländisch ist hingegen eingeschränkt. Hier ähnelt es mehr dem Norwegischen, namentlich dem Nynorsk, dem es teilweise auch mehr im Vokabular ähnelt.[1]

Allerdings spielt auch die Diglossie bei den Färingern eine wichtige Rolle, denn sie lernen Dänisch bis fast zum muttersprachlichen Niveau. Während Isländisch dem Färöischen am nächsten ist, verstehen die Färinger dennoch besser Norwegisch, da es näher am Dänischen ist, als Isländisch am Färöischen.

Durch das nordische Dialektkontinuum liegt Färöisch zwischen den Dialekten in West- und Nordnorwegen (Nynorsk) und dem Isländischen. Es wird gesagt, dass sich die Bewohner der Region um Bergen und Färinger ohne große Schwierigkeiten in ihren jeweiligen Mundarten verständigen können. Das wird damit erklärt, dass die meisten Färinger von norwegischen Wikingern aus jener Region abstammen, die vor 1000 Jahren auswanderten. Sogar die färöische Schriftsprache erscheint vielen Norwegern relativ leicht verständlich.[2]

Die alte Kolonialsprache Dänisch hingegen ist mit Färöisch weder in Schrift noch Aussprache gegenseitig verständlich, obwohl es von der gemeinsamen urnordischen Sprache abstammt. Dänen können ohne weitere Färöischkenntnisse in der Regel nur einen Teil geschriebener Texte entziffern, und von der gesprochenen Sprache nur einzelne Wörter erahnen. Färinger hingegen lernen Dänisch ab der 3. Klasse in der Schule und beherrschen es (in der Schriftsprache) oft auf muttersprachlichem Niveau. Den färöischen Akzent hört man aber meist heraus, und wird dann gøtudanskt genannt.

Obwohl Isländisch und Färöisch von allen skandinavischen Sprachen dem Altnordischen phonologisch und grammatisch am nächsten sind, müssen Isländer und Färinger gleichermaßen üben, um es zu verstehen.[3] Generell lässt sich sagen, dass sich Färöisch mehr vom Ursprung entfernt hat als Isländisch. Dies zeigt sich besonders bei der Flexion der Wörter, die einfacher ist als im Altnordischen, aber weitaus komplexer als im Dänischen.[4]

[Bearbeiten] Dialekte

Die wichtigsten Isoglossen und Hauptdialekte der Färöer. Die rot markierte Isoglosse teilt Färöisch in einen Nord- und einen Süddialekt und gilt als Hauptisoglosse. Die Hauptdialekte sind flächig eingefärbt: Blau ist der Nordinselndialekt, grün der Tórshavner Dialekt und rot der Südinselndialekt.
Die wichtigsten Isoglossen und Hauptdialekte der Färöer. Die rot markierte Isoglosse teilt Färöisch in einen Nord- und einen Süddialekt und gilt als Hauptisoglosse. Die Hauptdialekte sind flächig eingefärbt: Blau ist der Nordinselndialekt, grün der Tórshavner Dialekt und rot der Südinselndialekt.

Trotz der relativ geringen Bevölkerung und Fläche der Färöer gibt es überraschend große Dialektunterschiede (im Gegensatz zum viel weitläufigeren Island). Die wichtigste Isoglosse bildet der Skopunarfjørður als Wasserstraße zwischen Sandoy und Streymoy (durch die rote Isoglosse auf der Abb. illustriert). Er teilt das Färöische in die Hauptgruppen:

  • Norddialekt (Nordfjordsdialekt)
  • Süddialekt (Südfjordsdialekt)

Die Trennung der beiden Hauptdialekte fand im 15. Jahrhundert statt. Typische Merkmale sind:[3]

Hauptdialekte seit dem 15. Jahrhundert
Altnordisch Färöisch
  Nord Süd
ó [ɛu] [ɔu]
ei [ɔi] [ai]
æ [ɛː] -> [ɛa] [eː]


Die Dialektgruppe nordfjords zerfällt in:

Diese können auch in zwei Gruppen zusammengefasst werden: Tórshavn-Vágar und Eysturoy-Nordinseln (durch die grüne Isoglosse auf der Abb. getrennt).

Die Dialektgruppe südfjords zerfällt in:

Als „standardsprachlich“ gelten die Dialekte von Vágar oder Tórshavn. Sprecher sowohl des Nordinseln- als auch des Suðuroy-Dialekts kann man am deutlichsten davon unterscheiden. Daher erscheint es sinnvoll, von drei Hauptgruppen zu sprechen:

  1. Tórshavn-Südstreymoy-Vágar-Dialekt (grün eingefärbt auf der Karte)
  2. Nordinseln-Eysturoydialekt (blau)
  3. Südfjordsdialekt (rot)

Hierbei bilden 1. und 2. wiederum eine Gruppe, die deutlich von 3. unterschieden werden kann. Der Skopunarfjørður hat daher also eine ähnliche Bedeutung für das Färöische, wie die Benrather Linie für das Deutsche.

Bereits Jens Christian Svabo berichtete Ende des 18. Jahrhunderts in seinem Vorwort zum Dictionarium Færoense von diesen drei Hauptdialekten. Den Nordinseln-Dialekt und den Südinseln-Dialekt sah er als das „reinste“ Färöisch an, während er das Tórshavnerisch als „verdorben“ bezeichnete.[5] Die „Korrumpiertheit“ des Tórshavner Dialekts führt Svabo vermutlich auf den dortigen Einfluss der Kolonialsprache Dänisch zurück[6]

Auch wenn es bis heute keine Standardaussprache des Färöischen gibt, orientieren sich Ausspracheangaben in etwa am Dialekt von Tórshavn / Südstreymoy, welcher auch die höchste Sprecherzahl hat.

[Bearbeiten] Geschichte

Gesprochene Sprache Schriftsprache
900-1400 Altwestnordisch (norrønt) Altwestnordisch (norrønt)
1400-1600 Altfäröisch (miðaldarføroyskt) Altfäröisch (miðaldarføroyskt)
1600-1770 Spätes Altfäröisch oder Neufäröisch (føroyskt) - (Dänisch)
1770-1846 Neufäröisch (føroyskt) Neufäröische Lautschrift (Svabo)
1846-heute Neufäröisch (føroyskt) Etymologisierende Rechtschreibung (Hammershaimb)

Das heutige Färöisch ähnelt im Schriftbild dem Altnordischen, aber es gab Lautverschiebungen, und zwar so, dass wir heute zwei Hauptvarietäten (Nord und Süd) kennen.

