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EllipseIn der ebenen Geometrie versteht man unter einer Ellipse eine spezielle geschlossene, glatte Kurve, die eine Verallgemeinerung des Kreises ist. Die Ellipse gehört ebenso wie der Kreis, die Parabel und die Hyperbel zu den Kegelschnitten. Sie ist ein Spezialfall des anders definierten Ovals, und hat mehr interessante Eigenschaften. Der Umfang einer Ellipse kann im allgemeinen Fall nicht durch eine geschlossene Formel angegeben werden. Die sogenannten elliptischen Integrale gehören zu den klassischen Beispielen, für die keine algebraisch formulierbare Stammfunktion existiert. Erweitert man die Ellipsengleichung für den dreidimensionalen Raum, so entsteht ein Ellipsoid. Hat dieses zwei gleiche Halbachsen, so heißt es Rotationsellipsoid, da es in diesem Fall auch durch Rotation einer Ellipse um eine ihrer Achsen beschrieben werden kann. Hierbei sind alle Schnittflächen senkrecht zu dieser Rotationsachse Kreise.
[Bearbeiten] Definitionen und BegriffeEs gibt verschiedene Möglichkeiten, Ellipsen zu definieren. Neben der Definition über gewisse Abstände von Punkten ist es auch möglich eine Ellipse als Bild eines Kreises unter Parallelprojektion oder als ebenen Schnitt eines Kreiszylinders zu definieren. Ein beschränkter ebener Schnitt eines Kreiskegels stellt sich ebenfalls als Ellipse heraus. [Bearbeiten] Ellipse als PunktmengeEine Ellipse kann definiert werden als die Menge aller Punkte P der Zeichenebene, für die die Summe der Abstände zu zwei gegebenen Punkten F1 und F2 gleich 2a ist (in nebenstehender Abbildung blau eingezeichnet). Die Punkte F1 und F2 heißen Brennpunkte. [Bearbeiten] Ellipse als KegelschnittDie Ellipse kann auch als ein Kegelschnitt angesehen werden, der entsteht, wenn der Schnittwinkel zwischen Ebene und Kegelachse größer als der halbe Öffnungswinkel des Doppelkegels ist. Der Kreis ist ein Sonderfall der Ellipse. [Bearbeiten] Scheitel und AchsenDie Punkte S1 und S2 mit größtem Abstand zum Mittelpunkt M heißen Hauptscheitel, ihre Verbindungslinie Analog dazu spricht man von den Nebenscheiteln S3 und S4, welche die Nebenachse bestehend aus den kleinen Halbachsen Haupt- und Nebenachse sind rechtwinklig zueinander. [Bearbeiten] Exzentrizität
Der Abstand der Brennpunkte vom Mittelpunkt heißt lineare Exzentrizität und wird mit e bezeichnet. Die lineare Exzentrizität berechnet sich über das rechtwinklige Dreieck ΔMF1S3 mit dem Satz des Pythagoras Neben der linearen Exzentrizität e wird oft auch die dimensionslose numerische Exzentrizität verwendet. Ist [Bearbeiten] Spezielle AbständeDie Definitionsgleichung zusammen mit Symmetrieüberlegungen ergeben, dass der Abstand der Nebenscheitel S3 und S4 von den Brennpunkten F1 und F2 gerade gleich der Größe a aus der Definition ist (in nebenstehender Abbildung grün eingezeichnet): Die großen Halbachsen [Bearbeiten] HalbparameterDie halbe Länge einer Ellipsensehne, die durch einen Brennpunkt geht und zur Hauptachse senkrecht verläuft, nennt man den Halbparameter (manchmal auch nur Parameter) p der Ellipse: Eine andere Definition der Ellipse benutzt eine spezielle geometrische Abbildung, nämlich die perspektive Affinität. Hier ist die Ellipse als perspektiv affines Bild eines Kreises definiert. Dabei wird jeder Kreisdurchmesser auf einen Ellipsendurchmesser abgebildet. [Bearbeiten] Hauptlage und analytische DefinitionEine Ellipse, deren Mittelpunkt im Ursprung des Koordinatensystems liegt und deren Hauptachse mit der x-Achse zusammenfällt, nennt man Ellipse in der 1. Hauptlage. Es gilt die Gleichung für die Koordinaten der Ellipsenpunkte einer solchen Ellipse. [Bearbeiten] Eigenschaften[Bearbeiten] Brennpunkteigenschaft
