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Compact CassetteDie Compact Cassette (CC) oder Audiocassette ist ein elektromagnetisches Speichermedium (TontrĂ€ger) fĂŒr Kassettenrekorder. Sie wird umgangssprachlich oft einfach âKassetteâ oder âTapeâ genannt, bespielt verkaufte Kassetten werden als Musikkassetten (MC) bezeichnet.
[Bearbeiten] AufbauEine Kassette besteht aus einem Magnetband in einem Kunststoff-, selten auch KeramikgehĂ€use, auf dem vier Tonspuren (zwei fĂŒr jede Seite) gespeichert werden können. Die Tonköpfe der Abspiel- und AufnahmegerĂ€te sind jeweils so ausgerichtet, dass sie nur die jeweils unteren zwei Spuren des Bandes abtasten. Nach dem Umdrehen der Kassette werden wiederum die beiden unteren, also nun die beiden anderen Spuren, abgespielt. Manche Kassettenrekorder bieten eine Auto-Reverse-Funktion, bei der die Kassette nicht umgedreht werden muss, da das Band in beide Richtungen abgespielt werden kann. Reine AbspielgerĂ€te benutzen hierzu normalerweise einen Vierspur-Kopf, wĂ€hrend Rekorder eine Lösch- und Tonkopf-Kombination haben, die um 180° drehbar an der mittleren Ăffnung der Kassette angeordnet ist. In einigen High-End-GerĂ€ten wurde auch die Cassette selbst von einer Mechanik gewendet. Das Band ist 3,81 mm breit und bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von 47,625 mm/s. Die ersten kommerziellen (bespielten) Kassetten wurden 1965 verkauft, der Stereoton kam 1967. Die Bezeichnung der Kassetten ergibt sich aus der Spielzeit beider Seiten in Minuten; die am meisten verbreiteten Formate sind C60 (30 min Spielzeit pro Seite), C90 (45 min/Seite), C120 (60 min/Seite) und (sehr selten) C180 und C240 â je lĂ€nger die Spieldauer, desto dĂŒnner und damit empfindlicher auf Zugbelastung und Selbstmagnetisierung der Bandlagen auf der Wickelspule (Kopiereffekt) ist das Band. So ist das Band einer C60-Kassette ĂŒblicherweise 15-16 ”m dick. Bei C90 sind es 10-11 ”m und bei C120 nur noch 9 ”m. In der Regel ist die tatsĂ€chliche Laufzeit geringfĂŒgig lĂ€nger als angegeben. [Bearbeiten] GeschichteBereits vor der EinfĂŒhrung des Kassettenrecorders wurde 1935 von der AEG ein TonbandgerĂ€t (âMagnetophon") vorgestellt, das auf derselben Technik beruhte, jedoch mit offenem Bandwickel arbeitete. Die GerĂ€te waren vergleichsweise teuer und kompliziert zu bedienen, weshalb sie vor allem beim Hörfunk und in Tonstudios eingesetzt wurden. FĂŒr Privatanwender waren TonbandgerĂ€te wenig attraktiv und kamen erst ab den 1950er Jahren in Mode. Bei Preisen zwischen 700 und 1500 DM (inflationsbereinigt (2006) 3000 bis 7000 Euro) waren sie aber immer noch zu teuer fĂŒr den Massenmarkt und wegen der verwendeten Elektronenröhren auch sehr voluminös gebaut. Das Ă€nderte sich, als der niederlĂ€ndische Konzern Philips die Compact Cassette und ein mit Transistoren bestĂŒcktes dazugehöriges GerĂ€t entwickelte. Vorgestellt wurde der erste Kassettenrekorder (Philips EL 3300) im August 1963 auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin. Er kostete 299 DM und konnte nur mit Batterien betrieben werden. Die Firma Grundig AG brachte 1965 ein alternatives System heraus, das CassettengerĂ€t C 100 mit Kassetten, die etwas gröĂer waren als die Compact Cassette. Das System konnte sich aber nicht durchsetzen und wurde wieder vom Markt genommen. Auch von Sony gab es einige Jahre spĂ€ter einen Versuch, ein Kassettensystem mit gegenĂŒber der Compact Cassette erheblich verbesserter KlangqualitĂ€t auf den Markt zu bringen (siehe