Lautverschiebungen Altnordisch -> Färöisch[7]
9. Jahrhundert
(Altnordisch)
14. Jahrhundert
(Frühes Färöisch)
16. Jahrhundert
(Altfäröisch)
17. Jahrhundert
(Spätes Altfäröisch)
20. Jahrhundert
(Neufäröisch)
 
    Nord Süd Nord Süd Nord Süd  
    lang lang lang kurz lang kurz lang kurz lang kurz  
i /i/ /iː/ /iː/ /ɪ/ /iː/ /ɪ/ [iː] [ɪ] [iː] [ɪ] i
y /y/ /iː/ /iː/ /ɪ/ /iː/ /ɪ/ [iː] [ɪ] [iː] y
e /e/ /eː/ /eː/ /ɛ/ /e/ /ɛ/ [eː] [ɛ] [eː] [ɛ] e
ø /ø/ /øː/ /ø/ /øː/ /œ/ /øː/ /œ/ [øː] [œ] [øː] [ʏ] ø
u /u/ /uː/ /uː/ /ʊ/ /uː/ /ʊ/ [uː] [ʊ] [uː] [ʊ] u
o /o/ /oː/ /o/ /oː/ /ɔ/ /oː/ /ɔ/ [oː] [ɔ] [oː] [ɔ] o
ǫ /ɔ/ /øː/ /øː/ /œ/ /øː/ /œ/ [øː] [œ] [øː] [ʏ] ø
a /a/ /ɛː/ /ɛː/ /ɛ/ /ɛː/ /ɛ/ [ɛa] [a] [ɛa] [a] a
Langvokal -> Diphthong
í /iː/ /ʊɪ/ /ʊɪ/ /ʊɪ̯/ /ʊɪ/ /ʊɪ̯/ [ui] [ʊɪ̯] [ui] [ʊɪ̯] í
ý /yː/ /ʊɪ/ /ʊɪ/ /ʊɪ̯/ /ʊɪ/ /ʊɪ̯/ [ui] [ʊɪ̯] [ui] [ʊɪ̯] ý
æ /ɛː/ /ɛː/ /eː/ /ɛː/ /ɛ/ /eː/ /ɛ/ [ɛa] [a] [eː] [ɛ] æ
ǿ /øː/ /øː/ /øː/ /œ/ /øː/ /œ/ [øː] [œ] [øː] [ʏ] ø
ú /uː/ /ʉu/ /ʉu/ /ʉʏ/ /ʉu/ /ʉʏ̯/ [ʉu] [ʏ] [ʉu] [ʏ] ú
ó /oː/ /ɔu/ /ɛu/ /ɜ/ /ɔu/ /ɔ/ [ɛu] [ɜ] [ɔu] [ɔ] ó
ǭ und á /aː/ /aː/ /ɔː/ /ɔ/ /ɔː/ /ɔ/ [ɔa] [ɔ] [ɔa] [ɔ] á
Echte Diphthonge
au /au/ /ɛɪ/ /ɛɪ/ /ɛɪ̯/ /ɛɪ/ /ɛɪ̯/ [ɛi] [ɛ] [ɛi] [ɛ] ey
øy /øʏ/ /ɔɪ/ /ɔɪ/ /ɔɪ̯/ /ɔɪ/ /ɔɪ̯/ [ɔi] [ɔ] [ɔi] [ɔ] oy
ei /ɛi/ /aɪ/ /aɪ/ /aɪ̯/ /aɪ/ /aɪ̯/ [ɔi] [ɔ] [ai] [aɪ̯] ei


[Bearbeiten] Altwestnordisch

Der Sandavágsstein aus dem 12. Jahrhundert bezeugt: Þorkell Önondarsonr, austmaðr af Rogalandi, bygði þenna stað fyrst. („Torkil Önundarson, Ostmann aus Rogaland, bewohnte diese Stätte zuerst.“)
Der Sandavágsstein aus dem 12. Jahrhundert bezeugt: Þorkell Önondarsonr, austmaðr af Rogalandi, bygði þenna stað fyrst. („Torkil Önundarson, Ostmann aus Rogaland, bewohnte diese Stätte zuerst.“)
Der Schafsbrief von 1298 ist das älteste altnordische Dokument in der Bibliothek der Universität Lund in Schweden. Gleichzeitig ist er das älteste Dokument der Färöer. Hier treten erste färöische Abweichungen vom Altnordischen auf.
Der Schafsbrief von 1298 ist das älteste altnordische Dokument in der Bibliothek der Universität Lund in Schweden. Gleichzeitig ist er das älteste Dokument der Färöer. Hier treten erste färöische Abweichungen vom Altnordischen auf.
Der färöische Kettentanz bewahrte die zigtausenden Verse der alten färöischen Tanzballaden und durch diese mündliche Überlieferung letztlich die färöische Sprache, bis sie endlich Ende des 18. Jahrhunderts von Jens Christian Svabo aufgezeichnet wurde.
Der färöische Kettentanz bewahrte die zigtausenden Verse der alten färöischen Tanzballaden und durch diese mündliche Überlieferung letztlich die färöische Sprache, bis sie endlich Ende des 18. Jahrhunderts von Jens Christian Svabo aufgezeichnet wurde.

Das Altwestnordische (Altnorwegisch) kam im 9. Jahrhundert in der Wikingerzeit auf die Färöer. Die meisten Siedler stammten aus dem südwestlichen Norwegen. Gälische Sprachreste belegen, dass ein Teil der nordischen Einwanderer über die britischen Inseln kam.[8]

Durch die Christianisierung der Färöer um 1000 fielen die Inseln an Norwegen, was den sprachlichen Einfluss weiter verfestigte. Lautstand, Formenbau, Wortschatz und Satzbildung des Norwegischen finden sich auch im Färöischen wieder.[8]

Der älteste bekannte Runenstein, der auf den Färöern gefunden wurde, ist der Kirkjubøstein von ca. 1000. Der Sandavágsstein stammt aus dem 12. Jahrhundert, und der Fámjinsstein aus dem 16. Jahrhundert. Letzterer belegt die (teilweise) Verwendung der Runenschrift bis in die Zeit nach der Reformation.

Bis ins 13. Jahrhundert unterschied sich die westnordische Sprache auf den Färöern kaum von den Sprachformen in Island und Norwegen.

Erstes färöisches Dokument in lateinischer Schrift ist der Schafsbrief („Seyðabrævið“) von 1289. Hier zeigen sich bereits vereinzelte Abweichungen vom Norwegischen (Altnordischen), z.B. girða statt gærda („einzäunen“).

Der schwarze Tod um 1350 halbierte die färöische Bevölkerung, sodass neue Einwanderer aus Norwegen kamen und der Þ-Laut allmählich verschwand, wie er in den Húsavíkbriefen noch vorkam[9].

1380 gerieten die Färöer zusammen mit Island in die Dänisch-norwegische Personalunion und damit faktisch unter dänische Herrschaft, gleichwohl die nordatlantischen Inseln als norwegische Kolonien betrachtet wurden.

[Bearbeiten] Altfäröisch

Erst ab dem 15. Jahrhundert bildete sich eine eigenständige färöische Varietät der nordischen Sprache, das Altfäröische im Gegensatz zum Altnordisch, Isländisch oder Norwegisch.[10] Im färöischen Standardlehrbuch Mállæra 1997 wird diese Sprachstufe auch „Mittelalterfäröisch“ (miðaldarføroyskt) genannt.[11].