Die Verbindungslinie zwischen einem Brennpunkt und einem Punkt der Ellipse heißt Brennlinie, Leitstrahl, oder Brennstrahl. Ihren Namen erhielten Brennpunkte und Brennstrahlen aufgrund der Eigenschaft, dass der Winkel zwischen den beiden Brennstrahlen in einem Punkt der Ellipse durch die Normale in diesem Punkt halbiert wird. Damit ist der Einfallswinkel, den der eine Brennstrahl mit der Tangente bildet, gleich dem Ausfallswinkel, den die Tangente mit dem anderen Brennstrahl bildet. Ein Lichtstrahl, der von einem Brennpunkt ausgeht, würde demnach an der Ellipsentangente so reflektiert, dass er den anderen Brennpunkt trifft. Bei einem ellipsenförmigen Spiegel treffen sich demnach alle von einem Brennpunkt ausgehenden Lichtstrahlen in dem anderen Brennpunkt. Da der Weg von einem zum anderen Brennpunkt (entlang zweier zusammengehöriger Brennstrahlen) immer gleich lang ist, wird z. B. Schall nicht nur „verstärkt“ (siehe unten) von einem zum anderen Brennpunkt übertragen, sondern kommt sogar zeit- und phasengleich (also verständlich und nicht interferierend) dort an. Zwei Ellipsen mit übereinstimmenden Brennpunkten nennt man konfokal. [Bearbeiten] Natürliches Vorkommen und Anwendung in der TechnikDie Decken mancher Höhlen ähneln einer Ellipsenhälfte. Befindet man sich in einem Brennpunkt dieser Ellipse, hört man jedes Geräusch, dessen Ursprung im zweiten Brennpunkt liegt, verstärkt („Flüstergewölbe“). Das gleiche Prinzip wird heute zur Zertrümmerung von Nierensteinen mit Stoßwellen verwendet. [Bearbeiten] DirektrixEine Parallele zur Nebenachse im Abstand Ein gegebener Brennpunkt F, eine Gerade d (die Direktrix) und eine Zahl [Bearbeiten] Konjugierte DurchmesserBetrachtet man zu einem beliebigen Ellipsendurchmesser (einer Ellipsensehne durch den Ellipsenmittelpunkt) [Bearbeiten] Konstruktion[Bearbeiten] Näherung über KrümmungskreiseEllipsen lassen sich (mit Zirkel und Lineal) nur punktweise konstruieren, d. h. eine genaue Konstruktion wie zum Beispiel beim Kreis ist unmöglich. Mit Hilfe der Krümmungskreise an den Scheitelpunkten und eines Kurvenlineals lässt sich aber auch zeichnerisch ein relativ genaues Bild der Ellipse erstellen. Um aber zum Beispiel eine Gerade exakt mit einer Ellipse zu schneiden, braucht man besondere Konstruktionstechniken, welche die Eigenschaften der Ellipse ausnutzen. [Bearbeiten] GärtnerkonstruktionEine einfache Möglichkeit, die Ellipse genau zu zeichnen, ist die sogenannte Gärtnerkonstruktion. Sie benutzt direkt die Ellipsendefinition: Um ein ellipsenförmiges Blumenbeet zu erstellen, schlägt man zwei Pflöcke in die Brennpunkte und befestigt daran die Enden einer Schnur mit der Länge 2a. Nun spannt man die Schnur und fährt mit einem Markierungsgerät an ihr entlang. Da diese Methode neben Zirkel und Lineal zusätzliche Hilfsmittel benötigt, handelt es sich nicht um eine Konstruktion der klassischen Geometrie. [Bearbeiten] EllipsenzirkelEbenfalls können Ellipsen mit Frans van Schootens Ellipsenzirkel oder darauf beruhenden Nachbauten konstruiert werden. Der Gelenkmechanismus wurde von dem holländischen Mathematiker im 17. Jahrhundert erfunden. Wenn man am Stift in Punkt E zieht, zeichnet dieser eine Ellipse. Der Mechanismus ist an den Brennpunkten H und I auf der Zeichenunterlage befestigt. [Bearbeiten] Konstruktion nach de la HireMittels der Ellipsenkonstruktion nach de la Hire (auch Konstruktion nach Proklus) können Ellipsenpunkte konstruiert werden, ohne dass die Brennpunkte bekannt sein müssen. [Bearbeiten] Rytzsche AchsenkonstruktionSind zwei konjugierte Durchmesser gegeben, können mit Hilfe der Rytzschen Achsenkonstruktion die Haupt- und Nebenscheitel (und die Achsen) bestimmt werden. [Bearbeiten] Auf Basis eines KreisesBesonders in der Computergrafik lohnt sich die Ableitung einer Ellipse aus einer Kreisform. Eine achsenparallele Ellipse ist dabei einfach ein Kreis, der in einer der Koordinatenrichtungen gestaucht bzw. gedehnt, in anderen Worten anders skaliert wurde. Eine allgemeine, in beliebigem Winkel gedrehte Ellipse kann man aus so einer achsenparallelen Ellipse durch Scherung erhalten, s. a. Bresenham-Algorithmus. [Bearbeiten] Radlinien