Elcaset), doch auch diesem System war langfristig kein Erfolg beschieden. Siehe auch: 8-Spur-Kassette (Lear-System), Elcaset [Bearbeiten] SiegeszugDie Compact Cassette war ursprĂŒnglich fĂŒr DiktiergerĂ€te gedacht, wurde aber bald auch als Speichermedium fĂŒr Musik genutzt. Insbesondere Jugendliche waren von der Möglichkeit begeistert, auf billige und einfache Art ihre Lieblingshits aus dem Radio aufnehmen zu können. Schon bald gab es KombigerĂ€te mit Radio, spĂ€ter auch in Stereo. Ende der 1960er Jahre wurden Autoradios mit einer Abspielfunktion fĂŒr Kassetten ergĂ€nzt. 1979 brachte die japanische Firma Sony den ersten Walkman, einen tragbaren Kassettenspieler, auf den Markt. [Bearbeiten] Spezielle Kassetten
[Bearbeiten] Compact Cassetten zur digitalen DatenspeicherungAb den spĂ€ten 1970er Jahren wurde die Kassette, da billig und massenproduziert, auch zur Speicherung von Computerdaten bei Heimcomputern benutzt, z. B. fĂŒr den Commodore PET, Atari 800, MSX, Tandy TRS 80 und vor allem den Commodore 64 (siehe auch Datasette). Mit dem Siegeszug der schnelleren und bequemeren Disketten und Festplatten auch im Heimbereich ging die Ăra dieser Anwendung jedoch ab den spĂ€ten 1980er Jahren allmĂ€hlich zu Ende. Zur Datenspeicherung gab es Kassetten mit einem speziellen Bandmaterial. Die Kassetten tragen auf der Unterseite eine mechanische Kodierung, damit Datenlaufwerke ihre Parameter auf das spezielle Band einstellen können. Derartige Kassetten passen zwar auch in jeden normalen Kassettenrekorder, bringen dort jedoch keine ausreichende KlangqualitĂ€t. Zudem waren die Laufzeiten meist wesentlich kĂŒrzer (C10 bis C20); Ladezeiten ĂŒber 10 Minuten fĂŒr ein einzelnes Programm waren eher selten, besonders, wenn sog. Schnelllader verwendet wurden. Durch die kurzen BĂ€nder wurden die Umspulzeiten verkĂŒrzt. [Bearbeiten] WeiterentwicklungFĂŒr die magnetische Speicherung auf dem Band wurde zunĂ€chst Ferrit (Fe2O3) verwendet (Kassetten-Typ I). SpĂ€ter wurden auch Beschichtungen mit Chromdioxid (CrO2, Typ II), Eisenoxid und Chromdioxid (Doppelschichtband, âFerrochrombandâ, FeCr, Typ III) und elementar-metallischen Partikeln (âReineisenbandâ, âMetalâ, Typ IV) angeboten. Durch symmetrische Einkerbungen auf der oberen Stirnseite der Compact Cassette sind die Bandsorten fĂŒr die Aufnahme- und AbspielgerĂ€te automatisch unterscheidbar (Ferrit (I): keine Einkerbung; CrO2 (II): zwei; Metal (IV): vier Einkerbungen). FĂŒr Kassetten des Typs FeCr (III) existiert keine eigene Kerbungsvereinbarung, so dass sie nicht automatisch erkannt werden können. FĂŒr die Aufnahme auf Typ-III-BĂ€nder geeignete GerĂ€te mĂŒssen daher auf jeden Fall â zumindest optional â manuelle Bandsortenwahl bieten. Bei der Wiedergabe ist die Entzerrungseinstellung von Typ III identisch mit der von Typ II und IV. In GerĂ€ten mit automatischer Bandsortenwahl werden Typ-III-BĂ€nder als Typ I erkannt, was eine Höhenanhebung von etwa 4dB verursacht. Kassetten des Typs III verschwanden sehr schnell wieder vom Markt und sind heute praktisch nicht mehr erhĂ€ltlich. Auch Typ IV-Kassetten sind seit Jahren (ca. 1998?) vom westeuropĂ€ischen Markt verschwunden, sollen aber noch vereinzelt produziert werden. Die Unterschiede der Bandsorten liegen in deren Magnetisierbarkeit begrĂŒndet: WĂ€hrend Ferrit-Beschichtungen bereits bei relativ geringer magnetischer FeldstĂ€rke (Amplitude bzw. LautstĂ€rke) voll magnetisiert sind, können Metall-Beschichtungen auch stĂ€rkere magnetische FeldstĂ€rken noch unterscheiden, wodurch