Linguistisch entscheidend sind hierfür die Húsavík-Briefe („Húsavíkarbrøvini“), die von 1403-05 datieren. Anhand von Schreibfehlern der altnordischen Sprache kann nachgewiesen werden, inwieweit sich die färöische Aussprache unterschied. So steht dort an einer Stelle hrentadi statt altnordisch korrekt rentaði („rentierte“), was nach Jakobsen[12] und Matras[13] ein Hinweis darauf ist, dass im Färöischen kein /h/ mehr vor dem /r/ vorkam, wodurch der verunsicherte Schreiber es vor ein Wort setzte, wo es auch im Altnordischen nicht hingehört hätte. Ein anderes Beispiel ist huast statt kvask („selbst gesagt“). Hier wäre /kv/ die etymologisch korrekte Aussprache, aber da im Färöischen /hv/ zu /kv/ wurde, konnte der Schreiber auch hier nicht mehr unterscheiden.[10]

Beispiel mit dem Schreibfehler „hrentadi“. Auffallend ist die große Ähnlichkeit des altnordischen/altfäröischen Textes mit der heutigen Grammatik:

Altfäröisch: en so mykid j Hiatlande ad segs skillingar ok xl hrentadi leigan a huerium tolf manadum ...
Neufäröisch: og so mikið í Hetlandi, at seks og fjøruti skillingar rentaði leigan á hvørjum tólf mánaðum ...
Übersetzung: „und so viel in Shetland, dass für den Kredit alle zwölf Monate sechsundvierzig Schillinge Zinsen anfielen ...“

[Bearbeiten] Älteres Neufäröisch

Die Reformation auf den Färöern 1538 bewirkte, dass Dänisch alleinige Schriftsprache wurde und sich endgültig durchsetzte.[14] Ab ca. 1600 spricht man von der neufäröischen Sprache[14], die sich in drei Hauptdialekte auffächert. Die Periode bis 1750 wird auch als älteres Neufäröisch bezeichnet.[15]

Das Färöische teilte nach der Reformation ein ähnliches Schicksal wie das Norwegische: Dänisch als Kirchensprache, Rechtssprache und Unterrichtssprache, dänische Lehrbücher und dänische Unterhaltungsliteratur. Die Isländer hingegen wachten über ihre alte Sprache und entwickelten sie in dieser Zeit weiter auf Grundlage des Altnordischen (bis heute). Das Isländische bestand als Literatursprache weiter fort und konnte das ganze Volk unter einer Standardsprache einen, während sich Färöisch und Norwegisch in viele Dialekte aufspalteten.[1]

Eine färöische Schriftsprache gab es ab der Reformation nicht mehr. Es konnte aber – anders als in Norwegen – in den alten Balladen und der überall gesprochenen Alltagssprache überleben. Bis Ende des 18. Jahrhunderts liegen nur sporadische Schriftzeugnisse vor. Zum Beispiel existiert ein Dokument von 1532, das eine Sammlung norwegischer Gesetzestexte beinhaltet und Jógvan Heinason (1541-1602) gehörte.[1]

Die meisten Dokumente bezüglich der Färöer wurden nach der Reformation auf Dänisch geschrieben, aber dort finden sich auch einzelne färöische Wörter, insbesondere Orts- und Personennamen. Die wichtigsten Quellen hierfür sind die jarðabøkur (Grundbücher seit 1584 erhalten) und tingbøkur (Gerichtsprotokolle seit 1615 erhalten). Hier lässt sich z.B. nachweisen, dass der Ð-Laut nicht mehr ausgesprochen wurde.[16]


Im ersten Buch über die Färöer, Færoæ & Færoa Reserata schreibt Lucas Debes 1673:

„Ihre Sprache ist die Norwegische; anitzo aber sprechen sie meistentheils Dänisch. Sie haben aber gleichwohl viele alte Norwegische Worte behalten, und man findet einen großen Unterschied ihrer Aussprache, zwischen denen so auf den nordlichen Inseln, und denen so auf den südlichen Inseln wohnen.“

Lucas Debes: Færoæ & Færoa Reserata 1673 (Natürliche und Politische Historie der Inseln Färöe, 1757)[17]

Mit anderen Worten empfand man zu Debes' Zeiten die färöische Landessprache oft noch als eine Art Norwegisch. Hammershaimb weist in seiner Færøsk Anthologi 1891 nach, dass Debes eine Festrede zitiert[18], in der, trotz dänischem Duktus, altnordische Wendungen erkennbar sind.[1] Debes verwendet auch andernorts in seiner Reisebeschreibung typisch färöische Begriffe.

In den alten Tanzballaden haben zum Teil veraltete Wörter und Flexionen überlebt, aber es ist meist unmöglich, sie zeitlich zu bestimmen.[19] Diese Wörter und Formen sind im heutigen Føroysk orðabók erfasst und entsprechend gekennzeichnet, was die Verständlichkeit des alten Balladenstoffs erleichtert.

Die ersten schriftlichen Fragmente färöischer Balladen finden sich 1639 beim dänischen Altertumsforscher Ole Worm.[20]

[Bearbeiten] Phonetische Verschriftlichung des Neufäröischen

[Bearbeiten] Svabo

Der erste Pionier des geschriebenen Färöisch war der Gelehrte Jens Christian Svabo (1746-1824)[21]. Im Rahmen seiner Indberetninger fra en Reise i Færø 1781–82 sammelte er alte färöische Balladen und schrieb sie als erster nieder. Allerdings gelangten sie erst lange nach seinem Tode zum Druck. Svabos Orthographie orientierte sich am Dialekt von Vágar[22], versuchte aber bereits eine Standardisierung. Sein Dictionarium Færoense (um 1773) ist das erste färöische Wörterbuch. Es existiert in sieben bekannten Manuskripten und wurde 1966 herausgebracht. Es ist ein Wörterbuch Färöisch-Dänisch-Latein. Svabo schrieb das Wörterbuch in der Annahme, dass Färöisch aussterben wird aber noch für die Nachwelt dokumentiert werden soll.

Ein Beispiel für Svabos lautnahe und bemerkenswert konsistente Orthographie:

Svabo IPA-Lautschrift Modernes Färöisch Übersetzung
Aarla vear um Morgunin
Seulin roär uj Fjødl
Tajr seuü ajn so miklan Mann
rujä eav Garsiä Hødl.
ɔaɹla vɛaɹ ʊm mɔɹgunɪn
sɔulɪn ɹoːaɹ ʊi fjœdl
taiɹ sɔuː ain so mɪklan manː
ɹʊija ɛav garsia hœdl
Árla var um morgunin
sólin roðar í fjøll
teir sóu ein so miklan mann
ríða av Garsia høll
Es war früh am Morgen
die Sonne rötete die Berge
sie sahen einen großen Mann
von Garsias Palast reiten.

Svabos Schreibweise des Vágar-Dialekts Ende des 18. Jahrhunderts zeigt, dass das Färöische sich seitdem kaum in der Aussprache geändert hat. Dass er /ó/ als /eu/ schreibt, widerspiegelt die dialektale Aussprache nördlich der Linie Suðuroy-Tórshavn (violette Isoglosse auf der Karte oben) als [œu] anstelle von [ɔu].[21]

[Bearbeiten] Schrøters Sigurdlieder

Das erste gedruckte Buch auf Färöisch trägt den dänischen Titel Færøiske Qvæder om Sigurd Fofnersbane og hans Æt und wurde 1822 vom dänischen Pfarrer Hans Christian Lyngbye (1782-1837) verfasst, dokumentierte die Sigurdlieder, die von seinem färöischen Kollegen Johan Henrik Schrøter (1771-1851) gesammelt wurden.

Ein Beispiel von Schrøters Orthographie in dem Buch von 1822, die sehr der von Svabo ähnelt. Auch hier ist die Schreibweise viel näher an der tatsächlichen (Standard-)Aussprache als die heutige Orthographie:

Schrøter IPA-Lautschrift Modernes Färöisch Übersetzung
Brinild situr uj gjiltan Stouli,
Teâ hit veâna Vujv,
Drevur hoon Sjúra eâv Nordlondun
Uj Hildarhaj tiil sujn.
bɹiːn(h)ɪld siːtʊɹ ʊi ʤɪltʊn stɔulɪ
tɛa hɪtː vɛana vʊiv
dɹevʊɹ hoːn ʃʉuɹa ɛav noːɹlɔndʊn
ʊi hɪldaɹhai tiːl sʊin
Brynhild situr í gyltum stóli,
tað hitt væna vív,
dregur hon Sjúrða av Norðlondum
í Hildarheið til sín.
Brunhild sitzt auf einem güldnen Stuhl,
das schöne Weib
zieht Sigurd aus dem Nordland an
zu sich nach Hildes Heide.