[Bearbeiten] Beispiele
[Bearbeiten] Formelsammlung[Bearbeiten] Ellipsengleichung (kartesische Koordinaten)Mittelpunkt (0 | 0), Hauptachse als x-Achse: Mittelpunkt (x0 | y0), Hauptachse parallel zur x-Achse: [Bearbeiten] Ellipsengleichung (Parameterform)Mittelpunkt (0 | 0), Hauptachse als x-Achse: Mittelpunkt (x0 | y0), Hauptachse parallel zur x-Achse: [Bearbeiten] Ellipsengleichung (Polarkoordinaten)Hauptachse waagrecht, Mittelpunkt als Pol, Polarachse längs Hauptachse nach rechts: Hauptachse waagrecht, rechter Brennpunkt als Pol, Polarachse längs Hauptachse nach rechts (Halbparameter p): Hauptachse waagrecht, linker Brennpunkt als Pol, Polarachse längs Hauptachse nach rechts: [Bearbeiten] Tangentengleichung (kartesische Koordinaten)Mittelpunkt (0 | 0), Hauptachse als x-Achse, Berührpunkt (xB | yB): Mittelpunkt (x0 | y0), Hauptachse parallel zur x-Achse, Berührpunkt (xB | yB): [Bearbeiten] Winkel der EllipsentangenteIn der nebenstehenden Grafik gilt das Winkelverhältnis und nachdem man die Formel für [Bearbeiten] HerleitungDas Argument läuft über eine affine Transformation in einen Kreis und wieder zurück. Der Punkt Pe der Ellipse ist das affine Bild des entsprechenden Punktes Pk auf dem Hauptkreis, der das Urbild der Ellipse unter einer affinen Transformation ist. Die Koordinaten von Pk sind
für einen noch zu bestimmenden Winkel t, wobei a der Kreisradius ist. Die Koordinaten der Ellipsenpunkte gehen durch eine Stauchung ihrer y-Koordinaten mit dem Faktor was die Koordinatenform der Ellipse ist. Durch Ableitung erhält man den Richtungsvektor ihrer Tangente te im Punkt Pe: Der Richtungsvektor der Normalen ne ergibt sich durch Vertauschen der Koordinaten und Invertieren einer Koordinate zu: Daraus ergibt sich die Steigung der Normalen zu und damit ihr gesuchter Steigungswinkel β zu Dieser Winkel ist bisher ausgedrückt in Abhängigkeit vom Winkel t und muss noch in Abhängigkeit von In obiger Abbildung sieht man, dass und Dies eingesetzt in die Gleichung für β ergibt Durch Zusammenfassen der Brüche, das Wegfallen von r' und das Ersetzen der Durch Auflösen nach Weiters kann man auch das Winkelverhältnis der Ellipsentangente zur Tangente des Hauptachsenkreises ableiten. Indem die Formeln nach x auflöst und gleichsetzt und einsetzt, erhält man das Winkelverhältnis [Bearbeiten] Normalengleichung (kartesische Koordinaten)Mittelpunkt (0 | 0), Hauptachse als x-Achse, Berührpunkt (xB | yB): [Bearbeiten] KrümmungsradienKrümmungsradius in einem der beiden Hauptscheitel: Krümmungsradius in einem der beiden Nebenscheitel: [Bearbeiten] Weitere Formeln[Bearbeiten] FlächeninhaltMit den Halbachsen a und b: In Polarkoordinaten lässt sich auch der Flächeninhalt als Funktion des (Polar)Winkels darstellen: (Polarkoordinaten: Hauptachse waagrecht, Mittelpunkt als Pol, Polarachse längs Hauptachse nach rechts; das heißt erste Formel (Ellipsengleichung) in Abschnitt 5): bzw für einen Elipsensektor (Winkel φ∈[0,π/2]) erhält man (Ursprung als Pol): [Bearbeiten] UmfangDer Umfang kann nicht analytisch berechnet werden. Er ist nur als Integral darstellbar: mit der numerischen Exzentrizität d. h. approximativ
und die Näherung relativer Fehler: oder mit
mit und Mit Hilfe des nebenstehenden Diagramms kann bei gegebener Exzentrizität (5) ist in einem weiten
Die Umkehrung, also eine Abbildung die (für eine gegebene Ellipse) der Bogenlänge einen Winkel zuordnet, ist eine elliptische Funktion. [Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Weblinks
Wiktionary: Ellipse – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik
Commons: Kategorie:Ellipsen – Bilder, Videos und Audiodateien
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