es möglich ist, Aufnahmen höher (lauter) auszusteuern, was den Dynamikumfang und den Rauschabstand erhöht: Beim Abspielen höher ausgesteuerter Aufnahmen kann man den LautstĂ€rkeregler bei unverĂ€nderter AbspiellautstĂ€rke im Vergleich zu niedrig ausgesteuerten Aufnahmen leiser stellen; wĂ€hrend also die LautstĂ€rke des Nutzsignals (z. B. Musik) gleich geblieben ist, werden Band- und GerĂ€terauschen heruntergeregelt und somit reduziert. Die StĂ€rken der Eisenoxidschicht liegen in einer besseren Tiefenaussteuerbarkeit, wĂ€hrend das Chromdioxidband seine StĂ€rken in der besseren Höhenausteuerbarkeit hat. Auf Grund dieser Tatsachen wird fĂŒr Eisenoxidband gewöhnlich eine Aufnahmevorverzerrung bzw. Wiedergabeentzerrung mit einer Zeitkonstanten von 120 ”s benutzt, wĂ€hrend fĂŒr die anderen Bandsorten 70 ”s benutzt wird. Die Entzerrung mit 70 ”s hilft, das Rauschen, in dem die hohen Frequenzbereiche dominieren, zu verringern. Bei falscher Bandsorteneinstellung stimmt der Frequenzgang der Aufnahme bei der Wiedergabe nicht, wodurch das Audiomaterial entweder zu dumpf (Fe2O3-Band mit 70 ”s-(Chrom-)Einstellung) bzw. zu spitz (z. B. CrO2 mit 120 ”s-(Ferro-)Einstellung) klingt. Um die Vorteile von Eisenoxid und Chromdioxid zu kombinieren, wurde das Zweischichtband (Ferrochrom-Band) entwickelt, bei dem sich auf einer Eisenoxid- eine Chromdioxid-Schicht befindet. Vorbespielte Kassetten mit Chromdioxidband werden hĂ€ufig mit einer Aufnahmevorverzerrung von 120 ”s bespielt, d. h. der Kassettenrekorder sollte beim Abspielen auf Ferro-Band eingestellt sein. (Hierzu Beschriftung der Kassette beachten.) Bei diesem Vorgehen wird die gegenĂŒber Eisenoxid-Band verbesserte Höhenaussteuerbarkeit des Chromdioxid-Bandes nicht genutzt, um das Rauschen mittels 70 ”s-Entzerrung zu verringern, sondern um höhenbetontes Klangmaterial besser wiedergeben zu können. Diese Technik kommt den verĂ€nderten Hör- bzw. eher Produktionsgewohnheiten entgegen, wonach Musik heutzutage höhenbetonter als frĂŒher ist, und gleichzeitig eine moderne Produktion weniger Dynamik hat, wodurch das Rauschen weniger ein Problem darstellt. Bisweilen wird behauptet, dass die Musik auf FerritbĂ€ndern âwĂ€rmerâ klinge. Der Ursprung dieser Behauptung begrĂŒndet sich in der SĂ€ttigungsmagnetisierung, bei der geradzahlige Obertöne verstĂ€rkt bzw. hinzugefĂŒgt werden. Typ-IV-Kassetten lassen sich höher aussteuern als Typ II, haben allerdings einen etwas rauheren Klang, wĂ€hrend Typ-II-Kassetten feiner klingen (sollen). Wegen der ferromagnetischen Eigenschaften der TonbĂ€nder ist bei der Aufnahme die sogenannte Vormagnetisierung (engl. Bias) vonnöten. Die StĂ€rke der Vormagnetisierung hĂ€ngt vom benutzten Bandmaterial ab. ReineisenbĂ€nder benötigen eine stĂ€rkere Vormagnetisierung als ChromdioxidbĂ€nder, diese wiederum eine stĂ€rkere als EisenoxidbĂ€nder. Höherwertige GerĂ€te messen sich auf die tatsĂ€chlichen Bandeigenschaften durch Testaufnahmen (teilweise automatisch) ein, d. h. stellen die exakte StĂ€rke der Vormagnetisierung bzw. Aufnahmevorverzerrung ein. Bei minderwertigen KassettengerĂ€ten wird oft aus ĂŒbertriebener Sparsamkeit statt eines elektrischen Löschkopfes nur ein Dauermagnet eingesetzt. Die Aufnahmen solcher GerĂ€te klingen von Grund auf verrauscht und stellen einen technischen RĂŒckschritt dar. (Siehe hierzu auch Tonband, Vormagnetisierung.) Das Problem des Rauschens bei der Wiedergabe suchte man durch RauschunterdrĂŒckungsverfahren zu beheben. Das bekannteste Verfahren ist