[Bearbeiten] Jóannes í Krókis Sandoyarbók

Ein anderer Pionier jener Jahre war Jóannes í Króki (Johannes Clemensen oder Klemensen, 1794-1869), der in der bekannten Sandoyarbók (1821–1831) ebenfalls färöische Balladen sammelte. Es ist mit 93 färöischen Balladen das umfangreichste Werk seiner Art, das je von einem Einzelnen zusammen getragen wurde. Seine Schreibweise widerspiegelte den Dialekt von Sandoy. Auch seine Orthographie zeigt bemerkenswerte Ähnlichkeiten mit der heutigen Aussprache. Allerdings ist es keine Lautschrift im Sinne der Svaboschen Orthographie.[23] [22]

Jóannes í Króki IPA-Lautschrift Modernes Färöisch Übersetzung
Gjevi liou u lujie aa
meni e man kvøa
Bondin fist uj hajmi bigdi
har um viil e røa.
ʤeːvɪ ljɔu ɔ lʊijɪ ɔa
meːnɪ eː man kvøːa
bœndɪn fɪst ʊi haimɪ bɪgdɪ
haɹ ʊm viːl eː ɹøːa
Gevið ljóð og lýðið á
meðni eg man kvøða:
Bóndin fyrst í heimi bygdi
har um vil eg røða.
Seid ruhig und hört zu
während ich erzähle
Der Bauer erst zuhause wohnte
darüber will ich reden.

[Bearbeiten] Schrøters Matthäusevangelium

Johan Henrik Schrøter besorgte auch die erste Übersetzung des Matthäusevangeliums (Evangelium Sankta Matthæussa aa Førisk o Dansk 1823) aus dem Dänischen.

Obwohl das Buch in jeden der rund 1200 färöischen Haushalt gelangte, konnte es sich aber in der Kirche nicht durchsetzen, wo weiterhin Dänisch gepredigt wurde. Es herrschte damals die mehrheitliche Auffassung im Volk, dass das Wort Gottes und die dänische Sprache zusammen gehören. Außerdem kamen Beschwerden über bestimmte Wortformen. Søren Sørensen, ein Pfarrer von den Nordinseln, fügte in einem Schreiben an die dänische Bibelgesellschaft sogar die Übersetzung einer kurzen Passage in den Nordinseln-Dialekt hinzu, um dies zu illustrieren.[24]

Schrøter schrieb das Matthäusevangelium im Dialekt von Suðuroy[22]. Im Wesentlichen verwendete Schrøter hierbei die gleiche Orthographie wie bei den Sigurdliedern zuvor. Allerdings schwächte er die Konsonanten /p,t,k/ nach langen Vokalen zu /b,d,g/ ab, wie es für den Südinselndialekt typisch ist, zum Beispiel leiba statt leypa („laufen“), foudur statt fótur („Fuß“) und ruigje [ɹʊiʤɪ] statt ríki [ɹʊiʧɪ] („Reich).[24]

[Bearbeiten] Schrøters Färingersaga

Die Zusammenstellung der Färingersaga (Færeyínga saga eller Færøboernes Historie) aus altisländischen Quellen durch den dänischen Altertumsforscher Carl Christian Rafn (1795-1864) war ein weiterer Meilenstein. Bei der Herausgabe 1833[25] wurde eine färöische Übersetzung mitgeliefert, die auch von Schrøter stammte, diesmal aber im Dialekt von Südstreymoy verfasst war[22]. Hierbei bekam Schrøter Hilfe von seinen Landsleuten Jákup Nolsøe (1775-1869) und Jens Davidson (1803-1878), die Schüler von Svabo waren[24]. Nolsøe war übrigens der erste Färinger, der eine am altnordischen ausgerichtete etymologische Schreibweise bevorzugte. Er schrieb 1829 auch die erste färöische Grammatik, die aber nie herauskam.

In der Färingersaga machte sich der Einfluss des dänischen Philologen Rasmus Rask (1787-1832) bemerkbar, der Schrøter zu einer verbesserten Orthographie bewegen konnte. Offenbar war Rask von Rafn als Berater heran gezogen worden, vermutlich um die Kritik zu vermeiden, die Schrøters Matthäusevangelium zuvor erntete, und um eine gewisse Standardisierung des Färöischen zu erreichen.[24]

Bereinigt von einigen Inkonsistenzen sieht die Tabelle der verwendeten Vokalzeichen in den ersten neufäröischen Schriften wie folgt aus:

Heute IPA Svabo Schrøter I í Króki Schrøter/Rask
a, æ [ɛaː] ea eâ, ea ea, aa, a ä
á [ɔa] aa aa, aaa aa, a å
e [] ee, e ee, e e e, è
i, y [] ii, i ii ii, iij i, ì
í, ý [ʊi] uj uj uj uj
o [] oo, o oo, o oo o, ò
ó [ɔu] eu ou ou ow
u [] u u u u
ú [ʉu] û û, u uu, u ú
ø [øː] øø, ø ö ø ø
ei [ai] aj aj, ai aj, ai aj
ey [ɛi] ej ej, ei ej, ei ej
oy [ɔi] oj oj, oi, öj oj, oi oj

[Bearbeiten] Standardisierung der neufäröischen Orthographie

[Bearbeiten] N. M. Petersens etymologisierender Ansatz

Der dänische Skandinavist Niels Matthias Petersen (1791-1862) polemisierte 1845 gegen die phonetische Orthographie in dem Artikel Det færøske Sprog, der in Færdrelandet erschien. Er argumentierte, dass bisher nicht die Rede von einer färöischen Schriftsprache sein kann, da alles bisher veröffentlichte Material immer nur einen bestimmten Dialekt wiedergab. Eine Schriftsprache müsse aber „die dialektale Harmonie sein, basierend auf der simplen, edlen und ursprünglichen Form der Sprache“. Gleichzeitig betrachtete er die bisherigen Orthographieversuche als hässlich, besonders was die Schreibung der Vokale betrifft. Zudem fehlten ihm Konsonanten als „Stützpfeiler“ der Sprache. Als Beispiel nannte er aus Schröters Färingersaga: E haldi tä råvuliast, was für ihn aus Sicht der Skandinavistik keinen Sinn habe, sondern eg haldi täd råduligast geschrieben werden müsse, damit der Leser überhaupt die Wörter erkennt.[26] Die heutige Schreibweise ist ähnlich: eg haldi tað ráðuligast („ich halte das für am ratsamsten“) und wird [eː haldɪ tɛa rɔavʊlijast] ausgesprochen, also etwa so, wie Schrøter schrieb.

Dabei war Petersens Ansatz ähnlich wie der von Svabo, nämlich „vor dem Untergang retten, was vom Altfäröischen noch gerettet werden kann, und es der Welt in einer Form geben, die entgegenkommend und verständlich ist“. Aber seine Methode unterschied sich, denn Petersen interessierte sich nicht für das gesprochene Färöisch, das nur für Linguisten von Interesse wäre. Petersens Kritik erwies sich als wegweisend für die weitere Entwicklung, die ihm am Herzen lag: „Mit anderen Worten: Es muss eine färöische Schriftsprache geschaffen werden!“[27]

Petersen haben wir die Forderung zu verdanken, dass Färöisch sich an der isländischen Schriftsprache orientieren soll und für alle lesbar sein soll, die Isländisch oder Altnordisch verstehen. Auch wenn das bedeutete, dass die Färinger dann erst lernen müssten, ihre eigene Sprache zu lesen, so sei die Situation in Dänemark nicht anders, wo man auch von keinem gesprochenen Dialekt ohne weiteres auf die Schriftsprache schließen kann.[27]

Eigentlich wollten V. U. Hammershaimb (1819-1909) und Svend Grundtvig (1824-1883) eine Replik schreiben, und Schrøter tat es auch in der Berlingske Tidende, aber da der norwegische Historiker Peter Andreas Munch (1810-1863, Onkel von Edvard Munch) Petersens Argumentation in einem Artikel über eine künftige norwegische Schriftsprache zustimmte, verzichteten Hammershaimb und Grundtvig darauf.[27]

Im Sommer 1845 schickte der dänische Gouverneur auf den Färöern, Christian Pløyen (1803-1867), die vom Lehrer Ole Jespersen gesammelten Zaubersprüche an C.C. Rafn. Sie waren nach Svabos Orthographie verfasst. Neben dem färöischen Originaltext lieferte er eine dänische Übersetzung mit, bei der ihm wohl Schrøter und Jens Davidsen halfen. Rafn hielt diese Schreibweise aber für nicht geeignet, um sie zu veröffentlichen und beauftragte den isländischen Philologen und Nationalisten Jón Sigurðsson (1811-1879) mit einer Überarbeitung, einer „Isländifizierung“. Das Ergebnis schickte er an N. M. Petersen mit der Bitte um Kommentare. Als Rafn die Kommentare von Petersen vorliegen hatte, wurde das Ganze an Hammershaimb geschickt, denn Petersen meinte, die letzte Entscheidung müsse ein Färinger treffen.

[Bearbeiten] Hammershaimbs Standardschreibung

V. U. Hammershaimb (1819-1909) verfolgte das morphophonemische Konzept bei der Schöpfung der neufäröischen Schriftsprache, das in seiner Version von 1891 nahezu unverändert gültig ist.
V. U. Hammershaimb (1819-1909) verfolgte das morphophonemische Konzept bei der Schöpfung der neufäröischen Schriftsprache, das in seiner Version von 1891 nahezu unverändert gültig ist.
Hammershaimbs junger Kollege Jakob Jakobsen (1864-1918) wollte eine phonetische Orthographie, ließ sich dann auf einen Vermittlungsvorschlag (Broyting-Wechsel) der „Färingergesellschaft“ ein, der aber nicht allgemein umgesetzt wurde.
Hammershaimbs junger Kollege Jakob Jakobsen (1864-1918) wollte eine phonetische Orthographie, ließ sich dann auf einen Vermittlungsvorschlag (Broyting-Wechsel) der „Färingergesellschaft“ ein, der aber nicht allgemein umgesetzt wurde.
Band 2 der Færøsk Anthologi von 1891 enthält ein Glossar über 10.000 Stichwörter Färöisch-Dänisch mit Ausspracheangaben, die von Jakob Jakobsen (1864-1918) besorgt wurden. Die aktuelle unveränderte Ausgabe stammt von 1991 und ist als färöisches Aussprachewörterbuch nach wie vor einzigartig.
Band 2 der Færøsk Anthologi von 1891 enthält ein Glossar über 10.000 Stichwörter Färöisch-Dänisch mit Ausspracheangaben, die von Jakob Jakobsen (1864-1918) besorgt wurden. Die aktuelle unveränderte Ausgabe stammt von 1991 und ist als färöisches Aussprachewörterbuch nach wie vor einzigartig.

V. U. Hammershaimb (1819-1909) gilt als der eigentliche Vater der modernen färöischen Schriftsprache. Zunächst war er, wie schon Svabo und Schrøter, ein Anhänger einer lautnahen Schreibung. Erst durch Petersens und Sigurðssons Einfluss kam es hier zum Umdenken.

1844 schrieb er einen Artikel in der dänischen Zeitung Københavnsposten, wo er einen Regierungsvorschlag über das Schulwesen auf den Färöern kritisierte, in dem Färöisch als „Dialekt“ bezeichnet wurde. Hammershaimb berief sich auf die alten Balladen und Schrøters Übersetzung der Färingersaga als Beleg dafür, dass Färöisch eine Einzelsprache ist, die „Merkmale des Altnordischen bewahrt hat“.[26]

1845 sprang ihm Svend Grundtvig (1824-1883) mit der Streitschrift Dansken paa Færøerne, et Sidestykke til Tysken i Slesvig[28] zur Seite. Er argumentierte, dass das Verhältnis zwischen Färöisch und Dänisch mit demjenigen zwischen Dänisch und Deutsch im Herzogtum Schleswig vergleichbar sei, wo die Dänen damals für das Recht auf ihre Sprache kämpften. Gundtvig forderte die Regierung auf, deshalb Färöisch als Nationalsprache anzuerkennen und entsprechend an den Schulen, in der Kirche usw. einzuführen.[26]

1846 erschienen Hammershaimbs ersten Volksmärchen in Rafns wissenschaftlicher Zeitschrift Annaler for nordisk Oldkyndighed zusammen mit den o.g. Zaubersprüchen und einigen Kommentaren zur Aussprache.

Das ursprüngliche Manuskript von 1845 hierzu war noch an der letzten Version der Schrøterschen Orthographie orientiert[29]:

Hammershaimb 1845 Modernes Färöisch Übersetzung
Sjódrejil hèvur fólkaskäpilsi, stendur å skjèrun ettir sólasèting og bìjur útirórabåtnanar lòva sär vi; fiskar väl, men vegrast burtur tåi sól rùvar y hävi, tekur til at minka jú meiri lyjur ymoti dèji; ty sìist: "minkar sum sjódrèjil". Sjódregil hevur fólkaskapilsi, stendur á skerum eftir sólarseting og biður útiróðrarbátarnar lova sær við; fiskar væl, men veðrast burtur tá ið sól roðar í havi, tekur til at minka jú meiri liður ímóti degi; tí sigist: "minkar sum sjódregil". Der Sjódregil hat Menschengestalt, steht auf den Schären nach Sonnenuntergang, und bittet die Fischerboote mitkommen zu dürfen; fischt gut, aber verschwindet allmählich, wenn die Sonne über dem Meer aufgeht, wird immer kleiner, je mehr es Tag wird; daher wird gesagt: "Schrumpfen wie ein Sjódregil".