sicher das Dolby-B-Verfahren. Auch das Nachfolgeverfahren Dolby-C erlangte weite Verbreitung, wĂ€hrend das nochmals verbesserte Dolby-S erst zum Ende der Kassetten-Ăra erschien und deshalb keine groĂe Bedeutung mehr erlangte. Als Nachfolger der Compact Cassette wurden das Digital Audio Tapes (DAT), von Sony die MiniDisc (MD) und von Philips Anfang der 1990er Jahre die mit der CC abwĂ€rtskompatible digitale Compact Cassette DCC vorgestellt. Diese neuen digitalen Medien ermöglichen die verlustfreie Kopie von Musik oder Daten. Bei den optischen Medien entfĂ€llt auch das Warten beim Vor- und ZurĂŒckspulen, und einzelne Titel lassen sich nun direkt anwĂ€hlen. WĂ€hrend sich DAT und MD langsam halbwegs erfolgreich entwickelten, war die DCC fĂŒr Philips ein völliger Misserfolg und wurde nach wenigen Jahren eingestellt. Jedoch erst mit der Verbreitung der beschreibbaren Compact Disc (CD) kam die Kassette ins Hintertreffen und ihre Weiterentwicklung wurde weitgehend gestoppt. [Bearbeiten] Aktuelle SituationDie Kassette wird aufgrund fortgeschrittener Technik immer mehr vom Markt verdrĂ€ngt.[1] In den meisten LĂ€ndern Lateinamerikas, Afrikas, und West- und SĂŒdasiens erscheint auch 2007 noch der GroĂteil aller Musik auf Kassette, da Kassettenrekorder im Vergleich zu Plattenspielern einfacher zu bedienen und billiger sind, und vor allem ohne patentierte und nur in IndustrielĂ€ndern produzierte Spezialelektronik gebaut und repariert werden können. Ein besonders wichtiger Faktor ist auch ihre Robustheit, denn anders als Schallplatten und CDs vertrĂ€gt eine Kassette in MaĂen auch Hitze, Staub und grobe Behandlung â nur hohe Feuchtigkeit vertrĂ€gt sie schlechter als andere Medien. In Deutschland findet sie teilweise als Hörspielkassette bzw. Hörbuch insbesondere fĂŒr Kinder weiterhin Verwendung. Auch im Rap-Bereich ist sie weiterhin durch die von z. B. DJs individuell zusammengestellte Mixtapes verbreitet. Ebenso wird die Kassette im (extremen) Metal fĂŒr Demo- und Promo-Zwecke weiterhin verwendet. Wegen der hohen FlexibilitĂ€t des Mediums ist die Kassette bei Rundfunkaufnahmen ohne hohe QualitĂ€tserwartung nach wie vor erste Wahl. Es gibt in Deutschland ebenfalls noch eine geringe Anzahl an Vereinen, wie den Bayerischen Kaleidofon, die monatliche Musikprogramme auf Kassette publizieren. Durch die oben genannte Robustheit sind Kassettenmedien auch im Auto noch recht beliebt, da ein Wechsel einfach ohne Hinsehen vor sich geht. Daher gibt es auch noch entsprechende GerĂ€te von den Autoherstellern oder NachrĂŒstern. Die komfortableren GerĂ€te erlauben auch das Ăberspringen einzelner Titel, wenn die akustische Pause lang genug ist (ca. 4 Sekunden). Dadurch wird der unten genannte Nachteil (Spulvorgang) teilweise kompensiert. Ein Nachteil der Kassette ist, dass es wie beim TonbandgerĂ€t Bandsalat geben kann und der Klang ĂŒber die Jahre hinweg wegen Entmagnetisierungen an QualitĂ€t verliert. Auch die gefĂŒrchteten Aussetzer, âDrop-outsâ genannt, nehmen durch Bandstaub und VerschleiĂ mit der Zeit zu. Anders als bei einer CD ist auch ggf. ein zeitraubendes Vor- bzw. ZurĂŒckspulen notwendig. Das unkomplizierte Löschen durch einfaches Ăberspielen mit neuen Inhalten und die im Vergleich zu digitalen Medien geringen Hardwareanforderungen prĂ€destinieren die Kassette in vielen FĂ€llen weiterhin fĂŒr den alltĂ€glichen Gebrauch. [Bearbeiten] Siehe auch[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Quellen
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