Übereinstimmungen sind zum Beispiel:

  • das lange /e/ ist ein „è“
  • das lange /o/ ein „ò“
  • das lange /a/ ein „ä“
  • das alte /á/ ist ein „å“
  • die Dativendung wird „-un“ geschrieben

Neuerungen sind jedoch:

  • das altnordische /ó/ wird wieder „ó“ geschrieben statt „ou“ oder „ow“
  • das altnordische /í/ wird nunmehr durch „y“ repräsentiert, und nicht mehr durch „uj“

Was 1846 in den Druck gelangte, sah nach dem Einfluss von Sigurðsson und Petersen dann so aus:

Hammershaimb 1846 Hammershaimb 1891[30] Übersetzung (1846)
Norðan firi bigdina Eiði í Esturoi standa framman firi landi tveir stórir drengar sum líkjast manni og konu. Um hesar drengarnar gengur sögnin í Førjun: at einusinni atlaði Ísland at flita Føroiar norður til sín, og sendi tí ein stóran risa við konu síni eftir teimun. Tey bæði komu àt tí itsta berginun àf Esturoi, sum er nevnt Eiðis kolli, og liggut longst ímóti útnorðingi. Norðan fyri bygðina á Eiði, ytst á flógvanum, sum er millum Eysturoyar og Streymoyar, standa framman fyri landi tveir stórir drangar, sum kallast Risi og Kelling, hin ytri og hon innari landinum, og har er røtt sund ímillum teirra, tá ið kyrt er. Um hesar drangarnar er sögnin, at einusinni ætlaði Ísland at flytja Føroyar norður til sín og sendi tí ein stóran risa og konu hansara at fáa tær fluttar har norður. Tey komu bæði at tí ytsta berginum, sum kallast Eiðiskollur og longst móti útnyrðingi. Nördlich des Dorfes Eiði auf Eysturoy stehen zwei große Klippen vor der Küste, die Mann und Frau ähneln. Über diese Klippen geht folgende Sage auf den Färöern: dass eines Tages Island plante, die Färöer nördlich zu sich zu bewegen, und schickte darum einen großen Riesen mit seiner Frau dorthin. Die beiden kamen zu dem äußersten Berg von Eysturoy, der Eiðiskollur genannt wird, und am weitesten nach Nordewest liegt. (zum weiteren Inhalt der Sage siehe: Risin und Kellingin)

Damit war die Grundlage für die heutige färöische Schriftsprache gelegt. Nur noch Kleinigkeiten wurden geändert:

  • 1891 kam das altnordische /y/ wieder dort zur Verwendung, wo es etymologisch hingehörte, obwohl die Aussprache mit dem färöischen /i/ identisch ist. Ebenso wird mit dem /ý/ verfahren, dass ansonsten wie /í/ gesprochen wird.
  • Auch die Dativendung „-um“ wird wieder wie im Altnordischen geschrieben, obwohl sie stets „-un“ gesprochen wird.
  • Lange und kurze Varianten von Vokalen werden grundsätzlich auf gleiche Art dargestellt: at, manni statt àt, manni; bæði, ætlaði statt bæði, atlaði; tey, Eysturoy statt tey, Esturoy.[31]

1854 erschien Hammershaimbs Færøsk sproglære (Färöische Sprachlehre) ebenfalls in dieser Zeitschrift.

Hierüber schreibt er:

„Als ich [...] aufgefordert wurde, [...] eine färöische Sprachlehre zu verfassen, fühlte ich mich in großer Verlegenheit, weil mir keiner der verwendeten Dialekte tauglich schien, als gemeinsame Schriftsprache und Kommunikationsmittel für alle Inseln verwendet zu werden. [...] Ich entschied mich für die etymologisierende Schreibweise, da sie mir die größten Vorteile für die Sprache zu bieten schien, sofern sie etwas Zukunft vor sich haben sollte: Nicht nur, dass färöische Texte damit leichter lesbar für Fremde sind und ordentlicher aussehen, sondern auch, dass die Färinger hiermit näher an die verwandten Sprachen Isländisch und Dänisch kommen, sich leichter deren Gemeinsamkeiten aneignen könnten, anstelle sich zu isolieren, indem man der oft schwierigen Aussprache in der Schriftsprache Ausdruck gibt.“

V. U. Hammershaimb: Færøsk Anthologi, 1891[22]

Als Beispiel nennt Hammershaimb den altnordischen Buchstaben ó der in den verschiedenen Dialekten als ou oder ow (Suðuroy), eu oder öv (Nordinseln), oder kurz vor zwei Konsonanten ö (im Norden vor <gv> e oder æ (siehe färöische Verschärfung)) geschrieben wurde. Er machte daraus wieder einen Buchstaben, und definierte stattdessen die besonderen Ausspracheregeln hierfür.[22] Damit wurden die altnordische Wörter im Schriftbild leichter erkennbar.

1891 wurde Hammershaimbs Sprachlehre in seiner Færøsk Anthologi vollständig überarbeitet und hat bis heute nur wenig an Gültigkeit verloren. Hammershaimbs jüngerer Kollege Jakob Jakobsen trug hierzu maßgeblich bei. Sein Verdienst bei diesem Standardwerk war nicht nur die phonetisch exakte Umschrift und Gegenüberstellung der Dialekte anhand ausführlicher Leseproben, sondern vor allem auch ein Wörterbuch Färöisch-Dänisch mit 10.000 Stichwörtern und durchgängigen Ausspracheangaben. Es bildet den zweiten Band der Anthologi. Abgesehen von der Unterscheidung zwischen den Buchstaben ø und ö und der Verwendung des x, entspricht es weitgehend der heutigen Rechtschreibung.

Jakobsen war zugleich der erste färöische Gelehrte, der neue Begriffe schuf und so das Färöische zu einer modernen Bildungssprache ausbaute. Seine reformierte lautnahe Broyting-Rechtschreibung setzte sich allerdings nicht durch, weswegen Färöisch heute noch sehr dem isländischen und altnordischen Schriftbild ähnelt. Als Beispiel sei hier der Buchstabe ð genannt, der im Färöischen stumm oder ein Gleitvokal ist und daher immer wieder zu Schreibfehlern führt.

Hammershaimbs Freund Svend Grundtvig reiste zusammen mit Jørgen Bloch auf die Färöer, um bei der Sammlung vieler alter Sprachdenkmäler zu helfen. Grundtvig und Bloch verwendeten konsequenterweise Hammershaimbs Orthographie in seiner Sammlung Føroyja kvæði. Sie schrieben auch das Wörterbuch Lexicon Færoense (1887-1888), welches zwar unveröffentlicht blieb, aber die Grundlage für alle weiteren färöischen Wörterbücher bildete. Es hat 15.000 Stichwörter und übertrug u.a. Svabos Dictionarium Færoense in die Normalrechtschreibung.[32]

Hammershaimbs Verdienst war es, die färöische Sprache in eine Schriftform gegossen zu haben, die keinen der färöischen Dialekte bevorzugt und gleichzeitig für Kenner des Altnordischen ein Höchstmaß an Lesbarkeit garantiert – allerdings auf Kosten der Nähe zur Aussprache.[33]

[Bearbeiten] Entwicklung zur Nationalsprache

Christian Matras (1900-1988) war der erste Professor für Färöisch und nicht nur ein bedeutender Sprachwissenschaftler und Lexikograph, sondern auch Dichter.
Christian Matras (1900-1988) war der erste Professor für Färöisch und nicht nur ein bedeutender Sprachwissenschaftler und Lexikograph, sondern auch Dichter.

Das Neufäröische wurde auf dem Weihnachtstreffen der Färöer 1888 von der sich bildenden Nationalbewegung als künftige Hauptsprache proklamiert. Aber erst mit der Gründung der Unabhängigkeitspartei Sjálvstýrisflokkurin 1906 trat das geschriebene Färöisch als „ernstzunehmende Konkurrentin“ des Dänischen auf[20].

Der färöische Sprachenstreit in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war ein besonders deutlicher Ausdruck des Kulturkampfs für die eigene Nationalsprache. Protagonisten waren Pädagogen wie Símun av Skarði (1872-1942), Jákup Dahl (1878-1944) und A. C. Evensen (1874-1917). Von Dahl stammt die erste Grammatik, die Føroysk Mállæra. Sein Freund A. C. Evensen konnte die Arbeit am Føroysk orðabók („Fräöisches Wörterbuch“) nicht vollenden, so dass es nur von A-F reicht.

1927-28 erschien das erste „richtige“ färöische Wörterbuch von Christian Matras (1900-1988) und M. A. Jacobsen (1891-1944). Es war das Føroysk-donsk orðabók ein färöisch-dänisches Wörterbuch, das 1961 in überarbeiteter Ausgabe erschien und mit Ergänzungsband bis heute (2007) maßgeblich ist.

Erst 1937 wurde Färöisch als Schulsprache anerkannt, 1938 als Kirchensprache, und seit der Autonomie der Färöer von 1948 ist es Hauptsprache (høvuðsmál) auf der Inselgruppe.

1961 schließlich kam die erste offizielle färöische Bibel von Jákup Dahl heraus (vorher gab es schon eine baptistische Ausgabe); das Färöische wurde aber bereits vorher von der Kanzel gepredigt.

Die Gründung der Universität der Färöer 1965 unterstrich den Anspruch, Färöisch als Wissenschaftssprache zu etablieren. Erster Professor für Färöisch war Christian Matras. Er sorgte für die Veröffentlichung der färöischen Balladen (Føroya kvæði: corpus carminum Færoensium in 7 Bänden 1941-96) als wichtigstes nationales Sprachdenkmal.

Es sollte bis 1998 dauern, bis die Färinger ihr erstes muttersprachliches Wörterbuch bekamen, das Føroysk orðabók von Jóhan Hendrik Winther Poulsen (*1934) und anderen. Poulsen prägte die heutige färöische Sprachpolitik, die sich in ihrem Purismus (Vermeidung von Fremdwörtern) am Isländischen orientiert. Dadurch ist gewährleistet, dass Färöisch auch heute noch einen relativ eigentümlich anmutenden nordischen Wortschatz aufweist. Beispielsweise wurde aus einem helikoptari eine tyrla, und ein komputari heißt inzwischen nur noch telda.

Dänisch ist offizielle Zweitsprache auf den Färöern, verliert aber im 21. Jahrhundert zunehmend an praktischer Bedeutung gegenüber dem Englischen als Geschäftssprache. Beispielsweise sind die Website und der Briefkopf der Landesregierung der Färöer nur auf Färöisch und Englisch, nicht aber auf Dänisch, während färöische Gesetzestexte immer noch ins Dänische übersetzt werden müssen.

Die meisten Hinweisschilder auf den Färöern sind heute einsprachig auf Färöisch. Dort wo Zweisprachigkeit vonnöten scheint, wird grundsätzlich Englisch verwendet. Dänische Schilder sieht man nur noch an dänischen Einrichtungen.

[Bearbeiten] Fremde Einflüsse

Genetische Untersuchungen haben ergeben, dass 80 % der männlichen Gene der Färinger skandinavischen (norwegischen) Ursprungs sind und 20 % britischer Herkunft. Bei den Frauen ist dieses Verhältnis genau umgekehrt. Zu 90 % stammen ihre Gene von den Kelten und nur zu 10 % von den Wikingern.[34] Das ist dadurch erklärbar, dass die Wikinger Keltinnen als Frauen und Sklavinnen hatten. Ob sie direkten sprachlichen Einfluss hatten, ist nicht abschließend geklärt. Aber es finden sich einige typische keltische Wörter im Färöischen, wie dunna („Ente“), drunnur („Rumpf“ bei Schafen und Rindern), korki (eine auf den Färöern dominierende Flechte, aus der ein Purpurfarbstoff und Lackmus hergestellt wird) und Ortsnamen wie Dímun. Auch Redewendungen wie tað er ótti á mær („ich habe Angst“, wörtlich „da ist Furcht auf mir“) haben eine keltische, aber keine skandinavische, Entsprechung.[4]

Durch die dänische Kolonialsprache, insbesondere seit der Reformation, gelangten viele dänische Lehnwörter ins Färöische. Diese findet man noch heute mehr in der gesprochenen als in der Schriftsprache.

Daneben gibt es auch charakteristische alte englische Lehnwörter, wie zum Beispiel trupulleiki (< trouble) „Problem“ und fittur (< fit) „fit; nett, süß; ziemlich viel oder gut“. Wenngleich die heutige färöische Sprachpolitik sehr puristisch ist, dringen immer wieder Anglizismen ins Färöische, insbesondere in die gesprochene Sprache.[4]

[Bearbeiten] Das färöische Alphabet und Phoneminventar

Das färöische Alphabet hat 29 Buchstaben, die wie folgt klingen können:

Graphem Name Phonem Aussprache (lang, kurz)
A, a fyrra a [ˈfɪɹːa ˈɛaː] („vorderes a“) /a, æ/ [ɛaː], (In Fremdwörtern auch: [aː]), [a]
Á, á á [ɔaː] /å/ [ɔaː], [ɔ]
B, b be [beː] /b/ [b], [b̥] (stimmlos)
D, d de [deː] /d/ [d], [d̥] (stimmlos)
Ð, ð edd [ɛdː] (keins) stumm oder Gleitvokal [j], [v], [w] zwischen bestimmten Vokalen; bei ðr als [gɹ] realisiert.
E, e e [eː] /e/ [eː], [ɛ]
F, f eff [efː] /f/ [f], -ft- wird meist zu [tː]
G, g ge [geː] /g/ [g], [g̊]; im Anlaut vor i, y, e, ø und vor allen anderen Vokalen als gj-: [ʤ̥]; zwischen Vokalen wie ð, also stumm bis gleitend
H, h [hɔa] /h/ [h], in der Kombination hj [ʧ] und als hv [kʰv]
I, i fyrra i [ˈfɪɹːa ˈiː] („vorderes i“) /i/ [iː], [ɪ]
Í, í fyrra í [ˈfɪɹːa ˈʊi] („vorderes í“) /ui/ [ʊiː], [ʊi], in der Verschärfung [ɪ]
J, j jodd [jɔdː] /j/ [j], gj bildet ein [ʤ̥], kj und hj ein [ʧ] und sj ein [ʃ]
K, k [kɔa] /k/ [k], [kʰ] aspiriert, [ʰk] präaspiriert, vor hellen Vokalen meist [ʧ] (vor allen anderen Vokalen wird kj als [ʧ] realisiert).
L, l ell [ɛlː] /l/ [l], [l̥] [ɭ]ˌ [ʎ], [ʎ̥], als ll meist [d̥l] zwischen zwei Vokalen und am Wortende.
M, m emm [ɛmː] /m/ [m], [m̥] (stimmlos). In der Dativendung -um stets [ʊn], vor k als [ŋ̊], und vor n als [u].
N, n enn [ɛnː] /n/ [n], [n̥] (stimmlos), nn wird nach Diphthongen zu [d̥n].
O, o o [oː] /o/ [oː], [ɔ]
Ó, ó ó [ɔuː] /ou/ [ɔuː], [œ]; auf Nólsoy [auː]; in der Verschärfung [ɛ] auf Suðuroy dann aber [ɔ]
P, p pe [peː] /p/ [p], [pʰ] aspiriert, [ʰp] präaspiriert
R, r err [ɛɹː] /r/ [ɹ], [ɹ̥] (Tendenz zum britischen r), rn wird meist zu [dn], rs zu [ɻ̊ʂ], rt zu [ɻ̊t], rd zu [ɻɖ̥]
S, s ess [ɛsː] /s/ [s] immer stimmlos, zusammen als sj [ʃ], oft auch als sk(j)
T, t te [teː] /t/ [t], [tʰ] aspiriert, [ʰt] präaspiriert, zusammen als tj [ʧ]
U, u u [uː] /u/ [uː], [ʊ]
Ú, ú ú [ʉuː] /uu/ [ʉuː], [ʏ], in der Verschärfung [ɪ]
V, v ve [veː] /v/ [v]
Y, y seinna i [ˈsaiːdna ˈiː] („hinteres i“) /i, y/ [iː], [ɪ]; in Fremdwörtern auch: [yː], [ʏ]
Ý, ý seinna í [ˈsaiːdna ˈʊiː] („hinteres í“) /ui/ (identisch mit í) identisch mit í: [ʊiː], [ʊi]
Æ, æ seinna a [ˈsaiːdna ˈɛaː] („hinteres a“) /æ/ [ɛaː], [a]
Ø, ø ø [øː] /ø/ [øː], [œ]
Weitere Diphthonge
ey - /ei/ [ɛiː], [ɛ] (wie in „hej“), auch in der Verschärfung [ɛ]
ei - /ai/ [aiː], [ai] (wie im deutschen „ei“), in der Verschärfung [a]
oy - /oi/ [ɔi:], [ɔi] (wie im deutschen „eu“), in der Verschärfung [ɔ]

Anmerkungen:

Sendistova Föroya - „Gesandtschaft der Färöer“. Wappenschild an der färöischen Vertretung in Kopenhagen. Hier wird feierlich ein Ö statt Ø verwendet und bildet eine orthographische Rarität, die sich aber auch in der Biermarke Föroya Bjór wiederfindet.
Sendistova Föroya - „Gesandtschaft der Färöer“. Wappenschild an der färöischen Vertretung in Kopenhagen. Hier wird feierlich ein Ö statt Ø verwendet und bildet eine orthographische Rarität, die sich aber auch in der Biermarke Föroya Bjór wiederfindet.
  • „Vorderes und hinteres a, i und í“ bezeichnen nur die alphabetische Reihenfolge, keineswegs einen Artikulationsort im Gaumen. Die entsprechenden Paare verhalten sich weitgehend identisch im Falle des a und vollkommen gleich klingend bei i, y bzw. í,ý. Gerade die letzteren beiden Paare machen es dem Schüler im Diktat schwer.
  • Ø, ø wird manchmal auch Ö, ö geschrieben (historisierend, feierlich).
  • Der Großbuchstabe Ð wird nur verwendet, wenn ein Eigenname ganz in Großbuchstaben gesetzt wird, so zum Beispiel auf Landkarten oder bei Firmenlogos, denn ð kommt immer nur innerhalb oder am Ende eines Wortes vor. Im Gegensatz zum Isländischen ist es immer ein stummer Gleitlaut (wenige Ausnahmen), und nie der stimmhafte Dentallaut, der im Isländischen und Englischen erhalten ist: wie in englisch mother oder im isländischen Seyðisfjörður. Etymologisch ist es auch verwandt mit dem weichen dänischen d. Dort, wo der dänische Sprecher in verwandten Wörtern der eigenen Sprache ein weiches d sprechen würde, kommt meist im färöischen Pendant das ð vor. Das liegt an der „etymologisch ausgerichteten“ morphophonemischen Standardschreibung, die 1846/91 von Hammershaimb eingeführt wurde, und sich gegenüber den phonetischen Orthographie-Modellen (von Jens Christian Svabo (1746–1824) und später Jakob Jakobsen (1864–1918)) durchsetzen konnte.
  • Alle Vokale und Diphthonge können sowohl kurz als auch lang sein, wobei die kurze Form oft anders realisiert wird (siehe Lautschrift). Unbetonte kurze Vokale treten immer nur als a, i oder u auf, was besonders charakteristisch in den vielen Flektionsendungen auffällt. Das bedeutet, dass Wörter wie der Inselname Mykines [ˈmiːʧɪ.neːs], akker [ˈaʧeːɹ] („Anker“), korter [kɔɻʂˈteːɹ] („Viertelstunde“) entgegen der Erwartung am Ende ein langes /e/ aufweisen. Und die Konjunktion áðrenn („bevor“) wird [ˈɔaɹɪn] ausgesprochen.
  • Bestimmte lange Diphthonge werden in ihrer kurzen Form monophthongisiert, sodass sich beispielsweise ein kurzes /ó/ nicht vom /ø/ unterscheidet.
  • Das ú ist der einzige „gewöhnungsbedürftige“ Laut für deutsche Muttersprachler (von anderen Feinheiten der färöischen Phonetik abgesehen, die aber in der Artikulation nicht bedeutungsunterscheidend sind). Dieser Diphthong baut auf einem abgedunkelten ü (hoher ungerundeter nicht-vorderer Vokal, ähnlich russisch Ы) auf und wird zum hellen u, wobei noch ein Gleitvokal [w] am Ende angedeutet werden kann. Letzteres kann auch über den anderen „u-Diphthong“ ó gesagt werden, der in früheren Orthographie-Modellen auch als „ow“ dargestellt wurde.

[Bearbeiten] Ð und G als Gleitvokale

Die Buchstaben <ð> und <g> verhalten sich zwischen Vokalen identisch. Sie werden zu einem Gleitvokal /j, v, w,/ je nach Umgebung oder sind stumm. Diese Regeln gelten auch, wenn zwei Vokale in der Schrift aufeinander stoßen.

  • /j/ erscheint immer nach <i/y, í/ý, ei, ey, oy>, also auf einen i-Laut
  • /j/ erscheint auch vor <i>, aber nicht nach einem u-Laut <ó, u, ú>
  • /v/ erscheint zwischen <a/æ, á, e, o, ø> und <u>, also immer dann, wenn kein i-Laut davor steht
  • /w/ erscheint nach den u-Lauten <ó, u, ú>
  • <ð> und <g> sind stumm, wenn sie zwischen zwei anderen als den genannten Vokalen stehen, namentlich <a/æ, á, e, o, ø> vor <a> und immer am Ende eines Wortes

In der färöischen Grammatik Mállæra 1997 wird nicht zwischen /v/ und /w/ unterschieden.[35]


Gleitvokale
Betonter erster Vokal Auslautender zweiter Vokal Beispiele
i [ɪ] u [ʊ] a [a]
Graphem Phonem Gleitvokal
I-Umgebung 1 + 2
i, y [] [j] [j] [j] sigið [siːjɪ] „herabgestiegen“, siður [siːjʊr] „Brauch“, siga [siːja] „sagen“
í, ý [ʊiː] [j] [j] [j] mígi [mʊiːjɪ] „(ich) pinkele“, mígur [mʊiːjʊr] „Bettnässer“, míga [mʊiːja] „pinkeln“
ey [ɛiː] [j] [j] [j] reyði [rɛiːjɪ] „(der) rote“, reyður [rɛiːjʊr] „(ein) roter“, reyða [rɛiːja] „(die) rote“
ei [aiː]